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Naturschutz

Bio ist nicht zwingend nötig

Referenten+Lehrer_3
Dietmar Fund
am
02.04.2019

Bei einem Symposium der Naturschützer zeigen vier Nachwuchskräfte, was konventionell wirtschaftende Landwirte für den Naturschutz leisten können.

Die Töginger Landwirtschaftsschule bildet den Nachwuchs für rund 3000 landwirtschaftliche Betriebe aus. Im ersten Semester hatten kürzlich 16 Nachwuchskräfte im Fach „Naturschutz und Landschaftspflege“ die Aufgabe, ein Projekt aus diesem Bereich in ihrem eigenen Betrieb zu planen und umzusetzen. Daher hat die Schule lange vor dem Volksbegehren ihre Beteiligung am zweitägigen „Symposium für mehr biologische Vielfalt im Landkreis Altötting “ angemeldet. Es wurde von der Kreisgruppe Altötting des Bund Naturschutz veranstaltet. Zwei Erstsemester und zwei Drittsemester präsentierten ihre Projekte in einem einstündigen Workshop.

Stein- und Totholzhaufen

Johannes Aschenberger aus Aschau am Inn skizzierte, wie er in seinem Milchviehbetrieb mit Weidehaltung auf einer extensiv bewirtschafteten Fläche von 7500 m² Stein- und Totholzhaufen einrichtet. Mit ihnen möchte er unter anderem Eidechsen, Käfer und Ameisen anlocken und Wildtieren sowie Fledermäusen Nahrung bieten. Außerdem legt sein Betrieb jährlich wechselnd 1000 m² Blühfläche entlang von Gehwegen und Privatgärten an, was laut Aschenberger Konflikte mit den Anwohnern mindert. Rund einen Kilometer lange Feld- und Wiesenhecken entlang eines Weges führen bis zum Waldrand und sorgen so für eine Biotop-Vernetzung. Im Herbst stellt der Betrieb Aufsitzstangen für Mäusebussarde und Baumfalken auf, damit die im Winter besser Mäuse jagen können.

Auch über die Nachteile sprechen

Veronika Niederhuber aus Rockersbach schilderte, dass ihr Familienbetrieb im Vollerwerb mit Milchkühen, weiblicher Nachzucht und dem Anbau von Mais und Getreide sieben Menschen ernähren müsse. Der Betrieb baue Zwischenfrüchte an, die Unkraut unterdrückten, dem Erosionsschutz dienten und mit ihren Pflanzenrückständen die Humusbildung förderten. „Diesen Vorteilen stehen Nachteile für den Betrieb entgegen“, berichtete die angehende Landwirtin. „Wir haben Kosten für das Saatgut und einen erhöhten Arbeitsaufwand. Außerdem trocknen die Flächen langsamer ab und können erst später bearbeitet werden.“ Geschickt schilderte Niederhuber auch die Vor- und Nachteile von Blühstreifen entlang der Maisfelder und der extensiven Grünlandnutzung.

Film über Blühstreifen erarbeitet

Mit Stefan Unterblümhuber aus Oberneukirchen und Hubert Überacker aus Aschau am Inn zeigten zwei Drittsemester einen Film über einen Blühstreifen. Den haben sie zusammen mit Markus Falter aus Pleiskirchen konzipiert, der wegen Krankheit entschuldigt war. Wie Unterblümhuber berichtete, sät seine Familie solche Blühstreifen schon seit Jahren ein und stellte dabei fest, dass die Insekten diese Streifen gut annehmen. Ein benachbarter Imker habe seither einen gesteigerten Ertrag. „Blühstreifen verbessern neben ihrem Hauptzweck das Image der Landwirtschaft und die Naherholung“, erklärte Unterblümhuber.

Der Verbraucher steuert mit

In der abschließenden Diskussionsrunde kam die Frage, ob sich die jungen Leute vorstellen könnten, künftig nicht mehr für den Ertrag, sondern für den Naturschutz bezahlt zu werden. Darauf antwortete Erstsemester Johannes Anzenberger wie ein Routinier: „Der Verbraucher steuert einen Großteil des Verhaltens der Landwirte, die durchaus extensiver arbeiten können, wenn der Verbraucher es auch bezahlt“. Anzenberger wandte sich auch gegen ein „Schwarz-Weiß-Denken“ zu konventionellem und biologischem Anbau. Angesichts der aufkeimenden Grundsatzdiskussion beeilte sich der Lehrer Dr. Bernhard Hübner, zeitgerecht „die Kurve zu kriegen“. Er sagte, die Schule habe zeigen wollen, dass auch konventionelle Betriebe etwas für die Umwelt tun und dass die Landwirte von ihrer Arbeit leben müssten.

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