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Einkommenskombination

Biogas ergänzt die Milchwirtschaft

Ludwig Holly
am
26.11.2015

Vogtareuth/Lks. Rosenheim - Landwirtschaftsamt Rosenheim stellt den Betrieb von Familie Mayerhofer vor.

Um die verschiedenen Möglichkeiten und Herausforderungen aufzuzeigen, die sich aus der Kombination von Milchwirtschaft und kleiner Biogasanlage ergeben, hatte das AELF Rosenheim kürzlich zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen. Treffpunkt war der landwirtschaftliche Betrieb von Familie Mayerhofer in Vogtareuth.
Der Betrieb hat eine Ackerfläche von 26,4 ha, 38 ha Dauergrünland und 13 ha Wald. Angebaut werden Silomais, Winterweizen, GPS und Zwischenfrüchte. Der gesamte Viehbestand umfasst 110 GV (65 Milchkühe und 73 weibliche Nachzucht).
Im Jahr 2001 wurde ein neuer Stall für die Milchkühe gebaut. „Durch eine hohe Eigenleistung beim Bau betrugen die Kosten pro Kuhplatz etwa 3900 €“, erklärte Landwirt Johann Mayerhofer. Auf dem Dach befinden sich zwei Photovoltaikanlagen mit insgesamt 75 kW Leistung.
Als die Heizung im Wohnhaus erneuert werden musste, entschied sich Mayerhofer nach Beratung durch das AELF Rosenheim, eine Biogasanlage zu bauen und die Abwärme zu nutzen. Er setzt Gülle, Silomais und Festmist ein. Verwertet werden auch Reststoffe, eine schlechte Silage und Getreideausputz.
Die güllebasierte 50 kW (elektrisch) Biogasanlage mit externer Abwärmenutzung für das Wohnhaus, den Melkstand und die Werkstatt ging im Juli 2009 in Betrieb. Sie ist eine ideale Ergänzung zur Milchwirtschaft. Gut bewährt hat sich der 4-Zylinder-Gasmotor mit Turbolader der Firma MAN, der inzwischen rund 55.000 Stunden ohne Reparatur erreicht hat.
Doch die Betreiber von Biogasanlagen sehen sich auch mit Problemen konfrontiert. Durch die Absenkung der Stromeinspeisekosten ist ein wirtschaftlicher Betrieb neuer Anlagen kaum möglich. „Unter den aktuellen Bedingungen werden derzeit nur Anlagen bis zu einer Leistung von 75 kW und einem Einsatz von mindestens 80 % Gülle gebaut“, heißt es in einem Faltblatt des AELF Rosenheim. Unklar ist auch noch, was das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2016 (EEG 2016) bringen wird. Notwendig ist eine Folgeregelung für die Anlagen, bei denen die Einspeisevergütung ausläuft.
Derzeit baut die „Biogasgruppe Rosenheim“ mit den Stadtwerken Rosenheim das sogenannte „Landwerk“ auf. Das Ziel ist, den Strom von einem „Pool“ von Biogasanlagen direkt regional zu vermarkten. „In der von der Landwirtschaft geprägten Gemeinde Vogtareuth herrscht eine große Akzeptanz für Biogasanlagen“, sagte 1. Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter. Wenn sich Unfälle mit Anlagen ereignen, dann gehen diese zum größten Teil nicht auf Anlagenstörungen, sondern auf Betreiberfehler zurück. „Die Betreiber brauchen aber nicht ständig schärfere Auflagen. Notwendig ist ein Schadensregister mit einer Analyse der Unfälle und eine Beratung der Landwirte, wie man sie verhindern kann“, so Leitmannstetter.

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