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Vermarktung

Biomarkt - dem Pioniergeist treu bleiben

Podiumsdiskussion-Tagwerk-DAH
Helga Gebendorfer
am
05.08.2019

Tagwerk-Podiumsdiskussion widmet sich dem Thema Bioware im Discounter.

Obergrashof/Lks. Dachau „Ich kaufe Bio im Discounter. Wo ist das Problem?“. Unter diesem Motto stand die Podiumsdiskussion im Rahmen des Tagwerk-Hoffests auf dem Obergrashof, bei dem gleichzeitig das 35-jährige Bestehen der Regionalinitiative gefeiert wurde.

„Vor 35 Jahren starteten wir mit vier Ökobetrieben unsere Genossenschaft. Seitdem hat sich viel getan und wir sind nicht mehr Außenseiter“, blickte Tagwerk-Vorstand Reinhard Gromotka zu Beginn zurück. Er meinte beim Blick auf die Aufgaben in der Zukunft: „Erzeuger, Groß- und Einzelhandel sowie Verbraucher müssen sich verständigen. Die Problemstellungen sind so groß, dass sie einer alleine nicht bewältigen kann.“ Er wünschte sich einen gewissen Geist der Zusammengehörigkeit.
Die Partnerschaft der Bioverbände mit den Discountern – zuletzt Bioland mit Lidl – eröffnet eine neue Dimension im Biohandel. Die Frage ist: bedeutet das endlich den Durchbruch von Bio auf dem Markt oder wird sich nicht nur die Landwirtschaft im (Bio-)Handel, sondern auch die im Bioanbau noch schneller wandeln als bisher?
Auf dem Podium standen Rede und Antwort: Barbara Scheitz, Geschäftsführerin Andechser Molkerei, Bioland-Landesvorsitzender Josef Wetzstein, Tagwerk-Vorstand Reinhard Gromotka, Stephan Illi, selbstständiger Berater für Kooperationen im ökologischen Landbau, VollCorner-Geschäftsführer Willi Pfaff und Michael Sendl, Biobauer und Bundesdelegierter von Bioland.
Josef Wetzstein rechtfertigte den „Deal“ mit Lidl. „Wir brauchen angesichts der vielen Umsteller-Betriebe einen Marktzugang für regionale Bioware, sehen den Herausforderungen mit offenen Augen entgegen und versuchen sie gemeinsam zu bewältigen“, betonte er. Durch die Einführung neuer Absatzwege soll Bio möglichst viele Menschen erreichen – nicht nur über den Naturkostfachhandel. Völlig anders sah das Michael Sendl, der seinen Betrieb bereits vor 40 Jahren auf ökologischen Landbau umgestellt hat. Er sprach sich gegen diesen Deal aus und forderte dagegen auf, den Fachhandel zu stärken, um dem Preisdumping entgegenzuwirken. Kein schnelles Urteil erlaubte sich Reinhard Gromotka: „Bioland wird sich mit Lidl verändern. Angesichts der vielen Umsteller sind wir aber auch aufgerufen, neu Pioniere zu sein. Neue Konzepte müssen her“, meinte er. Das Ziel von Willi Pfaff war, Bio weiter in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. „Da kommen wir nicht an den großen Lebensmittelketten vorbei.
Milchverarbeiterin Barbara Scheitz informierte, dass der Biomilchmarkt 5 % vom deutschen Gesamtmarkt ausmacht. Die Menge 2018 hat sich nach ihrer Auskunft wegen der vielen umstellenden Betriebe deutlich entwickelt. Sie appellierte an den Pioniergeist in der Branche. „Mit Engagement, Überzeugung sowie den Produkten steht uns Vieles offen.“.
Aus Verbrauchersicht betrachtete das Ganze Stephan Illi. Dabei machte er zwei Wege aus: Hauptsache bio, billig egal woher, und Hauptsache regionales Bio. Der Lidl-Weg werde nicht der einzige sein. Vielmehr könne man sich klar positionieren und regionale Ware herauszustellen. HG
Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

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