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Milcherzeugung

Biomilch - im Rhythmus der Gestirne

Demeter_Info-Veranstaltung_Hof Zimmermann in Sondermoning_0272(c)Axel Effner
Axel Effner
am
11.02.2019

Demeter und Pidinger Milchwerke informieren über Chancen für Umsteller

Demeter_Info-Veranstaltung_Hof Zimmermann in Sondermoning_0248(c)Axel Effner

Piding/Lks. Berchtesgadener Land Biomilch liegt im Trend. Das zeigen nicht nur wachsende Absatzzahlen, sondern auch Rekordzuwächse bei der Milchanlieferung. Diese machten allein in den beiden vergangenen Jahren zwischen 18 und 20 % aus. Mit 9400 Biobetrieben Mitte 2018 hat mittlerweile auch die Zahl der Erzeuger im Freistaat eine neue Rekordmarke erreicht (2014: 6721), wie das Landwirtschaftsministerium auf Anfrage informiert.

Befeuert von Preisunterschieden während der Milchkrise von bis zu 25 ct/kg im Vergleich zu konventioneller Milch und dem 2012 aufgelegten Landesprogramm „Bioregion Bayern 2020“ sahen gerade kleinere und mittlere Betriebe neue Zukunftschancen im Trend zur Umstellung auf Biolandwirtschaft.
Doch nicht jeder neue Ökobetrieb findet auch eine Abnahmegarantie für hochwertige Biomilch. Mit Wartelisten für Neuanlieferer steuern die Molkereien einer Marktüberhitzung entgegen. „Wachstumspotenzial sehe ich aufgrund deutlich steigender Nachfrage im Bereich von Demeter-Milchprodukten, die bei Naturkostkunden sehr gefragt sind“, sagt Bernhard Pointner. Der Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG hat deshalb zusammen mit der Demeter Milchbauerngemeinschaft und Demeter Bayern im oberbayerischen Chieming eine Info-Veranstaltung inklusive Hofrundgang für Betriebsleiter organisiert, die an einer Umstellung interessiert sind.

Ältester Bioverband Deutschlands

Als bundesweiter Biopionier begann die Genossenschaftsmolkerei aus Piding bereits vor 45 Jahren mit der Verarbeitung von Demeter-Milch. Mit seiner biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise nach den Prinzipien von Rudolf Steiner ist Demeter seit 1927 nicht nur der älteste Bioverband Deutschlands, sondern legt auch die strengsten Maßstäbe an sein zertifiziertes Ökosiegel an.
Wie Pointner bei der Veranstaltung betonte, liefern derzeit 540 Biobauern rund 101 Mio. kg Biomilch (2018) an die Molkerei in Piding. Während Zahl und Liefermenge bei den Naturland-Betrieben steige, mache der Anteil der 80 Demeter-Betriebe gleichbleibend rund 15 % aus.
Pointner verwies auf mögliche Neulistungen von Demeter-Produkten, die aktuell aufgrund fehlenden Rohstoffs abgesagt werden mussten. Eine Neumitgliedschaft in der von 1700 Landwirten getragenen Genossenschaftsmolkerei sei deshalb derzeit nur für Demeter-Betriebe möglich.
Über die Besonderheiten der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise klärte Alois Fersch, Berater des Demeter-Erzeugerrings und Geschäftsführer der Demeter-Milchbauerngemeinschaft, die rund 50 interessierten Zuhörer auf. Dazu gehört das Verständnis des Hofs als Organismus, in dem Mensch, Tiere und eine als belebt erfahrene Natur in enger Beziehung miteinander stehen. Die Berücksichtigung der Rhythmen der Gestirne auf dem Feld und im Stall, der Einsatz von Präparaten aus Kräutern, Kuhmist, Mineralien und Horn zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie besondere Haltungsbedingungen ausschließlich horntragender Rinder sind weitere Kennzeichen.

Der Milchpreis ist stabil
und hoch

Je nachdem, ob der Betrieb konventionell oder bereits länger biologisch arbeite, liege die Umstellungszeit zwischen einem Jahr und drei Jahren, informierte Fersch weiter. Mit durchschnittlich 48,3 ct/kg (2018) liege der bundesweite Netto- preis für Biomilch deutlich und stabil über dem von konventioneller Milch. Die Molkerei Berchtesgadener Land zahlte im Dezember 2018 für Demeter-Milch 52,5 ct/kg (Bio-Naturland: 51,0 ct/kg, konventionell: 40,5 ct/kg).
Die besondere Bedeutung der Hörner für Gesundheit, Stressresistenz, Kommunikations- und Sozialverhalten der Kühe innerhalb der Herde erläuterte Demeter-Rinderexperte Ulrich Mück. Zusammen mit Demeter-Landwirt Martin Zimmermann aus Sondermoning erläuterte er vor Ort, wie das passende Raumkonzept bei Freilaufställen Ruhe in die Herde bringe und die Verletzungsgefahr verringern könne. Zimmermann, der in seiner Herde von 45 Milchkühen auch einen Stier hält, ging auf die Besonderheiten im Umgang mit den Tieren ein und beantwortete Fragen zu Fütterung, Medikamenteneinsatz, Haltungsbedingungen und Vermarktung.
„Allein wegen des etwas höheren Preises lohnt sich die Umstellung wohl nicht, da braucht es schon die richtige Lebenseinstellung“, meinte ein Landwirt im Gespräch mit dem Berichterstatter. Die vielen Detailfragen signalisierten aber in jedem Fall große Offenheit für das Thema und Interesse. Axel Effner
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