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Ökomodellregion

Chancen erkennen und auch nutzen

Ökomodellregion
Manfred Peter
am
30.01.2017

Waging - Die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel zeigt Erfolge auf und stellt Produkte vor.

Gemeinsam etwas bewegen lautet der Grundsatz in der Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel. Und wie sich zeigt, setzen sich die Impulse wellenartig über die Region hinaus fort und die Ideen werden dadurch zum Erfolg geführt.
Der Erfolg liegt aber wohl auch darin, dass zwar die Umstellung auf Bio in der ÖMR als Ziel forciert wird, jedoch die Regionalität im Vordergrund steht und die ökologische Produktionsweise als weitere Bewirtschaftungsform in der Landwirtschaft gesehen wird. Und es wird klar, dass regional auch über die Landkreisgrenzen gehen kann und auch muss, um die heimischen Produkte sinnvollerweise nicht nur in der direkten Region, sondern auch darüber hinaus erfolgreich vermarkten zu können und die heimische Landwirtschaft damit zu stützen.
In der ÖMR sind seit der Gründung im Mai 2014 die sieben Gemeinden Wonneberg, Waging am See, Taching, Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring und Petting vereint. Vergangenes Jahr traten die Gemeinden Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen bei. Der Anteil der Ökobetriebe lag im Anfangsgebiet bei 6,9 % und stieg zum Jahreswechsel auf 9,6 %. In allen zehn Gemeinden der ÖMR liegt der Anteil der Ökobetriebe bei 9,8 %.
Im gesamten Bereich der Ökomodellregion gibt es insgesamt 1237 landwirtschaftliche Betriebe, davon wirtschaften 121 Betriebe ökologisch. Der Anteil der Ökobetriebe beträgt im Landkreis Traunstein 11,5 % und im Berchtesgadener Land 11,8 % und liegt somit nach wie vor ein Stück höher als der in der ÖMR.
Bei einem Verkostungstermin auf dem Hof von Familie Hainz in Gausburg (Lks. Berchtesgadener Land), dem Paulbauernhof, wurde kürzlich nicht nur die Produktpalette präsentiert, sondern es stellten sich zugleich die neuen Mitglieder in der ÖMR vor. Bürgermeister Bernhard Kern von Saaldorf-Surheim meinte, dass es wichtig sei, alle Landwirte in der Region mitzunehmen, um den Weg gemeinsam beschreiten zu können. Laut Bürgermeister Hans Feil aus Laufen war für ihn ausschlaggebend, der ÖMR beizutreten, da dort für die landwirtschaftlichen Betriebe für die Produktion eine Richtung vorgegeben werden kann, bei der beide Produktionsweisen erfolgreich weitergeführt werden können. Teisendorfs Bürgermeister Thomas Gasser vertritt die Ansicht, dass die Mitgliedschaft in der ÖMR aktiv gestaltet werden muss, damit die Chancen genutzt werden könnten.
Vor rund zweieinhalb Jahren wurde die ÖMR ins Leben gerufen und keiner wusste genau, wo der Weg hinführen würde, sagte Herbert Häusl, Bürgermeister von Waging am See und Vorstandssprecher der ÖMR. Ziel sei immer gewesen, die ÖMR auch erleben zu können. Und dazu gehöre eben auch, die Region in Form der dort erzeugten Produkte zu verkosten.
Um den Informationsinhalt in Verbindung mit den Erzeugnissen entsprechend präsentieren zu können, sei ein ebenso reichhaltiges wie vielfältiges Buffet vorbereitet worden, stellte die Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl heraus. Die Preise für die regionalen Produkte und Rohstoffe müssen nach Ansicht der Projektleiterin über dem Biodurchschnittspreis liegen und trotzdem die Wirtschaftlichkeit für die Abnehmer bewahrt werden. Sie persönlich hoffe, dass noch mehr Betriebe in der ÖMR auf Bio umstellen und sich die Situation am Milchmarkt entspanne.
An den drei Beispielen Schlossbrauerei Stein aus Stein an der Traun mit der regionalen Biobraugerste sowie den beiden Mühldorfer Firmen Byodo mit dem Biosenf und Barnhouse mit dem Knuspermüsli mit Biohafer und Biodinkel zeigt sich, dass die Unternehmen durch die ÖMR wichtige Ansprechpartner und Koordinatoren für die Abwicklung der Lieferungen gefunden haben. Dabei hat sich jedoch auch herausgestellt, dass für die Liefersicherheit der erforderlichen Menge die Erzeuger in der ÖMR nicht ausreichen und Landwirte aus den Nachbargemeinden dazu beitragen, die nötige Menge zu erbringen, wobei die ÖMR wieder als wichtiger Ansprechpartner für alle agiert.
Wie der Braumeister der Schlossbrauerei Stein, Markus Milkreiter, ausführte, besteht seit über zehn Jahren eine gute Zusammenarbeit bei der Braugerste mit den regionalen Erzeugern und auf diese Erfahrungen konnte beim Bezug der regionalen Biobraugerste aufgebaut werden. Der Biohersteller Byodo startete 2015 mit dem Bezug von Biosenf aus der Region. Mit Unterstützung der ÖMR lag die Menge bei 1,3 t, 2016 waren es bereits 2,4 t. Das Ziel, die 25 verschiedenen Senfsorten ausschließlich mit regionalem Biosenf zu erzeugen, sei durch die positiven Erfahrungen einen Schritt näher gerückt und die Abnahmemenge werde kontinuierlich gesteigert, erklärte der kaufmännische Leiter Josef Stellner.
Für Barnhouse ist die ÖMR nach Aussage der Firmenmitgründerin Sina Nagl optimal, da dadurch Kontakte zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Verbrauchern aufgebaut und gepflegt werden können. Der Müslihersteller ist mit jeweils 500 t Biohafer und Biodinkel eingestiegen, wobei die Abnahmekapazität erweitert werden könnte. Ein weiteres interessantes Produkt stellt der Laufener Landweizen dar. Er ist nach den Worten von Berger-Stöckl eine charakteristische regionale Spezialität, die es verdient, überregional beworben zu werden. Die beiden Bäckereien Andreas Neumeier aus Teisendorf und Michael Wahlich aus Surheim haben das Mehl aus dem Laufener Landweizen ins Programm genommen und verarbeiten es. Wahlich will mit seinen Laufener Landweizen-Nussschnecken den sehr speziellen, nussigen Geschmack des Mehls den Verbrauchern näherbringen. Mit dem Baguette „Anno 1600“ zeigt Neumeier, dass Regionalität und handwerkliches Können sich bestens ergänzen, auch wenn die Verarbeitung des Laufener Landwei
zens durch die geringeren Inhaltsstoffe eine backphysiologische Herausforderung darstelle.
Der Laufener Landweizen, der im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, unterscheidet sich von den heutigen Weizensorten auch optisch. Seine Wuchshöhe beträgt bis zu zwei Meter und durch seine stabilen Halme ist er sehr standfest. Durch seinen schnellen Wuchs haben Beikräuter keine Chance und die Ähren sind der Bodenfeuchtigkeit weniger ausgesetzt. Aufgrund der langen Halme trocknet der Wind die Ähren schnell ab, die somit weniger empfindlich für Pilzbefall sind. Der Ertrag liegt jedoch nur bei rund einem Drittel der üblichen Weizensorten.
Die Produkte aus dem Landweizen gab es selbstverständlich auch zu verkosten. Zusätzlich gab es natürlich auch eine reichhaltige Palette an Fleisch- und Milchprodukten von Erzeugern aus der ÖMR, die am Buffet zur Auswahl standen.

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