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Engagement

Ehrenamt - „Landwirt­schaft ist mir wichtig“

Helga Gebendorfer
am
08.01.2018

Josef Heieis aus Workerszell ist nicht nur in seinem Betrieb, sondern auch ehrenamtlich in Organisationen und für den Berufsstand aktiv.

Josef Heieis vom „Steinhof“ ist seit Februar 2017 Ortsobmann in Workerszell im Landkreis Eichstätt. Eigentlich hatte der 38 Jahre alte Agrarbetriebswirt bereits vorher schon eine Reihe von Ehrenämtern inne. So gehört er schon der Vorstandschaft im Maschinen- und Betriebshilfsring Eichstätt und der Güllegemeinschaft an. Weiter ist er Feldgeschworener sowie 2. Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Braugetreide EG Juraland, die an die Brauerei Gutmann in Titting liefert, und er gehört der Vorstandschaft in der Jagdgenossenschaft an. Selbstverständlich ist er auch in allen Ortsvereinen im Dorf aktiv.

Doch dem nicht genug, denn er stellte sich vergangenes Jahr  der Verantwortung für den Berufsstand und wurde zum Ortsobmann gewählt. „Weil mir wichtig ist, die Interessen der Landwirtschaft zu vertreten und ich bin bereit, mich dafür einzusetzen“, begründet der Betriebsleiter des Vollerwerbsbetriebes – einer von zwei im rund 550 Einwohner zählenden Dorf.  Zum Ortsverband Workerszell gehören neben Workerszell Rupertsbuch, Langensallach, Sperberslohe, Lohrmannshof, Geländer und Ferdinandshof.

Der Familienbetrieb Heieis  umfasst Josef Heieis und seine Frau Sonja, Hauswirtschafterin, und ihre drei Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, sowie seine Eltern Herbert und Franziska. Gemeinsam bewirtschaften sie einen 125 ha großen Betrieb mit 10 ha Grünland, 30 ha Feldfutterbau, 25 ha Silomais, 45 ha Getreide, 15 ha Raps und 1,2 ha Wald. Schwerpunkt ist die Milchviehhaltung, wobei 100 Kühe mit Nachzucht im Stall stehen. Verstärkung bekommt die Familie derzeit durch Auszubildende Marina Brunn­huber. Seit 16 Jahren steht unser Betrieb den BGJ-Schülern offen und seit sechs Jahren nehme ich Auszubildende auf“, informiert Heieis.

Nach seiner Auskunft begründeten seine Großeltern väterlicherseits – Heimatvertriebene aus Pilsen – damals den Betrieb, der 1951 von der Bayerischen Landessiedlung gebaut wurde. Die ursprüngliche Hofstelle wurde vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr nach Workerszell umgesiedelt und die Flächen kamen im Zuge des Lastenausgleichs hinzu. Die Eltern bauten den Betrieb schließlich auf aktuell 24 ha Eigentum aus.

Begrenzender Faktor ist die Arbeitskraft

Familie Heieis

Sohn Josef war nach seiner Ausbildung ein halbes Jahr beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt in der Förderabteilung beschäftigt. Dann musste er sich entscheiden: entweder für eine Festanstellung nach Fortbildungsschulungen oder den Einstieg in den elterlichen Betrieb. „Beides war mir zu viel und letztlich fiel die Entscheidung für den Betrieb“, erzählt er.

Seine Eltern besaßen bei ihrer Heirat 1976 elf Kühe, drei Jahre später wurde ein Stall für 33 Kühe gebaut und schließlich in den folgenden zwei Jahrzehnten auf 48 Kühe aufgestockt. 2003 wurde mithilfe von Fördergeldern in den Neubau eines Liegeboxenlaufstalls mit Melkstand für 85 Plätze investiert.

Daneben wurde viel Geld für die Milchquote ausgegeben, die zusammen mit der Tierzahl Schritt für Schritt aufgestockt wurde. Hinzu kamen noch eine Bergehalle und einigen Fahrsilos. „Die Erweiterung war nur möglich, weil wir Flächen pachten konnten“, verrät der 38-jährige. Nach einigen Jahren als mitarbeitender Familienangehöriger wurde 2012 eine Vater-Sohn-GbR gegründet und drei Jahre darauf übernahm Josef Heieis den Betrieb.

Dem Betriebsleiter ist bewusst, dass der begrenzende Faktor die Arbeitskräfte sind. „Solange alle fit sind, ist alles zu stemmen. Wir brauchen uns gegenseitig“, betont er und berichtet, dass die vorhandene Arbeitskapazität in der Milchhviehhaltung gebunden ist. „Das Wissen und Know-How sind im Stall gefragt. Man muss einfach vor Ort sein“, stellt er fest und informiert, dass er seit zwei Jahren gentechnikfreie Milch produziert. Deswegen werden im Gegenzug verschiedene Arbeiten ausgelagert. Beispielsweise übernimmt den Getreidedrusch sowie das Schroten und Mischen ein 7 km entferntes Lohnunternehmen.

Für das Strohpressen mit der Mulchpresse wird ein weiterer Lohn­unternehmer in 40 km Entfernung beauftragt. Das Silieren von Gras und Mais wird von einem Berufskollegen erledigt, der auch das Festwalzen übernimmt. Die Hälfte der Gülleausbringung geschieht über die 80 Mitglieder starke Güllegemeinschaft. Während Josef Heieis Grubber und Pflanzenschutzspritze zusammen mit einem anderen Landwirt teilt, werden Mulchgerät, Scheibenegge, Wiesenegge und Walze sogar mit mehreren Berufskollegen zusammen eingesetzt. „Durch die Zusammenarbeit spare ich Kosen ein und von den Lohnunternehmern profitiere ich von deren Schlagkraft und modernster Technik“, erklärt er.

Freilich muss man Kompromisse eingehen und warten können, bis man an die Reihe kommt. Zudem ist es erforderlich, vorausschauend zu denken und handeln. „Im Großen und Ganzen klappt die Kooperation gut und ich bin zufrieden. Als regelmäßiger Kunde komme ich auch rechtzeitig dran“, berichtet er.

Milchviehhaltung im Vordergrund

Auszubildender

Immer schon stand bei Josef Heieis die Milchviehhaltung im Vordergrund. „Bei uns auf den Jurahöhen ist es aufgrund der teilweise schlechten Standorte am besten, Luzerne und Kleegras über die Milchkuh zu veredeln“, weist er hin. Bis 1996 gehörte der Betrieb der Molkereigenossenschaft Eichstätt an, seither wird an die Molkerei Zott in Mertingen geliefert.

Immer schon spielte auch die Zucht auf dem Betrieb eine große Rolle, wobei vor allem Vater Herbert züchterisch sehr aktiv ist. Seit 1951 gehört der Familienbetrieb dem Zuchtverband Pfaffenhofen an und seit 1953 beteiligt sich Familie Heieis an der Milchleistungsprüfung. In der Milchviehherde werden alle weiblichen Kälber aufgezogen, während die männlichen mit rund 80 kg in die Mast gehen. Die Kälber werden über den Markt verkauft. Daneben ist der Jungkuh- und Kalbinnenverkauf über den Export eine wichtige Stütze für den Betrieb.

Züchterisch interessante männliche Tiere werden an den Aufzuchtbetrieb Estelmann in Gerolfing abgegeben. Stolz ist Familie Heieis, dass bisher zwei Bullen aus ihrer Zucht in die Besamung kamen. Aktuell wurde in der Zuchtviehvermarktungshalle in Ingolstadt-Zuchering wieder ein Bulle von der Besamungsstation Greifenberg zu m stolzen Preis von 41 000 € gesteigert. Selbstverständlich beteiligt sich Heieis mit seinen wertvollen Tieren zudem bei bedeutenden Ausstellungen und Schauen und hat dabei eine Reihe von Auszeichnungen errungen.

Wichtig ist ihm auch die Förderung von Langlebigkeit. So ist seine älteste Kuh 14 Jahre alt und bekommt demnächst ihr 13. Kalb. Zudem wurde der Betrieb vor drei Jahren für eine 100 000 Liter-Kuh ausgezeichnet.

Roboter statt Melkstand geplant

Heieis

Beim Blick in die Zukunft erzählt Josef Heieis von seinen Überlegungen, den Melkstand durch zwei Roboter zu ersetzen. „Das Ganze liegt schon in der Schublade, wurde aber zwischenzeitlich wegen der Milchpreiskrise auf Eis gelegt“, gibt er zu. Weiter plant der 38-jährige, die Bergehalle auszubauen – für einen Abkalbebereich und für die melkenden Kühe.
Alles in allem ist er zufreden, wie es momentan läuft und hegt zusammen mit seiner Frau einen großen Wunsch: „Wir hoffen, dass einer unserer drei Söhne einmal den Betrieb übernimmt und weiterführt.“

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