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Direktvermarktung

Erfolgsrezept mit Heumilch und Mut

Hofmolkerei
Martin Deubelli
am
29.01.2018

Die Alztaler Hofmolkerei – eine Attraktion auf Bauern- und Wochenmärkten.

Molkerei

Jammern über den schwierigen Milchmarkt war für den Landwirt Franz Obereisenbuchner (34) nie ein Thema. Bereits in den 90er-Jahren begann sein Vater eine Direktvermarktung mit einem Rohmilchautomaten am Hof. Nach seiner Ausbildung als Landwirt und als Molkereifachmann setzte Franz Obereisenbuchner jun. eins drauf und gründete die Alztaler Hofmolkerei auf dem elterlichen Hof in Hutlehen in der Gemeinde Garching im Alztal. Inzwischen ist das junge Unternehmen mit frischer Ware auf elf Bauern- und Wochenmärkten in der Region zwischen Ruhpolding und Eggenfelden, München und Burghausen vertreten, beliefert die regionale Spitzengastronomie wie den Sternekoch Alexander Huber in Pleiskirchen im nördlichen Teil des Landkreises Alt­ötting und will weiter wachsen. Zum Beispiel auf der Neuöttinger Schranne.
Hier hat sich bislang noch kein Platz gefunden. Auf anderen Wochen- und Bauernmärkten aber hat sich der Anbieter aus dem Alztal längst zu einer Attraktion entwickelt. Jüngstes Produkt mit Alleinstellungsmerkmal in der gesamten Region ist die zertifizierte Heumilch. „Als einer der ersten Betriebe in Deutschland sind wir mit dem EU-Logo ,Heumilch garantierte traditionelle Spezialität‘ zertifiziert“, sagt der Landwirt und Molkereifachmann: „Es gibt sie als Vollmilch und als fettarme Heumilch und ist ab Hof, auf unseren Märkten und in ausgewählten Geschäften in der Region erhältlich.“ Heumilch heißt kurz formuliert, dass nur Gras und Dürrfutter verfüttert wird, keine Silage.
Zum eigenen Sortiment der Hofmolkerei gehören rund 20 Joghurt­sorten – Natur und auf Frucht, außerdem Käsespezialitäten, Heumilch und Butter und einige weitere Frischmilch- und Käseprodukte. Bei Butter könne es sogar passieren, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt und die begehrte Ware nur in begrenzten Mengen abgegeben werden kann. „Wir machen im Schnitt nur 500 Stück Butter in der Woche“, sagt Franz Obereisenbuchner, der seine Qualitätsstandards nicht der Masse wegen aufgeben will.
Verarbeitet wird vor allem Milch aus eigener Produktion. Rund 60 Milchkühe auf dem elterlichen Hof, vor allem Fleckvieh, zum Teil mit Jersey-Einkreuzung, leisten rund 300 000 kg Milch im Jahr. Rund 180 000 kg werden derzeit in der Hofmolkerei verarbeitet. Seit 2003 ist der Hof als Biolandwirtschaft zertifiziert und liefert neben der eigenen Molkerei auch an die Biomolkerei in Andechs.
Trotz der eigenen Milcherzeugung kauft Obereisenbuchner gelegentlich Milch oder Rahm von befreundeten Biohöfen zu und hat auch Käsesorten von Partnerbetrieben aus der Biolandwirtschaft im Programm. Das nützt den Kunden und der Vermarktung im Netzwerk, denn die Produkte der Alztaler Hofmolkerei gibt es nicht nur auf Bauern- und Wochenmärkten und im kleinen Umfang auch im Hofladen, sondern auch in ausgewählten Dorfläden sowie Fach- und Lebensmittelgeschäften in der Region.
In den Anfangsjahren der Hofmolkerei hatte Obereisenbuchner auch Produkte aus Ziegenmilch im Programm, konzentriert sich nun aber seit Jahren auf die Veredelung von Kuhmilch. Hier sieht er noch eine große Vielfalt an Möglichkeiten.

In Heutrocknung und -halle investiert

Eine der größten Investitionen in diese Richtung war der Bau einer Heutrocknungsanlage und -halle im vergangenen Jahr. Mit der Investition wird der Betrieb unabhängig von unbeständiger Witterung, die sonst oft die Bodenheutrocknung zum Pro­blem macht. Außerdem gelinge es auf diese Weise, hochwertiges Heu aus Luzernen zu gewinnen. Die Blätter dieser nährstoffhaltigen Futterpflanze, die zudem auf den Böden im Alztal gut gedeiht, vertrocknen auf den Wiesen gern und fallen dann ab. Der Verlust kann in der Halle vermieden werden. Fest im Sortiment sind Topfen, Hüttenkäse  und Alztaler Graukäse, Ricotta und Scamorza – geräuchert und natur. Der Graukäse aus Magermilch, versetzt mit der originalen Tiroler Reifekultur, ist ein Käse mit besonderem Charme: Er wird entweder jung und topfig genossen oder aber von Liebhabern reif und pikant geschätzt. Er produziert aus dem Graukäse auch Kaspressknödel auf Tiroler Art, die auf den Wochenmärkten zu kaufen sind.
Die Leidenschaft für den Milchbetrieb wurde Franz Obereisenbucher auf dem elterlichen Hof quasi in die Wiege gelegt. Nicht nur durch die Milcherzeugung, sondern auch durch die Züchtung von Rindern, die gut in den Lebensraum des Alztales passen.

Top ausgebildet und reich an Erfahrungen

Hofmolkerei

Seine Ausbildung als Landwirt absolvierte Obereisenbuchner unter anderem auf einem Hof bei Ravensburg in Baden-Württemberg, der damals schon Milch verarbeitete und direkt an die Kunden belieferte, und setzte eine Lehre als Molkereifachmann bei Meggle in Wasserburg drauf. Später machte er noch den Betriebswirt und den Meister im ökologischen Landbau.
Diese Fachausbildung möchte er nicht missen, gesteht er. Nicht nur wegen des vermittelten Wissens, sondern auch wegen der guten Kontakte in der Branche. So schaue sein Molkerei-Ausbildungsmeister immer wieder mal am Hof auf einen Erfahrungsaustausch vorbei. Anregungen gewann Obereisenbuchner auch als Mitarbeiter bei der Käserei Hubert Stadler auf den Herrmannsdorfer Landwerkstätten und während eines Aufenthalts in Neuseeland.
Seit einigen Jahren ist der Hof im Alztal auch Mitglied und Referenzbetrieb im BioRegio-Betriebsnetz. In dieser Initiative des bayerischen Landwirtschaftsministeriums sollen zukunftsträchtige und ökologische Beispiele in der Landwirtschaft verbreitet werden.
Manche Gäste aus der Branche, die sich am Beispiel der Alztaler Hofmolkerei orientieren wollten, habe er allerdings schon enttäuschen müssen, denn sie hatten auf den ersten Blick nicht erkannt, welche Investitionen, Erfahrungen und auch welcher Arbeitsaufwand hinter dem erfolgreichen Modell stehen.
Ohne die engagierten Mitarbeiter sei der Betrieb ohnehin nicht möglich, erklärt Obereisenbuchner. Sein Unternehmen beschäftigt mittlerweile 14 Arbeitskräfte, vor allem in Teilzeit, nicht nur für die Produktion, sondern auch, um die Märkte in der Region zu beschicken und die frische Ware zu verkaufen.

Gut vernetzt

Die Alztaler Hofmolkerei ist außerdem Mitglied im „JRE-Genussnetz“, einer Organisation, die von den „Jeunes Restaurateurs d’Europe“ (JRE) ins Leben gerufen wurde. Ihnen allen ist wichtig, hochwertige Lebensmittel herzustellen oder in der Küche zu verwenden.
Zu den Mitgliedern aus dem südöstlichen Oberbayern zählen in der Region außerdem die Destillerie Lantenhammer in Hausham, die Kaffeerösterei Rechenauer in Schechen bei Wasserburg, die Brauerei Unertl in Mühldorf, der Huberwirt in Pleiskirchen im Landkreis Altötting sowie Naturkost Byodo in Mühldorf zum Genussnetz. Die Köche in diesem Netzwerk verfügen zusammengenommen über 56 Michelin-Sterne.

Weitere Details zur Hofmolkerei in Hutlehen einschließlich Besichtigungsmöglichkeiten und der Markttermine im Internet: www.alztaler-hofmolkerei.de

Zum BioRegio-Betriebsnetz: www.lvoe.de

Zum Genussnetzwerk: http://jre-genussnetz.de

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