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Straßenbau

Existenzen würden aufs Spiel gesetzt

Ortsumgehung Bauern
Hannes Höfer
am
23.10.2017

Die von der Ortsumfahrung Laufen betroffenen Bauern wollen nicht aufgeben und hoffen nun auf die Unterstützung ihres Berufsverbandes.

Anton Kreitmair ist sichtlich entsetzt, als man ihm erklärt und zeigt, was um Laufen herum passieren soll. Die betroffenen Bauern erhoffen sich Hilfe von ihrem Bezirkspräsidenten und CSU-Landtagsabgeordneten bei ihrem Kampf gegen das Projekt Ortsumfahrung. Ein fast 5 km langes, zum Teil dreispuriges Asphaltband soll die Salzachstadt demnächst von Letten bis Niederheining umschließen, mitten durch die Wiesen und Felder der Bauern.

Längst hätten die vorgeschriebenen Erörterungstermine mit den Einwendern stattfinden sollen. Mehr als tausend Stellungnahmen zum Projekt Ortsumfahrung und der Trasse 4 sind eingegangen. Ein Planfeststellungsbeschluss ist nun für 2018 angekündigt. „Existenzgefährdend“, sagt Peter Hainz aus Froschham darüber, schräg zerschnitten würden die Gründe, und die vom staatlichen Bauamt angebotenen Ersatzflächen überzeugen den Landwirt nicht. „Stauwiesen in vier Kilometer Entfernung“ seien kein Ausgleich für „die besten Böden des Landkreises“, die mit einer Bundesstraße und zehn Brücken überbaut würden.

Ausbau des begleitenden Wegenetzes

Weil landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht auf der neuen Straße fahren dürften, muss auch das begleitende Wegenetz entsprechend ausgebaut werden. Den Gesamtflächenverbrauch beziffert das planende Bauamt auf 32 ha, die Kostenschätzung liegt bei gut 30 Mio. €. „Mit acht Millionen und einer kurzen bahnparallelen Trasse sind wir in den Bundesverkehrswegeplan gekommen“, erinnert Ortsobmann Bernhard Prechtl an den Start des Verfahrens. Im neuen Bundesverkehrswegeplan habe man nun die beiden Ortsumfahrungen Burghausen und Laufen zu einem Projekt zusammengefasst.

„Was erwartet ihr vom Bauernverband?“, fragte Anton Kreitmair am Wasserhochbehälter bei Froschham, wo ein gewaltiger Geländeeinschnitt entstehen würde. „Der Landtag hat dabei nichts zu sagen“, macht der Abgeordnete Kreitmair deutlich. Der Bauernverband habe bereits eine ablehnende Stellungnahme zum Projekt Ortsumfahrung abgegeben. Als Bezirkspräsident rät er den betroffenen Bauern, mit allen örtlichen Politikern das Gespräch zu suchen, mit MdB Peter Ramsauer ebenso wie mit MdL Michaela Kaniber, aber auch mit dem Bürgermeister und den Stadträten. Wichtig sei vor allem eines: Einigkeit.

Landwirte sind sich einig

„Wir sind uns einig“, versichert Peter Hainz an einem geplanten Bauwerk bei Oberheining für die zwölf betroffenen Bauern. Daneben seien noch kleinere Grundstücksbesitzer betroffen, und mit ihnen gemeinsam kämpfen rund 75 Mitglieder im Verein „Pro Naturland“. Unterstützt werden sie von einem Rechtsanwalt. Man wolle ein gemeinsames Projekt, zusammen mit der Bahn, macht einer der Bauern deutlich, denn ein Schienenausbau werde kommen – und zwar früher als gedacht.

Eine bahnparallele Trasse mit „Sicherheitsabstand“ hat das Staatliche Bauamt inzwischen ausgearbeitet, um auch juristisch unangreifbar den erwarteten Klagen begegnen zu können. Am 4. Juni dieses Jahres hatten Amtsleiter Sebald König und seine Mitarbeiter die Variante 4 – die sogenannte Naturland­trasse – und die bahnparallele Trasse 2a in der Salzachhalle gegenübergestellt. Das Ergebnis fasste König damals so zusammen: „Beide Varianten schneiden annähernd gleich ab.“ Allein beim „Schutzgut Mensch“ sei die Außenvariante 4 klar besser; das heißt, es gäbe deutlich weniger betroffene Anwohner.

Und was machst du dann?

„Das geht ja gar nicht“, urteilt Kreitmair in Niederheining. „Und was machst du dann?“, fragte er Bauer Otto Wittscheck bei dessen Hof, wo die Straße samt eines großen Aufschleifers ein Eck seines Fahrsilos abschneiden würde und ein 60 m langes Brückenbauwerk hin zu der 27 m hohen Hangleite entstehen soll. Einen Raum für eine Erweiterung gäbe es dann für Wittscheck nicht mehr. Kreitmair empfiehlt den Akteuren, ein exaktes Modell der kompletten Trasse mit allen Höhen, Einschnitten, Dämmen und Anschlüssen zu fordern, denn nur so könne man sich ein Bild der Dimensionen machen. „Und dann fragt ihr die Laufener, ob sie das wirklich wollen.“
Verwundert zeigt sich der Bezirkspräsident auch mit Blick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis, angesichts der relativ niedrigen Verkehrszahlen auf der B20, kennt er doch bislang unverwirklichte Umfahrungen mit mehrfach höherer Belastung. Selbst vergleichsweise preiswerte Oberflächensanierungen würden aus Kostengründen geschoben. In seiner Heimat, der Region München, könne sich kein Bauer mehr einen Acker kaufen, derart hoch seien dort die Grundstückspreise. „Braucht es immer mehr Wachstum?“, fragt Kreitmair und gibt für sich die Antwort: „Es geht Lebensqualität verloren.“ Und mit diesem „wahnsinnigen Eingriff“ ganz gewiss für alle Laufener.

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