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Feuerwehr in Bauernhand

FF-Haus-Wagner
Andrea Hammerl
am
13.06.2019

St. Florians-Prinzip andersherum: Landwirt Robert Wagner stammt aus einer Anpacker-Familie und vermietet heute ein Feuerwehrhaus an die Stadt Ingolstadt. Wie es zu dem „ungewöhnlichen Einzelfall“ kam.

Manche Landwirte besitzen Biogas- oder Photovoltaikanlagen, ein Feuerwehrhaus ist unüblich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Damit dürfte Robert Wagner (43) aus Hundszell, einem früheren Audorf und heutigem Ortsteil von Ingolstadt, ziemlich allein auf weiter Flur sein. Mit Sicherheit in der Region 10 um Ingolstadt, in München und dem Landkreis München, denn hier befinden sich laut Auskunft der jeweils zuständigen Behörden alle übrigen Feuerwehrhäuser in kommunalem Besitz. „Das ist ein absolut ungewöhnlicher Einzelfall“, sagt Wilfried Schober, Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetages und für das Feuerwehrwesen zuständiger Jurist.

Nur kommunaler Besitz wird gefördert

Die Feuerwehren seien Pflichtaufgabe der Kommunen, vom Freistaat gefördert würden Feuerwehrhäuser nur dann, wenn sie in kommunaler Hand seien. Auch Uwe Peetz, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Bayern ist kein weiteres privates Feuerwehrhaus bekannt.

Finalist beim CeresAward

Vollerwerbslandwirt Wagner – übrigens einer von drei Finalisten des CeresAward 2018 in der Kategorie Ackerbau – baut Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais und Getreide an. Er hat den Hof 1999 im Alter von 23 Jahren von seinem Vater übernommen und auch das Feuerwehrhaus geerbt. Das ist mit einer Grundfläche von rund 80 m² und zwei Geschossen gar nicht mal so klein, es bietet im Erdgeschoss Platz für das Löschfahrzeug LF 8, Kleidung und Equipment der 27 Aktiven, zwölf Jugendlichen und der 16-köpfigen Kinderfeuerwehr, oben sind sanitäre Anlagen und ein Schulungsraum mit Teeküche untergebracht.

Schwierige Standortfindung

Weg vom eingezäunten Schuppen: Dass sein Vater zum Erbauer wurde, kam wie folgt. Die Hundszeller hatten bis in die 90er-Jahre lediglich eine Art Schuppen auf dem Schulgelände, in dem sie ihr Feuerwehrauto und Gerätschaften aufbewahrten, was sich zunehmend als problematisch erwies, jedenfalls nachdem das Schulgelände umzäunt und nachts abgeschlossen wurde. Nächtliche Einsätze hingen also davon ab, dass der Schlüssel rechtzeitig vor Ort war. Somit war klar, ein neues Feuerwehrhaus musste her. Die Stadt Ingolstadt machte sich mit den Verantwortlichen der Wehr auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Fünf oder sechs Standorte wurden geprüft und wieder verworfen. „Überall waren die Nachbarn dagegen“, erinnert sich Walburga Majehrke, eine gebürtige und engagierte Hundszellerin.

In irgendeiner Versammlung, als die Verzweiflung schon groß war, wurde der – vielleicht nicht einmal ernstgemeinte – Vorschlag an Josef Wagner, den damaligen Vorsitzenden der FF Hundszell, herangetragen. Der nahm die Herausforderung an. „Dein Vater hatte Mumm in den Knochen“, sagt Majehrke zu Robert Wagner, „er hat immer zugelangt, nicht viel geredet, sondern gemacht“.

Als die Stadt auf Wagner senior zutrat, erklärte er sich bereit, das Haus auf seinem zentrumsnahen Grundstück zu bauen und an die Stadt zu vermieten, einzige Bedingung war, dass sein Sohn Robert zustimmte, denn eigentlich war der Bauplatz für den Hofnachfolger vorgesehen. Der baute dann in zweiter Reihe, so dass alle zufrieden waren – einschließlich des Stadtkämmerers.

Zupacken, wenn man gebraucht wird

Auf die Finanzierung angesprochen, lächelt Robert Wagner, „es amortisiert sich frühestens nach 40 Jahren über die Miete“. Doch darum ging es weder seinem Vater noch ihm. Wie der früh verstorbene Senior packt auch der 43-Jährige zu, wenn er gebraucht wird. Aktuell engagiert er sich als Festleiter der 800-Jahr-Feier seines Heimatortes, das am vorletzten Juni-Wochenende stattfinden wird. Auch das wollte keiner so recht anpacken. „Dann mach’s halt ich“, entschied Robert Wagner ohne lange zu fackeln.

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