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Naturschutzgebiete

FFH - gemeinsam soll das Werk gelingen

Kaisermantel
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Sandra Schwägerl, Wochenblatt
am
13.11.2018

Die von Oberbayern Regierung stellt die Kartierungsergebnisse im Isental zu Natura 2000 vor und setzt auf Kooperation.

Auf rund 1000 Grundstücken mit einer Gesamtfläche von 747 ha wurde im FFH-Gebiet „Isental mit Nebenbächen“ der Zustand der Lebensräume und der darin lebenden Arten bewertet. Weiter wurden unter der Leitung von Thomas Eberherr, Sachgebietsleiter Naturschutz an der Regierung von Oberbayern, Maßnahmenvorschläge zur „Erhaltung eines guten Zustands“ erabeitet. Dies dient dem Aufbau des europaweiten Biotopverbundnetzes Natura 2000.

Dieses besteht auf der Grundlage der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und der Vogelschutz-Richtlinie und hat das Ziel wertvolle Lebensräume und Arten zu erhalten. 
Die Erkenntnisse stellte Eberherr in einem Managementplan gemeinsam mit den Kartierern unterschiedlicher Behörden in Dorfen vor: Rund 80 Interessierte waren der Einladung gefolgt, darunter Grundbesitzer und Verbandsvertreter. „Akteure verbinden“, das nannten Eberherr und Heinz Grundner, 1. Bürgermeister der Stadt Dorfen, als Ziel für diesen Runden Tisch. „Dieser Managementplan soll ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten werden“, sagte Eberherr, denn die Kulturlandschaft sei vor allem durch die Landwirtschaft geprägt und solle daher gemeinsam fortgeführt und erhalten werden.

Gebiet im Landkreis Erding und Mühldorf

Das betroffene Gebiet erstreckt  sich über die Landkreise Erding und Mühldorf und enthält unter anderem das Schwindegger Moos, das Thalhammer Moos sowie namensgebend bis über die Isen mit einem Anteil ihrer Aue und einigen Zuflüssen.

Simon Putzhammer vom Landschaftsplanungsbüro Schober in Freising erläuterte die Schutzgüter im Offenland. Darunter nannte er „Magere Flachland-Mähwiesen“, die zum Teil in „hervorragendem Zustand“ seien. Als „großes Thema im Gebiet“ bezeichnete er die Bachmuschel, denn aktuell habe man keine lebenden Exemplare davon gefunden. Pufferstreifen von mindestens 10 m Breite würden sich positiv auswirken.

Eine weitere Maßnahme aus dem Managemementplan zur Verbesserung des Lebensraumes der Bachmuschel ist es, die „biologische Durchgängigkeit“ wiederherzustellen, sodass die Tiere bessere Wanderungsmöglichkeiten bekämen. Auch die Anpassung von Mahdzeitpunkten könne laut Putzhammer zum Arterhalt beitragen.

Managementplan hat lediglich Hinweischarakter

Die Veranstalter betonten, dass die Maßnahmen des Managementplans für private Grundbesitzer lediglich Hinweischarakter hätten. Allein für Staatsflächen sei deren Einhaltung verpflichtend. Allerdings gelte auch für Privatgrundbesitzer in der FFH-Kulisse das „Verschlechterungsverbot“, erinnerte Eberherr. Das bedeute, der jetzt kartierte Zustand müsse erhalten bleiben und dürfe nicht zerstört werden. Entscheide man sich für die Durchführung einer Maßnahme, gebe es Fördermöglichkeiten wie Vertragsnaturschutz oder über das Kulturlandschaftsprogramm.

Während Pufferstreifen im Ackerland dem Landwirt über Kulap mit 920 €/ha honoriert werden, gibt es nach Aussage von Anton Mitterer, AELF Erding, für Pufferstreifen im Grünland, welches im genannten FFH-Gebiet vorherrschend ist, nur 350 €/ha. Weiter dürfe das gesamte Feldstück weder gedüngt, noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt oder gemulcht werden. Beim Vertragsnaturschutz könne „extensive Mähnutzung naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume“ vereinbart werden. Hierbei können Landwirte laut Martin Simon von der Unteren Naturschutzbehörde Erding mit bis zu 470 € gefördert werden, „wenn zum richtigen Zeitpunkt gemäht und nicht gedüngt wird“, erklärte Simon.

Anna Deischl vom Kartierteam Oberbayern am AELF Ebersberg ging auf den Zustand im Waldgebiet dieser FFH-Kulisse ein, das etwa ein Drittel dieses Gebiets ausmacht. Maßnahmevorschläge: Der Anteil dieser Bäume muss erhöht werden. Auch das Baumarteninventar gehört aufgestockt, etwa mit Flatterweide oder Traubenkirsche.

Kann`s mit Biber funktionieren?

„Viele schöne Bilder ohne Biber“, so kommentierte Mühldorfs BBV-Kreis­obmann Ulrich Niederschweiberer den Vortrag und stellte infrage, ob die Maßnahmen des Managementplans mit dem Biber in Einklang gebracht werden könnten. Eberherr erklärte, dass der Biber im Gebiet des Isentals und dessen Nebenbächen nicht als geschützte Art gemeldet sei. Sollten etwa Libellen verschwinden und Biber im Zusammenhang stehen, könnte der Biber „eine Nebenrolle spielen“ stellte der Regierungsdirektor in Aussicht.

Die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörden informierten überdies, man solle ihnen oder Biberberatern Probleme mit den Nagern melden. Sein Erdinger Amtskollege Jakob Maier monierte das „Einladungsprozedere“ zu dem Runden Tisch. Statt den Termin nur über verschiedene Medien zu streuen, verlange der Bauernverband eine persönliche Einladung aller Grundbesitzer. Eberherr verwies ihn auf eine Vereinbarung mit dem BBV, die besage dass bei über 100 Grundbesitzern keine persönliche Einladung notwendig sei. Dies sei im Isental der Fall.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Treffen werden gegebenenfalls in den Entwurf eingearbeitet. Dann liege der Plan vier Wochen zur Einsicht an den Landratsämtern und AELF in Erding und Mühldorf aus, nach Ablauf dieser Zeit sei der Plan rechtskräftig.

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