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Engagement

Ein ganz Junger packt mit an

Familie Huber vor ihrem Hofladen
Roland Lory
am
19.09.2017

Ein Hofbesuch bei Martin Huber (23) aus Antdorf, dem neuen Vizekreisobmann in Weilheim-Schongau.

Mit 23 Jahren stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV): Das ist nicht die Regel. Martin Huber aus Antdorf (Lks. Weilheim-Schongau) stellt sich neuerdings dieser Aufgabe.
Wer zum ersten Mal in den Weiler Rieden kommt, der stutzt. Denn auf dem Anwesen der Hubers haben Tierarten ein Zuhause, denen man im Oberland normalerweise nicht begegnet. Man trifft auf Wallaby-Kängurus, Nandus und allerlei bunte Ziervögel. Auch afrikanische Riesenschildkröten leben hier in der Nähe von Penzberg. „Die haben ein Extra-Haus mit Bodenheizung“, erzählt Martin Hubers Vater Sebastian (61). Geld verdient die Familie mit den exotischen Tieren nicht. Es ist ein reines Hobby.

Milchvieh und Hofladen als Basis

Känguru

Wirtschaftliche Standbeine haben die Hubers im Wesentlichen zwei. Da wäre zum einen die Milchwirtschaft. 35 Fleckviehkühe plus Nachzucht stehen im Stall mit Anbindehaltung. Gut 200 Tage im Jahr werden sie ausgetrieben. Die Milch holen die Laster der Käserei Champignon ab.


Zum anderen haben die Hubers einen Hofladen, der drei Tage pro Woche offen hat. Das Sortiment besteht fast ausschließlich aus Erzeugnissen des eigenen Betriebs. Eier, Apfelsaft, Brot, Gebäck, Likör, Marmelade, Käse und Nudeln stehen im Regal. Auch Geflügel vom eigenen Hof kann der Kunde in „Lisa’s Hofladen“ erwerben: Es gibt Masthendl, Suppenhühner, Enten und Gänse. Den Käse produziert der mobile Käser Christoph Einhellig aus Eglfing aus der Milch der Huberschen Kühe. Und zwar Tilsiter und Camembert. Die Hubers empfinden diesen Weg als praktisch. „Man muss sich um nichts kümmern“, betont Martin Hubers Schwester Elisabeth (33). „Und der Käse schmeckt auch sehr gut.“ Die Wurst bezieht der Betrieb von der Metzgerei Lederer aus dem nahen Obersöchering.


Los ging es mit dem Hofladen vor rund 30 Jahren mit selbstgebackenem Brot. Damals bestand er noch aus einem Raum im Wohngebäude und dem Hausgang. Seit 2013 ist der Laden in einem separaten Bau untergebracht, der genug Platz bietet und in dem die Kunden auch Kaffee trinken können. Einige kommen von weit her. So reisen manche aus Eching bei München, Landsberg oder auch Ebersberg an. Einen Eier-Automaten zur Selbstbedienung haben die Hubers übrigens auch aufgestellt. Er wird gut angenommen. „Wir füllen jeden Tag zweimal nach“, erzählt Sebastian Huber.
Auf diesem Familienbetrieb ist also der neue Stellvertreter von Kreisobmann Wolfgang Scholz zuhause. Auch als Ortsobmann von Antdorf ist Martin Huber neu im Amt. An die Wahlen kann sich der 23-Jährige noch gut erinnern. „So schnell hab ich gar nicht schauen können, da war ich schon Ortsobmann.“


Bei den Wahlen auf Kreisebene nahm er zu Beginn neben Scholz Platz. Der sagte, er brauche noch einen Stellvertreter. Huber erwiderte, er mache jetzt erst einmal fünf Jahre Ortsobmann. Huber wurde dann jedoch aus der Versammlung fürs Amt des Vizekreisobmanns vorgeschlagen. Am Ende wurde er gewählt, und er nahm die Wahl auch an.
Seitdem ist der Landwirtschaftsmeister in Sachen Bauernverband gut eingespannt. Es gibt einige Termine, bei denen er Scholz vertritt. Der ist nämlich viel auf Achse, denn er ist bekanntlich nicht nur Kreisobmann, sondern auch stellvertretender Bezirkspräsident des BBV. Für Huber heißt es jetzt erst einmal, sich einzuarbeiten. Wobei für ihn klar ist: Im Hinblick auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2020 seien unbedingt noch ein paar Sachen zu klären“. Gleiches gelte in Sachen Düngeverordnung.


Was der neue Vizekreisobmann auch kritisiert: Betroffene Grundeigentümer seien nicht persönlich zur Auftaktveranstaltung in puncto FFH-Managementpläne eingeladen worden. „Das kann nicht sein“, macht er deutlich. Die Eltern waren anfangs nicht begeistert, als er sich zum Vizekreisobmann wählen ließ. Mittlerweile sehen sie es aber positiv. „Er sieht viel und kriegt viel mit“, sagt seine Mutter Elisabeth (57).
Sohn Martin ist im Betrieb als so genannter Mitarbeitender Familienangehöriger (Mifa) angestellt. Außerdem hat er ein Kleingewerbe angemeldet. Er arbeitet als Bauhelfer, etwa wenn ein Landwirt einen neuen Stall errichtet. Huber rechnet dann mit dem Maschinenring ab. Er ist aber auch zeitweise am Flughafen München zugange, und zwar im Winter, wenn dort Schnee geräumt werden muss. Im vergangenen Januar war er dort mehr als zwei Wochen am Stück im Einsatz. In seiner Freizeit betätigt sich der 23-Jährige übrigens als Fingerhakler und Stoaheber. Auch im Brauchtumsverein und Trommlerzug Antdorf ist er aktiv sowie als Fähnrich im Trachtenverein D’Waxnstoana. Der stellvertretende Kreisobmann hat noch zwei weitere Geschwister: Vroni (35) und Andreas (28) helfen ebenfalls am Hof mit, wenn es nötig ist.
Zum Betrieb gehören 54 ha Grünland, wobei Pachtflächen inbegriffen sind, sowie 2 ha Wald. Hubers haben auch einen Brennholzhandel. Zudem haben sie im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms gut 11 ha Streuwiesen angepachtet. Das Material wird komplett als Einstreu am Hof verbraucht.

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