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Trassenbau

Gasleitungsbau - die tiefen Gräben bei Monaco I

Gasleitung Besichtigung
Paul Kannamüller
am
04.12.2017

Der Bayerische Bauernverband präsentiert bei einem Ortstermin nahe Erding eine lange Mängelliste.

Monaco I nennt sich die Gasleitung, die von Burghausen nach Finsing im Landkreis Erding über die Flure der Gemeinden St. Wolfgang, Isen, Buch, Pastetten, Wörth, Hörlkofen, Forstern, Neuching, Ottenhofen und schließlich Finsing führt. Mit dem Abschluss aller Arbeiten rechnen die Verantwortlichen des Betreiberunternehmens bayernets GmbH bis Herbst 2018. Unmittelbar danach soll die Leitung in Betrieb gehen und eine bestehende ergänzen, deren Kapazitäten ausgeschöpft sind.

Im Jahr 2016 wurde der Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern bestandskräftig, die landesplanerische Beurteilung war bereits im März 2011 abgeschlossen worden. Der Spatenstich für das 200-Millionen-Projekt erfolgte im vergangenen Jahr in Kraiburg am Inn im Landkreis Mühldorf in Anwesenheit der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

In den vergangenen Jahren wurde vor allem informiert und geplant: Mitarbeiter der Bayernets haben sich mit Kommunalpolitikern getroffen, haben an den Türen der betroffenen Grundstückseigentümer geklingelt und mit dem Bayerischen Bauernverband eine gemeinsame Rahmenvereinbarung für landwirtschaftliche Grundstücke unterzeichnet.

Insbesondere die betroffenen Landwirte konnten sich lange Zeit nicht mit dem Projekt anfreunden. Eigentlich sollte der Versorgungsstrang mit einer Länge von 87 km schon seit 2016 in Bau sein, nachdem die Regierung von Oberbayern grünes Licht gegeben hatte. Dass es jetzt spürbar länger gedauert hat, begründet Sprecher Marc-Boris Rode mit aufwändigeren Wegerechts-Verhandlungen.

Für ein Projekt dieser Größenordnung war auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemäß UVPG erforderlich. Dabei wurden die Auswirkungen des Vorhabens vor allem auch auf die Schutzgüter Mensch, Tiere, Pflanzen, Wasser und Boden untersucht sowie Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern ermittelt und bewertet. Bis zu 2 Mio. m3 Gas können in Zukunft pro Stunde transportiert werden, das sind 550 m3 pro Sekunde.

Das Gas wird durch Rohre gepresst, die einen Durchmesser von 1,20 m und gut 2 cm dicke Stahlwände haben. Diese liegen 1,20 m tief im Boden, was bedeutet, dass die Bagger 2,5 m tief graben müssen. Entsprechend hoch ist der Aufwand, der mit dem Verlegen der Leitung einhergeht.

BBV begleitet Bau der Erdgasleitung

Gasleitung Strukturschäden

Seit Beginn der Planungen für die Ferngasleitung setzt sich der Bayerische Bauernverband für die Belange der Grundstückseigentümer und Bewirtschafter ein.

Ein ganz wichtiger Punkt dabei sei der Schutz des Bodens und der Erhalt dessen Ertragsfähigkeit, so Franz Sedlmeier von der BBV-Hauptgeschäftsstelle Oberbayern. Schlampereien in der Bauausführung wirkten sich nämlich nicht nur auf den Ertrag der angebauten Feldfrüchte aus, sondern führten auch stets zu Ärgernissen, „wenn der Trassenverlauf auch viele Jahre nach dem Bau immer noch deutlich am Bewuchs erkennbar ist“. Immerhin konnte der Bauernverband dem Bauherren, also der „bayernets GmbH“, in vielen Verhandlungsrunden eine ganze Reihe von Zugeständnissen in punkto Bodenschutz abringen.

Zudem wurde der Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern (Genehmigungsbehörde)
mit zahlreichen Auflagen versehen, was ganz wesentlich dem gemeinsamen Einsatz des AELF Ebersberg (Ansprechpartner der Regierung) und der BBV-Hauptgeschäftsstelle zugeschrieben wird.

So wurde im Planfeststellungsbeschluss neben vielen anderen Punkten erstmals in Bayern auch eine bodenkundliche Baubegleitung für die Baumaßnahme festgeschrieben. Trotz all dieser Vorgaben häuften sich jedoch ab September die Beschwerden an der BBV-Hauptgeschäftsstelle, und auch Bezirkspräsident Anton Kreitmair war in seiner Funktion als Landtagsabgeordneter gefragt.

Arbeitsstreifen wurden nicht eingehalten

So berichteten die Betroffenen beispielsweise, dass trotz Wassersättigung des Bodens der Arbeitsstreifen befahren wird und dass schwere Lkw auf unbefestigten Bereichen teilweise versacken, da die festgelegten Arbeitsstreifen nicht eingehalten werden. Da auch mehrere Telefonate und Schreiben an die bayernets zu keiner Änderung führten, bat Bezirkspräsident Kreitmair die Regierung von Oberbayern als Genehmigungsbehörde um eine Stellungnahme.

Bei einem Ortstermin informierten sich jetzt BBV-Bezirkspräsident Kreitmair, die Kreisobmänner Ulrich Niederschweiberer (Mühldorf) und Jakob Maier (Erding), Rudolf Ga­steiger als Regierungsansprechpartner vom AELF Ebersberg, Johannes Daseking von der Landvokat und Franz Sedlmeier von der Hauptgeschäftsstelle Oberbayern über den Bauablauf.

„Leider stellte sich heraus, dass die Beschwerden der Grundstückseigentümer durchaus berechtigt waren“, berichtete Sedlmeier. So waren tiefe Fahrspuren erkennbar und es konnte sogar ein schwerer Lkw beim Befahren des unbefestigten Arbeitsstreifens beobachtet werden. Zeitgleich wurde jedoch auch deutlich, dass die bodenkundliche Baubegleitung „hervorragende Arbeit leistet“.

Es wird frühzeitig auf mögliche Schadenspotenziale hingewiesen und es werden Lösungsvorschläge auch vor dem Hintergrund der Auflagen im Planfeststellungsbeschluss unterbreitet. Zudem funktioniere die Schadensaufnahme zeitnah und problemlos, wie Sedlmeier erklärte.

Kommunikation soll verbessert werden

Als Grundproblem stellte sich nach Angaben des Bauernverbandes jedoch heraus, dass die Informationen, Hinweise und Empfehlungen der bodenkundlichen Baubegleitung nicht immer bei den ausführenden Firmen und deren Mitarbeitern ankommen.

Zudem dauere die Bearbeitung der Beschwerden von Grundstückseigentümern viel zu lange. Nach einer intensiven Diskussion sicherte die bayernets zu, die Entscheidungswege hinsichtlich Beschwerden, Reklamationen sowie Hinweisen der bodenkundlichen Baubegleitung zu straffen und effizienter zu gestalten.

Ein konkreter Vorschlag zur Umsetzung stehe bislang aber noch aus, wie es heißt. Inzwischen aber wurde die Bauüberwachung aufgestockt, um eine höhere Überwachungsdichte zu erreichen. Des Weiteren sollen die Mitarbeiter der ausführenden Firmen bezüglich des Bodenschutzes geschult werden.

Die bayernets will den Betroffenen zudem Ansprechpartner benennen, die sich umgehend um deren Probleme kümmern sollen, wobei die gut funktionierende Kommunikation zwischen den Bewirtschaftern und der bodenkundlichen Baubegleitung nicht eingeschränkt werden soll.

Im Übrigen will sich die Regierung von Oberbayern künftig die Berichte der bodenkundlichen Baubegleitung regelmäßig vorlegen lassen, um die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen. Trotz dieser Zusagen empfiehlt der Bauernverband den betroffenen Grundstückseigentümern, ein Auge auf die Bauarbeiten zu haben und Probleme unverzüglich an die zuständigen Ansprechpartner zu melden.

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