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Landfraß

Gegen Perlenkette und Küstenlinie

SEM Feldmoching
Ludwig Holly
am
19.06.2017

Feldmoching/Daglfing - Die Initiative Heimatboden München setzt sich gegen städtebauliche Entwicklungsmaßnahme zur Wehr.

Großes Entsetzen herrscht in München-Feldmoching, seit in diesem Frühjahr bekannt wurde, dass die Landeshauptstadt mit einer sogenannten „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) 900 ha überplanen will, schließlich geht es um die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben und Gärtnereien.

Schnell haben sich Landwirte, Gärtner und Bürger formiert und der Stadt signalisiert, dass sie sich das so nicht gefallen lassen. Auf ihrer Seite stehen örtliche Politiker und auch die Kreisgruppe München des Bund Naturschutz. Es wurde die Initiative Heimatboden München gegründet, welche die Betroffenen unterstützt und den Widerstand koordiniert (BLW berichtete).

„In Feldmoching ist es uns in kurzer Zeit gelungen, die Bürger zu sensibilisieren. Es geht um die Zerstörung der Nahversorgung, um die Sorge der Naherholung und den ungelösten Problemen der nachfolgenden Infrastruktur“, erklärte Josef Glasl, Pressesprecher von Heimatboden München.

Daglfinger schließen sich der Initiative Heimatboden München an

Seit dem Jahr 2011 gibt es schon einen Einleitungsbeschluss des Münchner Stadtrates über die Durchführung einer SEM im Osten der Landeshauptstadt in München-Daglfing und Johanneskirchen rund um die Rennbahnen in Daglfing und Riem.

Es sollen eine Fläche von 600 ha überplant und gleichzeitig 360 ha für ein angrenzendes Landschaftsschutzsystem sichergestellt werden. „Hier können in den kommenden Jahrzehnten rund 30.000 Menschen eine Wohnung finden und rund 10.000 Arbeitsplätze entstehen“, heißt es in einem Flyer des Referates für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München.

Betroffen von diesen Planungen sind die Flächen von acht landwirtschaftlichen und zwei Gartenbaubetrieben. Mit den Grundbesitzern wurde gar nicht erst gesprochen. Diese erfuhren von den Planungen der Stadt aus der Tageszeitung. In der Folgezeit entstanden in dem Gebiet große Aufregung und viel Widerstand. Nachdem man gesehen hat, wie viel Zuspruch und Unterstützung die Initiative Heimatboden München in Feldmoching erfahren hat, schloss man sich jetzt dieser an.

So trafen sich in der Woche vor Pfingsten knapp 100 Bürgerinnen und Bürger in der Sportgaststätte Tassilo in Aschheim und beschlossen den Anschluss an die Initiative Heimatboden München.

Drei Stadtentwicklungsvarianten hat die Stadt vorgelegt, die so eigenartige Namen wie „Perlenkette“ und „Küstenlinie“ haben. „Diese SEM ist kein geeignetes Planungsverfahren. Sie muss komplett vom Tisch. Es ist nur ein verwaltungstechnisches Verfahren, um günstig an Grundstücke zu kommen und die Eigentümer aus dem Grundbuch zu verdrängen“, so Glasl.

Dabei ist die Initiative nicht grundsätzlich gegen jede weitere Entwicklung in dem Gebiet. „Es müsste aber zuerst ein Konsens gefunden werden, wie wir in München und in Bayern mit dem Thema „Landnutzung“ in Zukunft umgehen wollen. Man muss gemeinsam, gesamtheitlich und im großen Umfang denken und planen. Eine SEM mit den existenziellen Auswirkungen für die Grundbesitzer ist hierfür sicherlich nicht geeignet“, betonte Heimatboden-Pressesprecher Glasl.

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