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Kreisbauerntag

Nicht die Größe ist ausschlaggebend

Kreisbauerntag Rosenheim
Martina Fischer
am
20.02.2017

Rosenheim - Das Heil liegt nicht in der Größe. Entwickeln kann man sich in viele Richtungen“, war das Credo von Helmut Brunner. Beim Rosenheimer Kreisbauerntag zeigte sich der Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in seinem Referat „Meine Agrarpolitik für Bayern“ überzeugt, dass man im Freistaat auf dem richtigen Weg sei. Aber auch Problemfelder blieben nicht unerwähnt. Zudem gab es Ehrungen.

„Schön, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, Euch mit dem Beruf und den Problematiken auseinanderzusetzen“, freute sich Rosenheims Kreis­obmann Josef Bodmaier angesichts von 500 Besuchern. Dabei warf er zuerst ein Schlaglicht auf die Situation im vergangenen Jahr, auf das Preistief „und zwar bei allen Landwirtschaftsprodukten“. Nun ergebe sich eine fast schon rasante Bergauffahrt des Milchpreises. „Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, mahnte Bodmaier zur Vorsicht. Rücklagen müssten für Preisschwankungen gebildet werden, auch wenn das in einer Niedrigzinsphase sehr schade sei. Als problematisch betrachtete er den Eingriff in bäuerliches Eigentum, den Flächenverbrauch, die Düngeverordnung und den Schutzstatus des Bibers, der sich im Landkreis Rosenheim sehr fleißig vermehre und dementsprechend nicht mehr als gefährdet angesehen werden könne. Bei der Tierhaltung komme man mit den Auflagen schon nicht mehr hinterher, so die Kritik des Kreisobmannes. Der Lebensmittelhandel habe es dabei leicht, einfach Forderungen zu stellen.

Ansprüche auch als Chance sehen

Die vielen positiven Beiträge der Landwirte zum Allgemeinwohl lobte Brunner: „Wir pflegen unsere Heimat, wir pflegen die Natur.“ Dennoch sei es so, dass Tierwohl, Klima- und Wasserschutz heute anders gesehen würden als noch vor 20 Jahren. Diese „neue Neugierde“ der Gesellschaft empfand Brunner aber auch positiv. „Mancher empfindet das als Bevormundung oder Kritik, aber vielleicht ist das auch eine Chance für uns.“ Es liege ein Stück weit auch an den Landwirten, wie sie wahrgenommen würden. Der Schlüssel sei Kommunikation.
Die letzten beiden Jahre wertete Brunner als Herausforderung, gerade für eine Milchregion wie Rosenheim. Die Marktsituation sei sogar so schlimm gewesen, wie es kein Experte vorab vermutet habe. „Aber nicht die vermeintlich für den Weltmarkt gerüsteten, großen Betriebe waren widerstandsfähiger, sondern unsere kleinen Strukturen im Süden.“ Dadurch sah sich der Minister in seiner Ansicht bestätigt, dass nicht der Betriebsumfang, sondern die Qualifikation und Kreativität für Erfolg sorgten. Möglichkeiten zur Diversifizierung seien daher wichtig. Zudem bedeute es keinen sozialen Abstieg, sich vom Haupt- in den Nebenerwerb zu orientieren.
„Ich möchte Mut machen“, erklärte Brunner. Dabei verwies er auf Errungenschaften, etwa das Plus von 148 Mio. € im Agrar-Doppelhaushalt 2017/2018 oder Kulap in einer Höhe von 260 Mio. € mit 19 statt 11 Varianten zur Teilnahme. Bei den Produkten wolle der Freistaat eine Premiumstrategie einschlagen, etwa mit der Genussakademie in Kulmbach und bayernweit 100 Genusssorten. Zudem müsse man weiter auf die Verbraucher zugehen. Als Ziele nannte Brunner mindestens einen Tag auf dem Bauernhof in der Grundschulzeit und 100 000 Erlebnisbauernhöfe: „Damit die Bürger wissen, wie Landwirtschaft heute funktioniert.“
Durch eben jene vom Minister erbetene Kommunikation mit dem Konsumenten zeichnen sich Monika und Johann Mayerhofer vom Vogtareuther „Adlmoar“-Hof aus. Sie vertreten bei der Kampagne „Unsere Bayerischen Bauern“ die Milchviehbetriebe und erhielten beim Kreisbauerntag eine Würdigung für ihr Engagement.
Eine Ehrung für ihren großen Bildungswillen erhielten die jungen Landwirtschaftsmeister Georg Auer (Högling, + Agrarbetriebswirt), Martin Freiberger (Eiselfing), Thomas Gasteiger (Bad Feilnbach), Alois Hilger (Babensham), Christoph Huber (Söchtenau), Michael Kink (Bad Aibling), Georg Michael Kirchlechner (Rott am Inn), Richard Kurz (Schechen), Stefan Lechner (Vogtareuth), Martin Luckenhuber (Bruckmühl, + Agrarbetriebswirt), Lukas Neumayer (Schechen), Augustin Pfaffenberger (Eggstätt), Josef Rottmüller (Tuntenhausen) und Sebastian Seidl (Högling), ebenso die jungen Agrarbetriebswirte Ludwig Bachmayer (Tuntenhausen) und Ludwig Freiberger (Babensham). Als Geschenke gab es Arbeitshandschuhe, Meterstab und eine Essenseinladung seitens des Kreisobmanns.

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