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Landjugend

Das größte Kapital ist der Boden

Boden
Klaus Oberkandler
am
04.03.2019

„IG gesunder Boden“ verleiht Auszeichnung an zwei junge Landwirte.

Mühldorf/Altötting Zwei junge Bauern aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting sind zu „Bodenbotschaftern“ ernannt worden. Den Titel verlieh ihnen die Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden bei ihrem 3. Bodentag, der in Neunburg vorm Wald (Lks. Schwandorf/Opf.) stattfand. Johann Falter aus Pleiskirchen und Stefan Wimmer aus Neumarkt-St. Veit bestellen ihre Felder seit Jahren erfolgreich, ohne das Herbizid Glyphosat anzuwenden.

„Das größte Kapital des Landwirts ist sein Boden. Mit dem muss bzw. darf er wirtschaften. Sinkt die Bodenfruchtbarkeit, dann sinken auch die Erträge und somit die Einnahmen für den Landwirt“, sagen die beiden. Mit der Auszeichnung würdigt der Verein die Bereitschaft der beiden Landwirte zum Wissenstransfer und ihre bodenaufbauende Wirtschaftsweise, die nachweislich zu einer Verbesserung des Bodens führt. Die von ihnen angewandte Methode könne man nachvollziehen und sie sei erlernbar.
In der Begründung der Jury wird auch ausdrücklich eine Reportage in der Passauer Neuen Presse erwähnt. Unter der Überschrift „Es geht auch ohne“ stellten die beiden Preisträger damals ihre Betriebsweise einer breiten Öffentlichkeit vor. Dabei erläuterten sie, dass ein gesunder Boden mit häufigem Einsatz von Glyphosat nicht möglich sei. Sie legten auch offen, wie sie mit ihrem alternativem Betriebskonzept mit deutlich weniger Herbizideinsatz wirtschaften.
Laudator beim Festakt in Neunburg vorm Wald war Franz Herrler. Er ist seit 2005 Geschäftsführer beim Zweckverband der Wasserversorgungsgruppe Laber-Naab. Herrler ist auch Sprecher der Kooperation „Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura“, dem zwölf Wasserversorger angehören, die 400 000 Einwohner beliefern und zusammen jährlich rund 20 Mio. m³ Wasser fördern. Er würdigte die Arbeit der beiden Landwirte, die damit auch einen bedeutenden Beitrag zum Gewässerschutz leisten.

Betrieb Falter in Pleiskirchen

Johann Falter hat in der Gemeinde Pleiskirchen einen Ackerbaubetrieb mit Biogaserzeugung und Naturdüngerverarbeitungsanlage. Er baut Silomais, Körnerroggen, Triticale, verschiedene Ganzpflanzensilage-Mischungen und Körnerhirse an. Falter arbeitet mit Untersaaten in fast allen Kulturen, vor allem beim Mais, damit der Boden auch im Winter bedeckt ist.
Seit 2015 bewirtschaftet er seine Felder ohne Pflug. Dafür sind im Betrieb Fräse, Flächenrotte, Grubber, erweiterte Bodenanalyse, effektive Mikroorganismen, Komposttee und Kompost aus den abgepressten Gärresten im Einsatz. Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel setzt er nur noch in sehr geringem Umfang ein. Falter beabsichtigt, demnächst auf ökologischen Landbau umzustellen. Er ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach machte er die Ausbildung zum Landwirt, die er als Landwirtschaftsmeister abschloss. Anschließend bildete er sich zum Agrarbetriebswirt weiter.

Betrieb Wimmer
in Neumarkt-St. Veit

Stefan Wimmer bewirtschaftet mit seiner Familie in Neumarkt-St.Veit einen konventionellen Betrieb mit Milchvieh, Biogas und Hähnchenmast. Er baut Silomais, Kleegras, Winterweizen sowie Roggen-Triticale-Erbsen-Wicken-Gemenge und Zwischenfrüchte an, womit er eine fast hundertprozentige Begrünung über das Jahr erreicht. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt besuchte Wimmer die Fachschule für ökologischen Landbau in Landshut-Schönbrunn und schloss dort als Landwirtschaftsmeister ab. Seit 2011 wurde der Betrieb schrittweise auf pfluglose Bewirtschaftung umgestellt. Düngung nach der Kinsey-Methode mit erweiterten Bodenanalysen, Gülleaufbereitung, Flächenrotte, Komposttee sowie Kompostierung der abgepressten Gärprodukte hat Wimmer in den Betriebsablauf integriert.

Der Natur wieder
mehr vertrauen

In ihrer Rede nach Verleihung des Preises stellten die beiden Landwirte den Begriff Dankbarkeit in den Mittelpunkt. Sie beleuchteten die vielen Facetten dieses Begriffs und die Vielzahl der Dinge, für die man dankbar sein müsse. Das wäre zum einen die Dankbarkeit des freien Denkens. „Durch die Tatsache, dass wir in einem freien Land leben und wirken dürfen, ist es uns möglich, völlig neue Denkansätze in unserem Tun wirken zu lassen.“ So könne man selbst die Frage stellen, ob wir der Meinung der Chemieindustrie glauben oder unsere Verbundenheit zu Natur und Schöpfung unsere Triebfeder sei. Der Chemie und dem Maschineneinsatz werde oft mehr Vertrauen geschenkt als der Natur. Jahrmillionen sei ohne Glyphosat Landwirtschaft betrieben worden. Nur wenige Jahrzehnte danach heiße es, dass es ohne dieses Gift nicht geht? Die Zukunft des modernen Ackerbaus wird nach Überzeugung der beiden Preisträger darin liegen, die natürliche Leistung des Bodens und der Pflanzen noch besser zu verstehen, nachhaltig zu fördern und sie noch effizienter zu nutzen.

Bundesweites Netz
zum Wissenstransfer

Die Interessengemeinschaft gesunder Boden, die den Preis verliehen hat, ist ein Verein mit Sitz in Regensburg. Er bildet ein bundesweites Netz zum Wissenstransfer unterschiedlicher Fakultäten mit dem Ziel, wieder gesunde Böden aufzubauen. Neben der Vermeidung von Nährstoffverlusten, der Förderung der Bodenbiologie und der Umsetzung der optimalen Bodennährstoff-Verhältnisse steht der Aufbau von Humus im Vordergrund.
Der Verein versteht sich als Plattform, um altes und neues Wissen zu sammeln und es bodeninteressierten Verbrauchern, Verbänden, Instituten, Landwirten, Tierärzten, Ärzten und Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen. Die Interessengemeinschaft wurde im vergangenen Jahr auch mit dem Umweltpreis der Stadt Regensburg ausgezeichnet.
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