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Almwirtschaft

Große Probleme mit dem Wolf

Stammtisch
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Redaktion Wochenblatt, Wochenblatt
am
03.05.2017

Lenggries/Lks. Bad Tölz-Wolfratshausen Alljährlich findet die Versammlung der Bezirksalmbauernschaft Tölz im Wieserwirt in Lenggries statt. Und auch heuer konnte Bezirks­almbauer Johann Probst wieder viele Ehrengäste in dem Gasthaus begrüßen.

Einem von ihnen wurde eine wahrlich verdiente Auszeichnung zuteil. Georg Willibald, der im vergangenen Jahr am Kirchweih-Samstag für einen umjubelten Almabtrieb der besonderen Art in der ausverkauften Oberlandhalle in Miesbach gesorgt hatte. „250 Holzfiguren hat er geschnitzt, den Text für die Aufführung geschrieben, sich um die Organisation gekümmert und auch noch das finanzielle Risiko getragen“, umriss der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) Georg Mair die großartige Leistung: „Es war ein unbandiges Erlebnis.“
Die Almwirtschaft liege ihm eben am Herzen und außerdem habe er von allen Seiten Unterstützung erfahren – vom AVO, vom Zuchtverband Miesbach, Sprechern, Musikern und Helfern, meinte Willibald in seiner bescheidenen Art. Mit dem Erlös wurde einer in Not geratenen Bauernfamilie unter die Arme gegriffen. Für das Gesamtpaket erhielt der Lenggrieser nun eine gerahmte AVO-Urkunde überreicht.
Damit war der erfreuliche Teil der Versammlung aber auch schon fast beendet. Bürgermeister Werner Weindl kam auf die Probleme mit undisziplinierten Radlern zu sprechen und stellte ein seitens des Landkreises beantragtes Leaderprojekt vor. Damit sollen Möglichkeiten einer Lenkung der Pedalritter ausgelotet werden, mit Bereichen, die für Mountainbiker freigegeben oder gesperrt werden.
Mair kam auf die Flächen bayerischer Almbauern in Österreich zu sprechen. Ein mittlerweile schon leidiges Kapitel, denn trotz aller Bemühungen des AVO hat sich bei der EU immer noch nichts bewegt. Weiterhin haben die Bayern deutliche Einbußen, da im Nachbarland hinsichtlich der Degression und der Betriebsprämie andere Regeln herrschen.
Ob Politiker, Kreisbäuerin Ursula Fiechtner oder Kreisobmann Peter Fichtner, alle sind sich bezüglich des Wolfes einig. „Wehret den Anfängen“, lautet das Credo. MdL Martin Bachhuber führte den Biber als warnendes Beispiel an. Zuerst sei die Ansiedlung betrieben worden, nun stehe man mit den Schwierigkeiten da. Beim Biber gehe es um Bäume und unterhöhlte Wege, beim Wolf um wertvolle Weidetiere.
Von den Befürwortern des Räubers werde gerne ins Feld geführt, die Landwirte müssten ihre Tiere nur ausreichend schützen, merkte Brigitta Regauer an, die AVO-Beauftragte für Große Beutegreifer. Beispielsweise mit einem elektrifizierten Weidezaun, „aber mittlerweile überspringen Wölfe schon eine Höhe von 1,4 Meter“.
Auf der Iberischen Halbinsel umfasst die Wolfspopulation rund 2400 Tiere. Ausführlich berichtete Regauer in ihrem ebenso sachlichen wie fachlichen Referat über eine Exkursion nach Spanien in das Gebiet des Nationalparks Picos de Europa, an der sie teilgenommen hatte. In Spanien gibt es bezüglich des Schutzstatus beim Wolf unterschiedliche Zonen. In manchen Regionen darf er geschossen werden, in anderen hat er Totalschutz. Eindrucksvoll belegte die Expertin anhand von Fotos die Unterschiede: Noch bewirtschaftete Almen mit hoher Biodiversität und andererseits mit Ginster zugewachsene Flächen, die aufgegeben wurden. Bei der Erweiterung der Wolfsschutzzone, hörten in den letzten zehn Jahren sechs von neun Bauern auf.
„Es geht so viel an Artenvielfalt verloren“, erklärte Regauer. Sie zurückzubringen sei kaum möglich. Auch dies sollte die Bevölkerung bedenken. Ebenso habe der Einsatz von Herdenschutzhunden Konsequenzen. Beispielsweise verteidige ein Türkischer Kangal hervorragend, stelle aber auch eine erhebliche Gefahr für Wanderer dar.

Fohlen werden dem Räuber geopfert

Nicht so einfache Kost hatte die Wolfsbeauftragte für Tierliebhaber im Gepäck. Im von ihr besuchten Gebiet in Asturien und Kantabrien ist die Rasse Mastín Español unterwegs. „Je mehr Wölfe vorhanden sind, desto mehr Hunde werden benötigt, die zum Schutz vor den Angreifern breite Stachel-Halsbänder tragen“, sagte Regauer.
Für einen Aufschrei dürfte hierzulande sorgen, womit sich spanische Almbauern in ihrer Not zusätzlich zu helfen versuchen, um den wirtschaftlichen Schaden in Grenzen zu halten. Mit aufgetrieben werden hochträchtige Stuten. Der Wert eines Fohlens beträgt rund 50 Euro, der eines Kalbes liegt bei über 200 Euro. Deshalb wird so manches Fohlen dem Räuber geopfert.
Viele Landwirte haben aber auch schon kapituliert. „Sie hören auf und das liegt nicht am Strukturwandel“, schilderte Regauer die Situation. Ähnliche Erfahrungen hat der AVO bereits bei Erkundungen und Erkundigungen in der Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien und Rumänien gemacht. Deshalb bleibt es bei der Forderung nach einer wolfsfreien Zone für den gesamten Alpenraum.
International haben die almwirtschaftlichen Verbände ein entsprechendes, gemeinsames Positionspapier zum Thema „Großraubtiere (Bär, Luchs, Wolf) und ihre Auswirkung auf die Alm-/Alpwirtschaft“ erarbeitet, das an die EU-Kommission sowie weitere Institutionen ging. Die Resolution wurde von den maßgeblichen Obmännern und Präsidenten der Verbände aus Bayern, Frankreich, Österreich, Schweiz, Slowenien und Südtirol unterzeichnet. Mit der Aufforderung, angesichts der für die gesamte Gesellschaft so wichtigen Leistungen der Almbewirtschaftung die Bedenken und Anliegen zu berücksichtigen.
Aufgabe der Weidewirtschaft, Verbuschung der wertvollen Almflächen, gerissene Tiere – Bachhuber wies noch auf einen weiteren Punkt hin. Käme es zu Übergriffen auf Menschen oder Hunde: „Wenn etwas passiert, kommt zuerst Entsetzen und Bestürzung, dann folgt der Ruf nach härteren Gesetzen.“

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