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Kreisbauerntag

Hausaufgaben für Ministerin Scharf

Kreisbauerntag
Dietmar Fund
am
18.12.2017

Beim Kreisbauerntag Altötting in Teising werden klare Forderungen an CSU-Politiker formuliert.

Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Umwelt- und Verbraucherschutz, bekam beim Kreisbauerntag des BBV Altötting nicht nur einen Geschenkkorb mit Produkten der regionalen Landwirtschaft überreicht. Vielmehr gaben ihr Kreisobmann Anton Föggl und sein Stellvertreter Richard Straubinger noch eine mehrseitige, eng bedruckte Erklärung als „Hausaufgabe“ mit.

Sie hatten darin Stichpunkte zu neun Themen ausgearbeitet, die von der Afrikanischen Schweinepest bis hin zum Wolf und dem Biber reichten. In der Erklärung heißt es außerdem, laut der Forschungsgruppe Wahlen hätten bei der Bundestagswahl 61 % der Landwirte CDU/CSU gewählt. Daran schloss sich eine klare Aussage an: „Bayerns Bauern werden problematische Inhalte eines Berliner Koalitionsvertrags bei den Landtagswahlen in Bayern quittieren.“

In einem halbstündigen Vorgespräch vor dem Auftritt im gut besetzten Saal des Gasthauses Reiterhof hatten Anton Föggl und Vertreter der Bauernschaft aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf die Ministerin mit dem „großen Problem“ der Kontrollen konfrontiert, die insbesondere für die vielen Nebenerwerbslandwirte der Region problematisch seien. „Das Umweltministerium möchte die Bauern nicht schikanieren“, entgegnete Scharf. „Es geht hier nur um die Sicherung der Fördergelder, die mit den Cross-Compliance-Kontrollen verknüpft sind.“

Die im Vorgespräch angerissenen Themen Glyphosat-Einsatz, Ausgleichsflächen und Hochwasserschutz vertiefte die Umwelt- und Verbraucherschutzministerin in ihrer Rede beim Kreisbauerntag. Sie erklärte dem Publikum, dass sie fast jede Woche Gespräche mit Bauern-Vertretern führe. Sie setze dabei auf kluge Kooperation statt auf ideologische Konfrontation und für sie gehe Freiwilligkeit dem Ordnungsrecht vor. Beim Glyphosateinsatz stünde Aussage gegen Aussage und es sei daher ratsam, es deshalb so sparsam wie möglich zu verwenden. Sie begrüße die Entscheidung der Molkerei Berchtesgadener Land, von ihren Landwirten die Arbeit ohne Glyphosat zu verlangen.

Beim Hochwasserschutz sprach Scharf nicht über bauliche Maßnahmen, die Landwirte betreffen, sondern über die Klimaforschung, von der Bauern über klimafeste Pflanzen oder über Bewässerungssysteme für trockene Regionen profitieren könnten. Ausführlich ging sie auf den Gewässerschutz und die hohe Nitratbelastung des Trinkwassers in manchen Regionen Bayerns ein. „Vielerorts sind die Nitratwerte zu hoch und es ist keine Abnahme in Sicht“, erklärte sie. „Weder die EU noch die Verbraucher werden uns dies durchgehen lassen.“

Die Umsetzung der Düngeverordnung müsse daher kommen, wobei sowohl ihr Ministerium als auch das Landwirtschaftsministerium die Familienbetriebe berücksichtigen wollten. Auch das Tierwohl und den Tierschutz müssten die Bauern ernst nehmen, denn diese Themen seien keine „weichen“ Wettbewerbsfaktoren mehr, sondern entschieden darüber, ob Produkte überhaupt in die Läden kämen. Mit der Aussage, die Ausgleichsflächenregelung in Bayern sei „hervorragend gemacht“ und längst müssten neu zu bebauende Flächen nicht mehr 1:1 ausgeglichen werden, schloss die Ministerin.

Anschließend nahm sie noch an der Ehrung der Familien Weindl und Hager aus Unterschottham teil. Sie hatten bei ihren Tagen der offenen Hoftür zusammen mit den Ortsbäuerinnen des Landkreises Kaffee und Kuchen verkauft und den erwirtschafteten Ertrag noch auf 1100 € aufgestockt. Dieser stolze Betrag ging nun an Martha und Hans Linner. Das Ehepaar organisiert seit 26 Jahren in Burghausen Treffen von Menschen mit Behinderungen rein ehrenamtlich und finanziert das mit Spenden. Den Scheck überreichte Kreisbäuerin Maria Reichenspurner.

Musikalisch bereichert wurde die Veranstaltung durch die Lichtenwimmer-Buam aus Perach und den Bauernchor Altötting. Die beiden spielten sich mit ein paar Gstanzerl ebenso in die Herzen des Publikums wie die vielstimmigen Bauern, die von Christa Hager dirigiert wurden.

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