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Direktvermarktung

Hofladen - Bestes vom Bauern in der Metropole

Ludwig Holly
am
11.12.2017

Im Münchner Stadtteil Johanneskirchen versorgt die Landwirtsfamile Wiesheu in ihrem Hofladen die Bevölkerung mit Lebensmitteln aus der Region.

Hofladen Wiesheu

Man erwartet es kaum noch, doch im Häusermeer der Landeshauptstadt München findet man noch landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, die die städtische Bevölkerung mit frischen und qualitativ hochwertigen, regionalen Produkten versorgen. So gibt es nur wenige Kilometer vom Marienplatz entfernt im Nordosten der Stadt in Johanneskirchen den Hof der Familie Wiesheu.

Christine und Martin Wiesheu führen den Hof in zweiter Generation. Ackerbau auf 26 ha Eigen- und 62 ha Pachtfläche sowie Bullenmast bilden die Schwerpunkte des Betriebs. Angebaut werden Winterweizen, Braugerste, Silomais und fünf verschiedene Kartoffelsorten.

Im Stall stehen 50 bis 60 Jungbullen unter zwei Jahre, die mit einem Lebendgewicht von 700 kg geschlachtet werden. Auch rund 70 Schafe, davon 40 Mutterschafe und Nachzucht, sowie einige Ziegen werden gehalten.

Die Bullen werden im Schlachthof in München geschlachtet, die Schafe an der Versuchsstation der Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub. Für den Verkauf hergerichtet wird das Fleisch dann im hofeigenen Vorbereitungsraum. „Zehn Bullen und 90 Prozent der Schafe verkaufen wir über unseren Hofladen“, erklärt Landwirt Wiesheu.

Schon lange im Geschäft

Der Hofladen ist ein weiteres Standbein des Betriebs, in dem Eigenerzeugnisse und Produkte aus der Region zum Verkauf kommen. Bereits seit den 1960er-Jahren wurden auf dem Betrieb Kartoffeln, Milch und Eier zum Verkauf angeboten. Im Jahr 1999 wurde dieser langjährige Ab-Hof-Verkauf dann durch die Vermarktung von Jungbullenfleisch erweitert. „Unser Motto ist ,Aus der Region – für die Region‘ und deshalb bieten wir immer nur qualitativ hochwertige Produkte aus landwirtschaftlicher Erzeugung an“, so Wiesheu.

Weil man auf dem Wiesheu-Hof großen Wert auf Frische legt, gibt es das gut abgehangene Jungbullen- und Schaffleisch nur auf Bestellung. „Wir sind Mitglied im Programm ,Geprüfte Qualität Bayern‘ und unsere Jungbullen erhalten nur eigenerzeugtes Futter von unseren Feldern. Die Schafe werden auf der Weide gehalten und die Hühner haben freien Zugang zur Wiese“, so Martin Wiesheu.

Als Ergänzung zu den selbst erzeugten Fleischwaren kommt das Schweinefleisch von der Landmetzgerei Holzner in Pliening im Landkreis Ebersberg und das Geflügel vom Geflügelhof Gerlmaier in der Nähe von Forstern im Landkreis Erding. Zusätzlich gibt es zu Weihnachten auf Bestellung auch Enten und Gänse.

Ganzjährig erhältlich sind verschiedene eigenerzeugte Kartoffel­sorten von festkochend bis vorwiegend festkochend und mehlig.

Reichhaltiges Angebot im Laden

Hofladen Wiesheu

Die Produktpalette im Laden ist umfangreich und kann sich sehen lassen: vielfältiges Saisongemüse von Gärtnereien aus der Nachbarschaft, Zuckermais, herzhafte Hausmacher-Wurstwaren, Bauerngeräuchertes, verschiedene schmackhafte Käsesorten vom Tegernsee und aus dem Allgäu, Obst, Honig aus Bayern, Eier von den eigenen Hühnern, Milch und Joghurt, Teigwaren, Schnaps aus Sauerlach im Landkreis München und vieles mehr.

„Unsere Kundinnen und Kunden schätzen unsere vielseitigen und regionalen Produkte und die familiäre Atmosphäre in unserem Hofladen“, betont Tochter Michaela Leonbacher. Sie hat in einen landwirtschaftlichen Betrieb in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck eingeheiratet, ist aber häufig auf dem elterlichen Betrieb, um ihre Mutter im Hofladen zu unterstützen.

Seit 2012 hat der Betrieb auch eine Biogasanlage mit 400 kW elektrischer Leistung. Die Anlage hat Landwirt Wiesheu an seinen Schwiegersohn Thomas Eberl und seine ältere Tochter Maria verpachtet. Er liefert ihnen Silomais, Grünroggen und Gras. Die ganze Gülle aus dem Stall geht in die Biogasanlage, sodass Wiesheu keine Gülle, sondern Gärreste auf seinen Feldern ausbringt. Mit der Abwärme der Biogasanlage werden Mais getrocknet und zwei Betriebsgebäude beheizt.

Schwiegersohn Thomas hilft bei Bedarf am Hof mit und Tochter Maria kümmert sich um die Schafe und Ziegen. Beide werden einmal den Hof übernehmen und weiterführen.

Alle Jahre wieder

Hofladen Wiesheu

Jedes Jahr am zweiten Adventswochenende verwandelt sich der ganze Wiesheu-Hof in einen lebendigen Christkindlmarkt mit zahlreichen Weihnachtsständen und einem reichen Angebot an weihnachtlichen Genüssen. Und alle Besucherinnen und Besucher, die noch ein Weihnachtsgeschenk suchen, finden sicherlich etwas an einem der zahlreichen Handwerkerstände.

Natürlich können sich die Besucherinnen und Besucher auch einen frisch geschlagenen Christbaum mit nach Hause nehmen. Für eine vorweihnachtliche Stimmung sorgen die St. Thomas Bläser vom Pfarrverband St. Thomas und St. Lorenz in München-Bogenhausen (Infos unter www.wiesheu-hof.de, Aktuelles). „Den Christkindlmarkt veranstalten wir schon mindestens zehn Jahre und er erfreut sich jedes Jahr sehr großer Beliebtheit“, sagt Bäuerin Christine Wiesheu.

Ungewisse Zukunft

Hofladen Wiesheu

Doch die Idylle rund um den Hof und der landwirtschaftliche Betrieb sind bedroht, weil die Stadt die Flächen bebauen will. Sie plant dabei, mit der „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) das schärfste Planungsinstrument anzuwenden, mit dem auch Landwirte enteignet werden können, wenn sie nicht verkaufen wollen (das Wochenblatt berichtete).

Dieses Vorhaben der Stadt sorgt natürlich für eine starke Beunruhigung in der Familie, weil die Hoffläche mitten im Planungsgebiet liegt. Es gingen Flächen verloren und die Bewirtschaftung der Felder wäre stark erschwert oder gar nicht mehr möglich. Daher klagt Landwirt Wiesheu zu Recht: „Diese Pläne tun mir und meiner Familie besonders weh, weil ein Stück Heimat verloren gehen würde und unser Betrieb und viel Lebensraum zerstört würden.“

Durch die Initiative „Heimatboden München“, die aufgrund der SEM-Pläne der Landeshauptstadt in Feldmoching in diesem Jahr gegründet wurde, hat auch ein größerer Bevölkerungsanteil von den Plänen der Stadt in Johanneskirchen erfahren. „Viele Kundinnen und Kunden haben bei uns nachgefragt und sich über das Vorgehen der Stadt sehr entrüstet gezeigt“, berichtet Christine Wiesheu.

Die Zukunft wird zeigen, ob auch hier wieder landwirtschaftliche Felder und Wiesen dem ungebremsten Expansionsdrang der Landeshauptstadt zum Opfer fallen oder ob die Bedrohung durch die Bürgerinitiative noch abgewendet werden kann.

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