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Pensionspferde

Die Hürden bei der Pferdehaltung

Pferde Winter
Paul Kannamüller
am
15.01.2018

Namhafte Experten referierten beim Oberbayerischen Pferdetag in Fürstenfeldbruck.

Pferde Winter

Es ist ein Geschäftsmodell, das sich scheinbar einfach umsetzen lässt: das Einstellen von Pensionspferden. Dazu dienen bereits vorhandene oder neu zu errichtende Stadel, die die Pferdebesitzer in Eigenregie betreiben. Der Landwirt stellt außerdem Weidefläche zur Verfügung und sorgt für die Wasserversorgung. Oft verkauft er auch das nötige Heu und Stroh an die Pferdebesitzer und übernimmt die Weidepflege und Mistentsorgung. Die Vorteile für den Landwirt liegen also auf der Hand: Er nutzt seine Ressourcen und generiert so ein zusätzliches Einkommen aus Leistungen, die er den Pferdebesitzern erbringt. Dass es mit der Umsetzung des Geschäftsmodells „Pensionspferdehaltung“ jedoch auch einige Hürden zu überwinden gilt, das wurde auf dem Oberbayerischen Pferdetag am Grünen Zentrum Fürstenfeldbruck-Puch deutlich, zu dem der BBV-Bezirksverband Oberbayern eingeladen hatte.
Bei der Pferdehaltung kommt es in erster Linie auch auf den Standort und die richtige Pflege der Weidefläche an. Vor allem stellt sich dabei die Frage: Was ist nachhaltig ökologisch und ökonomisch am Standort möglich? Da es sich beim Pferd um ein Flucht- und Lauftier handelt, sei schon mal eine dichte tragfähige und elastische Grasnarbe die Voraussetzung, so Dr. Stephan Hartmann von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). An die Weidefläche würden zudem die unterschiedlichsten Anforderungen gestellt, der sie gleichermaßen gerecht werden müsse. Es handelt sich hierbei nicht nur um eine kontinuierlich wachsende Futterquelle, sondern sie müsse auch zur Aufnahme von Mist und Kot in der Lage sein. Eine aufmerksame und sorgfältige Weideführung sei daher unabdingbar. Vor allem auch die richtige Einzäunung sei mit entscheidend für den Erfolg der Weidehaltung von Pferden. Denn Verkehrsunfälle, verursacht durch ausgebrochene Pferde, seien keineswegs selten, wie es hieß.

Als Weideflächen zu bevorzugen seien trockene Mineralböden mit durchlässigem Untergrund. Hingegen seien staunasse und nasse Böden anfällig für Bodenverdichtung und Lückenbildung sowie  häufig ungünstige Bestandeszusammensetzung. Der Flächenbedarf für eine Umtriebsweide gab der Agrarexperte mit 1 Ar (100 m2)/Pferd/Weidetag an. Für einen geregelten Umtrieb würden sieben Koppeln benötigt. Die häufigsten Fehler seien oft zu lange Austriebszeiten, was etwa eine Verdichtung der Grasnarbe, einen tieferen Verbiss als beim Rind und daher Stress für die Grasnarbe sowie artenärmere Bestände zur Folge hätte. Vorteilhaft sei ein Nutzungswechsel zwischen Pferdeweide, Rinderweide und Schnittnutzung. Wichtig bei größeren Lücken sei eine Nachsaat. Gutes Saatgut müsse nicht teuer sein, habe aber seinen Preis, betonte Hartmann.
Aktuelle Informationen zur Umsetzung der neuen Düngeverordnung lieferte Andreas Puchner von der Abteilung Agrarpolitik und Umwelt im BBV-Generalsekretariat in München. Durch den „massiven Einsatz“ des Bauernverbandes über viele Jahre hinweg konnten Auflagen eingedämmt bzw. abgemildert werden, „die massiv, praxisfremd und zum Teil völlig überzogen waren“. So etwa bei  den Sperrfristen für Festmist oder der Einarbeitungspflicht,  den Lagerkapazitäten bei Gülle/Jauche und den Dünge-Auflagen an Gewässern, die an einen Hang grenzen. Vor allem in sensiblen Gebieten wie an Wasserläufen sei mit höchster Sorgfalt zu arbeiten. Es sei „in unserem Interesse“, die Vorgaben einzuhalten. Denn Fehlverhalten einzelner falle auf die gesamte Bauernschaft zurück, erklärte Puchner. Viele Details würden auch derzeit noch in Gesprächen mit den zuständigen Ministerien geklärt. Von diesem Regelwerk sei übrigens jeder Landwirt betroffen, ganz gleich ob er biologisch oder konventionell arbeitet.

 

Versicherungsschutz im Blick haben

Mit der Tierhalterhaftpflichtversicherung beschäftigte sich Martin Engelmayr von der BBV-Service. Dabei ging es beispielsweise auch um die  Haftpflicht für Tierhüter oder auch um Flurschäden auf landwirtschaftlichen Flächen, die in der Flurschadenklausel abgedeckt seien. Kutschfahrten etwa werden normalerweise nur versichert, sofern es sich um private und unentgeltliche Fahrten handelt. Und die Tätigkeit als Reitlehrer sei nicht unbedingt vom Versicherungsschutz einer
Privathaftpflichtversicherung erfasst. Grundsätzlich  sollte der Landwirt laut Engelmayr auf ausreichenden Versicherungsschutz achten, dazu gehört natürlich auch eine Brandversicherung des Gebäudes. Rechtlich sei der Landwirt übrigens im Selbstversorgerstall Tierhalter, auch wenn er nicht der Pferdebesitzer ist. Er trage die Verantwortung für die Pferde, solange die Besitzer abwesend sind. Also nicht nur im Urlaub, sondern jeden Tag und auch nachts.

Der Weg zu einer guten Entscheidung

Der Einstieg in die Pensionspferdehaltung sei nur dann sinnvoll, wenn die nötigen rechtlichen, fachlichen, baulichen und ökonomischen Vo-raussetzungen gegeben sind oder geschaffen werden können, so Renate Höchtl vom BBV-Arbeitskreis Pensionspferdehalter. Die Entscheidung darüber bedürfe einer gründlichen und ehrlichen Analyse. Kosten und Risiken dürften dabei nicht unterschätzt werden. Die Pferdehaltung rechne sich ihren Worten zufolge nur langfristig und müsse daher auf solider Grundlage getroffen werden. Denn in der Regel reiche ein Offenstall allein nicht aus. Nötig seien auch Futterlager für Zusatzfuttermittel, ein Heu- bzw. Strohzwischenlager, Sattelkammer, überdachte Flächen für Pflegeplätze mit Anbindevorrichtungen und befestigte Flächen als Auslauf. Nicht zu vergessen Parkplätze und eine sanitäre Anlage.
Als Ansprechpartner für alle Aspekte der Pensionspferdehaltung steht der 2003 gegründete Arbeitskreis Pen-
sionspferdehalter im Bayerischen Bauernverband zur Verfügung. Bei den regelmäßigen Treffen im Winterhalbjahr geht es u. a. um Tiergesundheit, Kundenmanagement, Pferdehaltung, Fütterung und betriebswirtschaftliche Fragestellungen.

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