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Insektenschutz - nicht nur Bauern sind gefordert

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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von am
16.04.2018

Die Bezirksvorstandschaft des BBV Niederbayern hat in ihrer Sitzung in Straubing die Themen Bienen- und Insektenschutz sowie Biodiversität in den Mittelpunkt gestellt.

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Gemeinsamer Einsatz für Bienen- und Insektenschutz: (v. l.) BBV-Bezirkspräsident Gerhard Stadler, stellv. Kreisobmann Georg Rodler, stellv. Kreisobmann Josef Hopper (Lks. Passau), Hans Laumer, Wildlebensraumberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Straubing, Bezirksbäuerin Irene Waas, BBV-Direktor Peter Huber, Albert Maier, Kreisvorsitzender der Imker im Kreis Landshut, Otto Kötterl, Bezirksvorsitzender der niederbayerischen Imker und stellv. Bezirkspräsident Alois Bauer. © BBV Niederbayern

„Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Niederbayern befindet sich in einem Umweltprogramm oder wird als ökologische Vorrangfläche bewirtschaftet“, darauf wies Bezirkspräsident Gerhard Stadler auf der Sitzung in der Straubinger BBV-Geschäftsstelle hin. Stadler machte auch deutlich: „Auch die Waldflächen nehmen zu und für jeden größeren baulichen Eingriff werden umfangreiche naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt.“ Umso unverständlicher sei es, dass von Kritikern die Produktion von Nahrungsmitteln im Hinblick auf den Insektenschutz immer wieder in Frage gestellt werde. Für die BBV-Bezirksvorstandschaft war diese derzeit in der Öffentlichkeit geführte Diskussion der Anlass, den niederbayerischen Wildlebensraumberater Hans Laumer und Otto Kötterl als Bezirksvorsitzenden der niederbayerischen Imker zu einem gemeinsamen Austausch über diese Themen einzuladen.

Beratung mit Blick auf Wildlebensräume

Hans Laumer berichtete dabei über sein durchaus vielfältiges Beratungsangebot zur Schaffung von Wildlebensräumen in der Flur. Bauern, Jäger und Kommunen im gesamten Regierungsbezirk Niederbayern können seine Dienstleistung über das Fachzentrum Agrarökologie im Landwirtschaftsamt Straubing in Anspruch nehmen. Der Experte verwies auf bereits erreichte Erfolge: „Der Anbau von Zwischenfrüchten ist gerade in Niederbayern inzwischen sehr weit verbreitet“, hielt er fest. Dies diene nicht nur dem Erosionsschutz: „Derartige Flächen bieten auch einen hervorragenden Lebensraum für Insekten und Wildtiere. Durch den üppigen Bewuchs im Herbst und Winter und die vielfältigen Ansaaten können diese Felder gerade auch über den Winter als wichtige Deckungs- und Äsungsflächen dienen“, erklärte er.

Unterschiedliche Ansaaten nutzen

Der Wildlebensraumberater zeigte auf, wie diese Flächen durch unterschiedliche Ansaaten gerade für das Wild noch interessanter gestaltet werden können und nannte viele Beispiele, in denen ökologische Vorrangflächen als Blütenflächen an Feld- und Waldrändern angelegt wurden. Diese könnten gleichzeitig als Schussschneisen für die Wildschweinbejagung genutzt werden, „was gerade heuer bei der drohenden Afrikanischen Schweinepest von besonderer Bedeutung sein kann“, fügte er hinzu. Aber auch für Niederwild und verschiedene Vogelarten seien diese Randstreifen von Bedeutung, insbesondere wenn der angrenzende Maisacker Schutz vor herannahenden Raubvögeln bieten kann. Laumer empfahl, auf diesen Flächen Saatgutmischungen einzusetzen, die auch für die Bienen und Insekten als Nahrungsquelle dienen können.

„Bei der Pflege dieser Flächen sollte auch an die Bienen gedacht werden“, ergänzte Imker-Sprecher Otto Kötterl. Gerade beim Mulchen dieser Flächen könnten sonst größere Bienen- und Insektenverluste auftreten. Während der Blüte sollte deshalb beispielsweise tagsüber bei schönem Wetter möglichst auf diese Maßnahme verzichtet werden. „Auch viele Kommunen sollten hier bei der Pflege von Straßenrändern und Grünflächen stärker Rücksicht nehmen“, betonte Kötterl.

Im Rahmen der Tagung wurde auch deutlich, dass beim Bienenschutz nicht nur die Landwirtschaft gefordert sei. Otto Kötterl berichtete von wissenschaftlichen Untersuchungen. Demnach wurde bei den Bienen als häufige Ursache für Ausfälle neben dem Befall mit Varroamilben auch Fipronil festgestellt, ein Wirkstoff, der bei der Bekämpfung von Ameisen in Hausgärten eingesetzt wird – auch Privatgartenbesitzer seien also gefordert, sich beim Bienenschutz einzubringen.

Alle Diskusionsteilnehmer waren sich in Straubing einig, dass schon durch sehr einfache Maßnahmen die Wildlebensräume und der Insektenschutz weiter verbessert werden können. „In der Landwirtschaft besteht große Bereitschaft, sich aktiv einzubringen“, stellte Bezirkspräsident Stadler klar. Wichtig sei dabei der Austausch und das gegenseitige Verständnis. „Bei allen Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensräumen sind aber nicht nur die Landwirte, sondern insbesondere auch Kommunen und Kleingartenbesitzer gefordert“, machte auch Gerhard Stadler deutlich. Der Bezirkspräsident wies in diesem Zusammenhang ebenfalls auf das Projekt „Blühender Rahmen“ des Bayerischen Bauernverbandes hin. Durch die gezielte Ansaat von Blühmischungen entlang von Feldrändern soll hier bayernweit ein besonderer Blumenstrauß zum hundertjährigen Bestehen des Freistaates geschaffen werden.
Gerd Kreibich
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