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Waldpflege

Die „Käferbombe“ jetzt entschärfen!

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Jürgen Leykamm
am
27.05.2019

Von Stürmen gefällte und von Schädlingen befallene Bäume müssen raus.

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Greding/Lks. Roth Die Temperaturen klettern nach oben – für die Borkenkäfer ein Signal, jetzt auszuschwärmen. Deswegen drängt die Zeit: Befallene Bäume sollten baldmöglichst den Wald verlassen. Noch wichtiger ist es, die von den Märzstürmen gefällten Fichten heraus zutransportieren. So der deutliche Appell im Rahmen eines Pressegesprächs am Gredinger Pfaffenberg.
„Es gibt dringenden Handlungsbedarf!“, betonen dort Werner Wolf, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth, sowie Forstabteilungsleiter Steffen Taeger und der zuständige Revierförster Josef Adam.
Kopfzerbrechen bereitet die Situation auch Matthias Netter, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Heideck-Schwabach. Mit gemischten Gefühlen denkt er dabei an das vergangene Jahr. Nach einem für den Schädling günstigen Winter habe man im Frühjahr befürchtet, „dass die Käferbombe platzt“. Was aber – zunächst – nicht eingetroffen sei.
Doch man freute sich zu früh. Die ununterbrochen warme und trockene Witterung ließ die Tierchen nicht wie gewohnt im Vier- bis Sechswochentakt ausschwärmen, sondern ununterbrochen. „Das war eine einzige Schwärmerei“, so Netter. Am Ende galt es allein im FBG-Gebiet 12 000 fm Schadholz aufzuarbeiten.
Bei entsprechendem Wetter droht heuer ein ähnliches Ausmaß. Denn die Käfer sitzen startklar unter der Rinde, wo sie überwintert haben. Auch die sorgsamen Bestandskontrollen der Waldbesitzer im vergangenen Herbst hätten daran nichts ändern können.

Population weiterhin
auf Höchstniveau

Es gebe weiterhin „eine Population auf Höchstniveau“, sagt der FBG-Geschäftsführer. Der sonnig-trockene Start in den Frühling sei für die Situation „denkbar ungünstig“, ergänzt Taeger. Und es gibt sogar noch ein Problem mehr: Die Märzstürme haben etliche Fichten dahingerafft, die sich so in ein echtes Schlaraffenland für den Käfer verwandelt haben. Diese frischen Würfe „gilt es schleunigst aufzuarbeiten!“, mahnt der Abteilungsleiter an. Mindestens 500 m vom Waldrand entfernt müssen sie gelagert werden.
Den Buchdrucker erkenne man vor allem am braunen Bohrmehl oder grünen Nadeln am Fuße des Stamms. In den erst braunen und dann roten Kronen tummele sich der Kupferstecher „und macht die Feinarbeit“, erklärt Taeger den Unterschied der beiden Arten. Zu ihnen habe sich heuer auch noch der „nordische Borkenkäfer“ gesellt. Klettern die Temperaturen über 16 °C, steigt die Bereitschaft auszuschwärmen, erklärt Adam.
Eine chemische Bekämpfung sei ausgeschlossen, sie könne bestenfalls im äußersten Notfall bei den außerhalb des Waldes gelagerten, liegenden Stämmen vollzogen werden. Etwa dann, wenn es an Lagerplätzen zu mangeln beginnt. Doch dann lassen sich auch immer noch Ausweichplätze etwa in Industriegebieten heranziehen.
Alternativ könne der Baum auch entrindet werden, was allerdings nur im Frühstadium des Befalls sinnvoll sei, da so die Larven ausgetrocknet würden. „Jetzt müssen die Bäume raus“, fordert Taeger die Waldbesitzer auf, die dazu gesetzlich verflichtet sind. Auch die Waldnachbarn gelte es zu informieren, falls in dessen Bereich der Käfer aktiv werde. Wer nicht handelt, riskiert großen Schaden: Denn eine Fichte, deren Befall übersehen wurde, kann innerhalb von vier bis sechs Wochen (so lange braucht die junge Generation zum Schlüpfen) zehn weitere Bäume „anstecken“.
Rückschlüsse auf das Schwärmverhalten erhofft man sich seitens des AELF durch ein neues Monitoring, das in diesem Monat gestartet ist. Auch die natürlichen Gegenspieler des Käfers wie Specht, Kleiber oder Schlupfwespe können nicht so viel fressen wie nötig wäre. „Ein einziger Baum kann etwa 100 000 Käfer beherbergen“, so Wolf. Es sei ein „trauriger Anblick“, den die befallenen Fichten auf dem Pfaffenberg böten. Diese Baumart werde sich hier wohl verabschieden, vor allem aufgrund der Klimaveränderung.
Ersetzt wird sie durch Naturverjüngung, wie sie hier einen seltenen Glücksfall darstellt. Das Gebiet „verwandelt sich in ein Buchenmeer“, sagt Adam. Bis es soweit ist, dauert es aber noch.

Preisabschläge am Holzmarkt drohen

Am Holzmarkt drohen Preisabschläge um die 50 %. Auf das Einschlagen von Frischholz sollte man deswegen gleich ganz verzichten, rät Netter. Bei Greding, Thalmässing, Heideck und auch Spalt stehen Wälder, die aufgrund hohen Fichtenanteils am meisten gefährdet sind.
Mit anderen Schädlingen, aber ebenso mit der Klimaänderung, hat die Kiefer zu kämpfen. Beide Baumarten werden hier wohl keine Zukunft haben, ist man sich einig. Die Käferschäden „tun jedem Waldbesitzer im Herzen weh“, klagt Wolf. Wenn geerbte Bestände mitsamt 100-jährigen Prachtexemplaren einfach weggefressen werden, „kommt das einer Vernichtung eines Werks ganzer Generationen gleich“, sagt Adam.
Jürgen Leykamm
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