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Pferdehaltung

Kaltblut - sanfte Riesen mit enormer Kraft

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Maria Horn
am
18.06.2018

Das Kaltblutfest in Holzhausen bot von der Ungarischen Post bis hin zum pferdegezogenen Miststreuer ein vielseitiges Programm.

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Es gehört seit über 20 Jahren zur Tradition, dass am letzten Sonntag der Holzhauser Bierzeltwoche (Teisendorf/Berchtesgadener Land) ein Kaltblutfest veranstaltet wird. Die Kaltblutpferdezuchtvereinigung Berchtesgadener Land hatte auch heuer ein interessantes und vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. So sahen die vielen Zuschauer am Rande des Parcours nicht nur verschiedene Anspannungsarten. Sie erfuhren auch, welch wertvolle Dienste die Kaltblutpferde früher bei der bäuerlichen Arbeit geleistet haben und welchen Stellenwert diese gutmütigen Riesen auch heute noch genießen. Wenn sie auch kaum mehr zur Arbeit eingespannt werden, stehen Kaltblüter als Freizeitpferde heute doch wieder hoch im Kurs. Werner Zeiniger moderierte den Nachmittag und gab den Zuhörern viele Hintergrundinformationen zu Anspannungsarten, zu den Tieren und zu den gezeigten Gerätschaften.

Früher vor allem als Arbeitspferd im Einsatz

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Ein erster Blickfang waren zwei Stuten mit ihren Fohlen – eine Dunkel- und eine Fuchsstute samt Nachwuchs. „Die Züchter im Berchtesgadener Land haben in den letzten Jahren viel Glück mit dem Nachwuchs gehabt und die Tiere haben ein hohes Niveau“, erklärte Zeiniger. Die Vier im Parcours waren der beste Beweis dafür.

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Spektakulär ging es dann weiter mit dem Auftritt von Andreas Zollhauser bei der „Ungarischen Post“. Der junge Pferdefreund hatte eine Stute und einen Hengst zusammengespannt und drehte dann stehend auf dem Rücken der Tiere seine Runden, begleitet von einem grandiosen Abschlussapplaus. Tiefenentspannung war bei den nächsten beiden Kaltblütern gefragt und spätestens da zeigte sich das gute Gemüt der Tiere. Der 14-jährige Niklas Dumberger hatte auf dem Sitz einer Mähmaschine Platz genommen und lenkte, begleitet von seinem Vater Schorsch, dieses Gefährt. Das Rattern der Mähmesser war weithin zu hören, doch die gut geschulten Tiere nahmen diese Geräuschkulisse mit großer Gelassenheit. Als weitere landwirtschaftliche Geräte, die heute eher im Schuppen Platz finden und meist nur noch zu Vorführzwecken herausgeholt werden, gab es einen Kartoffelroder, eine Sternwalze und einen „Stroafbock“ zu sehen.

Dass die Kaltblüter aber nicht nur in der Landwirtschaft ihren Platz gefunden haben, zeigte sich beim Auftritt von Albert Berger mit dem Doktorwagerl. „So ist der Landarzt früher hinaus zur Bäuerin gefahren“, meinte Zeiniger mit einem humorigen Unterton. Die eher nobel angehauchte Variante der Anspannung war eine schöne Bereicherung in dem sehr vielseitigen und unterhaltsamen Programm. Wie die Säumer früher die schweren Salzsteine und weitere Waren transportiert haben, wurde dem Publikum im weiteren Verlauf vermittelt.

Erstmals Miststreuer und ein Wettbewerb

Dann gab es eine Premiere: Erstmals in Holzhausen wurde ein pferdegezogener Miststreuer vorgeführt. Martin Breinbauer aus Petting hat dieses Gefährt aus den USA importiert. Die Funktionalität dieser Gerätschaft wurde dann auch gleich unter Beweis gestellt. Freilich ohne „echten“ Mist sondern mit einer „Trockenware“, die verstreut wurde.
Ein Blickfang im Programm war auch das „Touristenwagerl“ mit originalen Reisegepäckstücken aus früherer Zeit von Hans Grassl. „So wurden früher die Sommerfrischler mit ihrem Gepäck zu ihrem Urlaubsdomizil befördert“, erzählte Zeininger.Eine weitere Seite im bäuerlichen Geschichtsbuch wurde mit dem „Milliwagerl“ aufgeschlagen, als die Milch noch in Kannen zur Sammelstelle gefahren werden musste.
Langjährige Gäste beim Holzhauser Kaltblutfest sind die beiden Fuhrleute Sepp Hinterreiter und Sepp Weidenspointner mit ihrem Brauereigespann. Zeiniger übermittelte den Dank an die treuen Wegbegleiter, denn sie sorgten immer wieder für einen „Hingucker“.

Wie vielseitig die Kaltblüter einsetzbar sind, das zeigte sich in weiteren Fahrvorführungen und in einer gegenläufigen Dressuraufgabe. Erstmals wurde beim Kaltblutfest auch ein kleiner Wettbewerb durchgeführt: Reiten, Fahren, Laufen lautete die Aufgabe. Sechs Teams stellten sich der Herausforderung. Vom ersten Teilnehmer musste ein Parcours durchritten werden, der zweite hatte den Parcours mit der Kutsche zu durchfahren und der Dritte war dann im Laufschritt unterwegs. Der Siegpreis ging in den Berchtesgadener Talkessel.

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