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Öffentliche Bauvorhaben

Kein Vorteil für Feldkirchen

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Ludwig Holly
am
28.08.2018

Ausbau des Autobahnkreuzes München-Ost bringt landwirtschaftlichen Betrieb in existenzielle Not: Bauern und Bürger setzen sich zur Wehr.

Sie kennen den Preis von allem und den Wert von nichts“, stand im Jahr 1974 auf der Titelseite eines Umweltmagazins zusammen mit einem Bild von der Großbaustelle des Autobahnkreuzes München-Ost. Zahlreiche Felder des damals arrondierten landwirtschaftlichen Betriebes Hölzlhof wurden durchschnitten und der Gutshof komplett von Autobahnen und Kreisstraßen eingeschlossen.

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Und jetzt nach über 50 Jahren werden im Bereich dieses Autobahnkreuzes wieder große landwirtschaftliche Flächen beansprucht. Das Kreuz soll erneut umgebaut werden und der Verkehr sogar auf insgesamt drei Ebenen über so genannte „overflies“ geführt werden.

Besonders schlimm werde sich die Realisierung dieser Pläne erneut auf den Hölzlhof auswirken. Wieder wird der Betrieb dann wertvolle Ackerflächen verlieren. Hinzu kommt, dass eine neue Fahrbahn unmittelbar an der Reitanlage Hölzlhof vorbeiführen soll.

Das will sich Alexander Holly, der mit seiner Frau Monika, diesen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet, nicht gefallen lassen: Und so organisierte er eine Informationsveranstaltung, zu der über 150 Bürgerinnen und Bürger kamen, die sich auch gegen den ständig zunehmenden Verkehr, gegen die Lärm- und Abgasbelastung und gegen weitere und unnötige Umweltzerstörungen zur Wehr setzen wollen.

Auch politische Mandatsträger und Verbandsvertreter unterstützten die Aktion. Unter ihnen waren von den Freien Wählern ihr Parteivorsitzender MdL Hubert Aiwanger und MdL Nikolaus Kraus aus Ismaning, der 1. Bürgermeister von Vaterstetten Georg Reitsberger, der 2. Bürgermeister von Feldkirchen Andreas Janson und vom Kreisverband des BBV Kreisbäuerin Sonja Dirl, Kreisobmann Anton Stürzer und sein Stellvertreter Martin Stadler.

„Wir wollen Sie ausführlich über die geplanten Straßenbaumaßnahmen informieren und die Folgen für die Menschen, für die Natur und für die Umwelt aufzeigen“, sagte Holly.

Aus seinen Ausführungen wurde deutlich, dass die geplanten Baumaßnahmen gewaltige Auswirkungen auf den östlichen Bereich von Feldkirchen hätten. Es sind der enorme Flächenverbrauch, die Durchschneidung von landwirtschaftlichen Flächen und eine weitere starke Zunahme an Lärm und Abgasen durch die höher liegenden Fahrbahnen, denen die Ortschaften Feldkirchen und Weißenfeld ausgesetzt sein werden. „Einen Vorteil für Feldkirchen hat diese Planung nicht, im Gegenteil es ergeben sich düstere Aussichten für die Menschen und die Natur“, davon ist Holly überzeugt.

Besonders gravierend seien die Auswirkungen auf den landwirtschaftlichen Betrieb Hölzlhof mit seinen beiden, nahe beieinander liegenden Hofstellen, denn die bisherige Verbindungsstraße (Kreisstraße EBE 4) soll komplett aufgelassen werden. Diese wären dann nicht mehr auf direktem Weg erreichbar, sondern nur über einen großen Umweg über eine neu geplante Umgehungsstraße mitten durch die Feldfluren. Durch diese würde das Ausreitgelände der Pferdepensionsanlage vollständig zerschnitten und in eine Art „Insellage“ versetzt werden. „Die Existenzgrundlage unserer Familie würde zerstört“, so Landwirt Holly.

Wir wollen nicht verkaufen

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„Wir wollen unsere Strukturen und Flächen erhalten. Als Bauernverband kämpfen wir gegen den hohen Flächenverbrauch“, sagte Kreisobmann Anton Stürzer aus Höhenkirchen, dessen Feld- und Waldflächen vor einigen Jahren auch durch den Bau einer Umgehungsstraße durchschnitten wurden. „Wir wollen die Betriebe erhalten und an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Wir wollen nicht verkaufen wie andere“, so Stürzer.

Andreas Janson, 2. Bürgermeister von Feldkirchen, dankte für die Organisation dieser Veranstaltung, „weil gegen das Vorhaben etwas getan werden muss“. Der ständig steigende Verkehr durch und rund um Feldkirchen kann so nicht hingenommen werden. „Wir brauchen auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen und mehr Lärmschutz“, so Janson. Dieser sollte aber nicht nur berechnet, sondern durch Messungen nachgewiesen werden.

Eine klare Absage an das geplante Bauvorhaben erteilte auch MdL Hubert Aiwanger: Es wäre auch endlich an der Zeit, den Zuzug in die Metropolregion zu bremsen und in strukturschwächere Regionen zu investieren. „Ich lehne das Projekt ab, denn es hat deutlich mehr Nachteile als Vorteile.“
Auch die Verbindungsstraße der beiden Hofstellen des Hölzlhofs, die Kreisstraße EBE 4, dürfe nicht geschlossen werden. Der mit dem Bau der Ersatzstraße, einer weitläufigen Umgehungsstraße durch freie Ackerfluren verbundene große Flächenverbrauch, sei ganz einfach verantwortungslos.
Völlig inakzeptabel sei auch, dass die Planungen durchgeführt wurden, ohne vorher mit den Betroffenen und den Grundstückseigentümern gesprochen zu haben. Hierzu teilte Professor Dr. Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum, mit, dass in allen Veröffentlichungen und Merkblättern von Ministerien beim Bau von Großinfrastruktur-Maßnahmen eine frühzeitige Bürgerbeteiligung durch die Planungsträger gefordert sei.

Ringschluss notwendig

Eine immer wiederkehrende Forderung der Versammlung war der Bau des Südabschnitts der A 99, um diese zu schließen und den Namen „Autobahnring“ endlich verdient zu tragen. „Ohne den Ringschluss ist eine wirkliche Verkehrsentlastung nicht möglich“, sagte Dr. Richard Fauth vom Gut Ammerthal in der Gemeinde Vaterstetten. Er ist ebenfalls stark von der geplanten Baumaßnahme betroffen. Fauth wies auch darauf hin, dass es Überlegungen für den Bau des Südrings gebe: „Dass diese nicht realisiert werden, liegt am Widerstand von Wenigen. Es kann aber nicht sein, dass sie dem Osten den ganzen Verkehr auflasten.“ Seit Sommer 2010 gibt es eine Machbarkeitsstudie „Autobahnring Südabschnitt“, die besagt, dass der Lückenschluss des Autobahnrings „verkehrlich und verkehrswirtschaftlich sinnvoll und bei Berücksichtigung der Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung von Eingriffen grundsätzlich realisierbar“ sei.

Alexander Holly zeigte eine Lösungsmöglichkeit auf, die flächensparender und umweltschonender sei als die Schließung der Kreisstraße EBE 4 und der damit verbundene Bau einer neuen Umgehungsstraße. Dass diese bisher nicht verfolgt wurden, liege ohne Zweifel daran, dass es billiger ist auf landwirtschaftlichen Grundstücken zu bauen. „Sie kennen den Preis von allem und den Wert von nichts“, daran hat sich auch nach 50 Jahren nichts geändert.

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