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Stallbau

Kleine Ställe, große Nachfrage

AELF Traunstein
am
09.01.2017

Inzell - Großer Andrang herrschte bei den Stallbauseminaren, die vom AELF Traunstein in Inzell (Lks. Traunstein) und Fischbach (Lks. Bad Tölz-Wolfratshausen) veranstaltet wurden. Die Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung für kleinere Milchviehbetriebe war bei den jeweils ganztägigen Seminaren das Thema.

Stallbauseminar

Im Theorieteil gingen die Spezialisten des Fachzentrums Rinderhaltung auf wichtige Bereiche ein, die bei einer geplanten Umstellung berücksichtigt werden sollen. Josef Schmalzbauer vom Fachzentrum Rinderhaltung begrüßte die Teilnehmer und führte durch das Programm. Die Baubetreuungsgesellschaften BBA und bbv-ls stellten die zukünftige Investitionsförderung vor. Besonders kleine Milchviehhalter mit bis zu 25 Kühen werden ab 2017 mit einem Sonderprogramm bei ihrer Baumaßnahme unterstützt.
Diplomingenieur Thomas Winkler stellte fachlich fundiert die Wirtschaftlichkeit der Stallbaumaßnahme dar. Vor der Bauplanung sollte besonders die Betriebswirtschaft des Hofes gut durchleuchtet werden. Hierbei sei besonders darauf zu achten, das Vorhaben realistisch zu kalkulieren. Mit genügend „Risikopuffer“ sollte ein Betrieb nach der Investition auch bei schwierigen Situationen liquide bleiben. Ein Stallbau dürfe nicht die Substanz des Betriebes gefährden. Winkler sensibilisierte die Teilnehmer, dass ein sinkender Milchpreis, eine angespannte Arbeitskräfte-Situation aufgrund eines Krankheits- oder Todesfalls sowie die „gefährliche Verlockung“ durch die derzeit niedrigen Kreditzinsen einkalkuliert werden müssen.
Anhand verschiedener Berechnungsvarianten erklärte der Experte den Landwirten, welche Faktoren für einen Erfolg in der Milchviehhaltung maßgeblich sind. Gute Produktionstechnik, kostengünstige Bauausführung und ein guter Milchpreis seien die drei entscheidenden Faktoren, die für eine rentable Investition in die Milchviehhaltung ausschlaggebend sind.
Bei einem Brutto-Milchpreis von 33 ct ist kein Neubau rentabel, so Winkler. Mit der Nutzung gut erhaltener Altgebäude kann der umbaute Raum bei einem Neubau bzw. Anbau auf das notwendige Maß begrenzt werden. Bei zu hohem Risiko empfahl der Fachmann, mit dem Stallbau abzuwarten bzw. nicht zu bauen. Eine wirtschaftliche Fehlinvestition belaste nicht nur die Finanzen, sondern oft auch die Psyche und die Familie.
Agraringenieur Matthias Anzinger wies in seinem Vortrag auf die Vorgaben des Baugesetzes und der Bauleitplanung hin. Abstände zur vorhandenen Wohnbebauung müssen eingehalten werden. Besonders aufmerksam sollten bauwillige Landwirte sein, in deren Nähe eine Ausweisung von Baugebieten geplant ist: Heranrückende Wohnbebauung müsse ebenso zur Landwirtschaft einen ausreichenden Abstand einhalten. Anzinger empfahl, den Standort bei einer geplanten Baumaßnahme vor der eigentlichen Planung durch das AELF prüfen zu lassen.
Stefan Bauer, Architekt am AELF Traunstein, erläuterte den von ihm entwickelten Modulstall. Eine Arbeitsgruppe wurde gegründet, bei der die Planung des Modulstalles unter fachlicher Leitung durchgeführt werden kann.
Nachmittags fuhr die Seminargruppe zu drei kleinen Milchviehbetrieben. Hierbei wurden eine Umbau- bzw. Anbau- und eine Neubauvariante besichtigt. Die Ställe haben Platz für 12 bis 25 Kühe. Günstige An- und Umbauvarianten wurden von den Bauexperten des Landwirtschaftsamtes erläutert sowie vor Ort viele Fragen zur Bauweise geklärt. Die verschiedenen Stallbaulösungen wurden mit viel Eigenleistung umgesetzt und nach Möglichkeit der Melkstand in das bestehende Altgebäude integriert. Somit konnten die Stallbaukosten deutlich reduziert werden. Die Landwirte sahen gelungene Lösungen, um den Tieren eine artgerechte Haltungsform bieten zu können und für sich selbst einen angenehmeren Arbeitsplatz zu schaffen.
Der Stallbautag „Kleine Laufställe“ und das „Große Stallbauseminar“ wird aufgrund der starken Nachfrage im Februar/März wiederholt. Infos und Termine gibt es bei Thomas Winkler, Tel. 0861-7098-110.

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