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Direktvermarktung

Die Kunden mit Genuss locken

Elisabeth Jahrstorfer
am
06.03.2017

Oberrreith - Beim oberbayerischen Direktvermarktertag erfuhren die Teilnehmer Neues zu Gewürzen und Gemüsesorten.

Direktvermarktung

Zum zehnten Mal hatte das Beraternetzwerk Oberbayern den Direktvermarktertag organisiert. In diesem Jahr fand er im Wildfreizeitpark Oberreith (Lks. Mühldorf) statt, der im Gebiet des AELF Töging liegt. Behördenleiter Josef Kobler betonte, dass das Regionale im Trend liege, aber kein Selbstläufer sei. In den Landkreisen Altötting und Mühldorf gebe es 120 Direktvermarkter und zehn Hofläden. Um die regionalen Produkte der Region bekannter zu machen, seien vor zwei Jahren Geschenkkörbe mit regionalen Produkten entwickelt worden.
Dass Riechen und Schmecken zweierlei sind und jeder Mensch unterschiedlich empfindlich ist, durften die Teilnehmer an sich selbst erfahren. Professor Bernhard Tauscher von der ARGE Geschmacksforschung führte mit ihnen verschiedene Geschmacks- und Geruchstests durch und wertete das Ergebnis aus. Er belegte, wie Farbe des Lebensmittels und Erwartungshaltung das Geschmackserlebnis beeinflussen können. Mit der Zunge schmeckt man süß, salzig, bitter, sauer und mit Rezeptoren für Natriumglutamat umami. Vor kurzem seien Fettrezeptoren entdeckt worden.
Alle anderen Aromen rieche man, wenn die Aromastoffe flüchtig werden und über den Rachen in die Nase gelangen. Zum Schmecken trägt der Geschmackssinn 20 % bei, der Geruchssinn 80 %. Der Mensch könne 10 000 Gerüche unterscheiden, die wiederum aus Einzelkomponenten bestehen. Das zeige, welch große Rolle der Geruchssinn in der Evolution gehabt habe. Mit dem Alter lasse die Empfindlichkeit der Sinne nach. Schärfe ist eine Schmerzempfindung.  Tauscher zeigte auch, dass das, was am besten riecht, nicht am besten schmecken muss. Die Quintessenz: Über Geschmack lässt sich streiten. Das solle man immer auch im Kundenkontakt im Hinterkopf haben, so Tauschers Rat.
Seit 2013 führt das Cluster Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kulmbach eine Qualifizierung zum Gewürzsommelier für Köche und andere Berufe der Ernährungswirtschaft durch. Wie man dieses Wissen praktisch umsetzt, darüber informierte Markus Pinapfel, langjähriger Küchenchef und nun Fachlehrer im Bereich Küche. Er zeigte, wie man heimische Öle mit Gewürzen aufpeppt und beispielsweise dekorativ in schönen Flaschen auf Tischen einsetzen kann. Die Gewürzöle ließen sich auch gut verkaufen.

Frisches Pesto lässt sich gut vermarkten

Ebenso könne man mit Gewürzen oder Kräutern Kräutersalze herstellen. Viele Kräuter könne man zu Pesto verarbeiten. Verwendet werden können neben Basilikum, Rucola, Feldsalat, Petersilie auch einfach Salat, die statt der Pininenkerne  mit verschiedenen Nüssen wie Haselnüsse oder auch mit Sonnenblumenkernen kombiniert werden können. Ein frisches Pesto schmecke immer besser als gekauftes und lasse sich auch gut vermarkten. Pinapfel erklärte, wie man aus Gemüseabschnitt („alles, was übrig ist“) mit Meersalz kombiniert eine Gemüsebrühe selbst herstellen kann. Und natürlich kann man mit Kräutern noch viel mehr machen – unter anderem eine Sauerampfersuppe, Pinapfels absolute Lieblingssuppe.
Die Steckrübe, in Bayern auch Dotsche genannt, ist ein anspruchsloses Wintergemüse, das weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Gerade ältere Menschen verbinden damit schlechte Zeiten. Denn die Rübe war für viele eine Zeitlang die einzige zur Verfügung stehende Nahrung, aus der nicht nur Eintopf, sondern auch Kaffee und Brot hergestellt wurde. Hauswirtschaftsmeisterin Barbara Wollmannsperger vom Samerberg hat dem Kohlgewächs ihre Meisterarbeit gewidmet und warb bei den Direktvermarktern dafür, sich für das vielseitig verwendbare Gemüse zu interessieren und es anzubauen. Zusammen mit Rezepten, die die junge Bäuerin entwickelt hat, lässt es sich sicher vermarkten.
Anna Wimmer vom Landwirtschaftsamt Töging machte darauf aufmerksam, dass das KErn eine neue Wanderausstellung „Genussvoll mitten im Leben“ konzipiert hat. Darin geht es um Informationen zu Öl, Vollkornbrot, Kräuter- und Gewürzen, Milch, Gemüse und Obst, Trinken und Bewegung. Die Materialien zur Ausstellung können Interessierte am zuständigen AELF ausleihen, z. B. wenn sie ein Hoffest veranstalten. Im Themenjahr wird die Ausstellung von einer Ernährungsfachfrau begeleitet, die die Fragen der Besucher beantwortet.

Stallbau oder Wildfreizeitpark

Abgerundet wurde der Tag mit der Betriebsbesichtigung des Wildfreizeitparks Oberreith. Initiator und Geschäftsführer Thomas Mittermeier stand wie so viele Landwirte vor der Entscheidung, einen noch größeren Kuhstall zu bauen oder etwas anderes zu machen. Weil er immer schon ein Faible für Kleintiere hatte, gründete er mit zwei Schwestern und Nachbarn im Jahr 2000 eine Gesellschaft, um einen Wldfreizeitpark als Ausflugsziel aufzubauen. Anfangs mit kleiner Gastronomie, Spielgeräten und einem Rundgang zum Anschauen von Kleintieren. Das Angebot kam an und wurde ständig erweitert mit Falknervorführungen, einer Sternwarte, einem Waldhochseilgarten und schließlich einem Aussichtsturm mit Flying Fox, mit dem man über das gesamte Gelände schweben kann.
Gäste bleiben
immer länger
Weil die Leute immer länger blieben, wurde die Gaststätte erweitert. Inzwischen hat der Betrieb 110 Mitarbeiter und ist zudem Ziel für Firmenfeste. Als Dank dafür, dass bisher alles so gut gelaufen und nichts passiert ist, haben die Betreiber im Jahr 2015 am Waldrand eine Kapelle errichtet. Der Wildfreizeitpark ist von Mitte März bis Mitte November täglich geöffnet, in den Wintermonaten nur an den Wochenenden. Das Angebot läuft gut, doch Mittermeier verheimlicht nicht, dass immer wieder neue Attraktion nötig sind, um für die Gäste weiter interessant zu bleiben.

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