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Bauland

Landenteignung - SEM-Aus im Nordosten gefordert

SEM Daglfing
Ludwig Holly
am
06.08.2018

Die betroffenen Grundstücksbesitzer hoffen nun, dass auch in ihrem Bereich die SEM aufgegeben und eine Entwicklung im Einvernehmen mit allen Beteiligten durchgeführt wird.

In Feldmoching hat die Landeshauptstadt die „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM)“ aufgrund des großen Widerstandes durch die Bürgerinitiative „Heimatboden“ inzwischen wieder fallen gelassen. Einen Einleitungsbeschluss für eine SEM gibt seit 2011 auch für Daglfing und Johanneskirchen im Nordosten von München. Die betroffenen Grundstücksbesitzer hoffen nun, dass auch in ihrem Bereich die SEM aufgegeben und eine Entwicklung im Einvernehmen mit allen Beteiligten durchgeführt wird.

Doch die Landeshauptstadt hat bisher nicht reagiert und so läuft die SEM hier erst einmal weiter. Vielleicht rechnen die Stadtverantwortlichen damit, dass Landwirte unter dem Druckmittel der SEM mit dem auf niedrigen Niveau eingefrorenen Bodenpreis und einer möglichen Enteignungsandrohung weich werden und ihren Grund verkaufen. Mit dieser ungewissen Zukunft zu leben, ist für die betroffenen Landwirte aber nicht einfach und sie macht natürlich alle betrieblichen Zukunftsplanungen unmöglich.

Die Landwirtschaft ist dann erledigt

Einer von acht praktizierenden Landwirten ist Martin Wiesheu neben dem landwirtschaftlichen Betrieb einen Hofladen bewirtschaftet und mitten im 600 ha großen SEM-Gebiet liegt. „Wenn die SEM wie geplant kommen würde, dann ist die Landwirtschaft im Münchner Nordosten erledigt“, das ist für Wiesheu eine klare Sache. Die Bewirtschaftungs-Schwierigkeiten im bebauten Gebiet wären zu groß und außerdem könnte der Verlust an Eigen- und Pachtflächen nicht ausgeglichen werden.


Auch sein Schwiegersohn Thomas Eberl, der die zum Hof gehörende Biogasanlage betreibt und später den gesamten Betrieb weiterführen wird, versteht das Handeln der Landeshauptstadt nicht: „Die Stadt muss aufhören, ständig neues Gewerbe anzusiedeln, weil dann wieder mehr Wohnraum benötigt wird. Diese Spirale dreht sich zu Lasten der Landwirtschaft ständig weiter nach oben“. Die Landwirte verstehen auch nicht, dass die Stadt in Feldmoching die SEM nicht mehr als das geeignete Planungsinstrument ansieht, sie aber in Daglfing und Johanneskirchen weiter verfolgt.

Aus der Zeitung erfahren

Stark betroffen von dieser Planungsmaßnahme der Stadt München ist auch Johann Oberfranz. Mit ihm wurde vor der Einleitung der SEM überhaupt nicht gesprochen. So war es für ihn ein böses Erwachen, als er eines Morgens in der Zeitung lesen musste, dass sein landwirtschaftlicher Betrieb im SEM-Planungsgebiet liegt. „Wir haben noch die Hoffnung, dass es doch noch anders kommt. Wenn das öffentliche Interesse und der Widerstand so groß werden, dann werden vielleicht doch noch andere Planungen gemacht, damit die Landwirtschaft und die Lebensqualität in unserem Gebiet erhalten bleiben“.

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