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Landesausstellung

Der lange Weg vom Holz zu Glas

Grafenaschau
Roland Lory
am
08.05.2017

Grafenaschau - Im Kreis Garmisch-Partenkirchen ist ein ambitioniertes forsthistorisches Projekt geplant.

Es ist nicht mehr allzu lange hin bis zur Landesausstellung 2018. Ort des Geschehens ist Ettal, das Motto lautet „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“. Dabei wird auch die Historie des nahe gelegenen Örtchens Grafenaschau (Lks. Garmisch-Partenkirchen) beleuchtet. Dort gab es nämlich einst eine große Glashütte, für deren Betrieb viel Holz nötig war.
Doch die Glasherstellung wird nicht nur in Ettal thematisiert. Denn in den nächsten Jahren soll bei Grafenaschau auf einem insgesamt 6 km langen, neuen Wanderweg mit einem Blick durch „12 Fenster in die Vergangenheit“ der „Weg vom Holz zum Glas“ dargestellt werden. Bei diesem forsthistorischen Projekt arbeiten die Gemeinde Schwaigen, zu der Grafenaschau gehört, die Technische Universität München und die Bayerischen Staatsforsten zusammen.

Studenten planen Wanderwege

Die Studenten der Wald- und Umweltpolitik Angela Funk, Konstantin Lenk, Jos Hornung, Jakob Unger und Quirin Neuner fertigten eine Bachelorarbeit an. Von dem erwähnten Wanderweg zweigen gemäß der Planung verschiedene kleinere Rundwege ab, die einzelne Themen-Schwerpunkte haben. „Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos“, betonte Quirin Neuner (Mittenwald) bei der Vorstellung des Projekts in der Grafenaschauer Mehrzweckhalle. Mithilfe von stählernen Fenstern in die Vergangenheit und großen hölzernen Infotafeln soll dem Wanderer vermittelt werden, was es mit Holz, Glas und allem, was damit zusammenhängt, auf sich hat. „Die Zielgruppe sind Tagestouristen, Familien mit Kindern und Schulklassen“, sagte Neuner.
Unter anderem soll es ein Modell einer Bremsbergbahn geben und eine Aussichtsplattform. Auch eine Tafel mit alten Bildern einer Holzriese will man aufstellen. Das war so etwas wie eine Bobbahn, mit der Holz Richtung Tal transportiert werden konnte. Die Tafeln sollen übersichtlich gestaltet werden, die Texte kurz und prägnant. Auch via QR-Codes oder per App will man Wissen vermitteln. Eine Internetseite ist geplant, Überlegungen für einen Sendemasten gibt es auch. Denn der Empfang im Gebirge ist bekanntlich bisweilen mangelhaft.

Glashüttenrundweg geplant

Zunächst soll bis zur Landesausstellung 2018 in Ettal der „Glashütten-Rundweg“ entstehen. Die Genehmigungen seitens der Staatsforsten und der Unteren Naturschutzbehörde für die diversen Projekte liegen vor. Die Finanzierung ist hingegen noch etwas unklar. Kontakte zu möglichen Förderern wurden aufgebaut. Es gibt Stellen, die sich beteiligen würden. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) riet, „möglichst viele Zuschussanträge zu stellen“.
Der Unterammergauer ist begeistert vom Projekt „Glaserklamm“: „Das ist etwas Einmaliges.“ Speer zeigte sich beeindruckt, „was die kleinste Gemeinde des Landkreises auf den Weg bringt“. Das Vorhaben sei eine Bereicherung für die Gemeinde Schwaigen, den Landkreis, die ganze Region und auch für die Landesausstellung. „Der Landkreis steht dahinter“, betonte Speer. Auch Nikolaus Stöger, Leiter des BaySF-Forstbetriebs Oberammergau, zeigte sich angetan: „Meine Erwartungen sind übertroffen worden.“
Einige Arbeiten im Gelände sind schon passiert. Nach Angaben von Bürgermeister Hubert Mangold (parteifrei) gibt es viele Helfer, Gönner und Spender. „Das läuft super. Man kann es sich nicht besser vorstellen“, sagte er dem Wochenblatt. Auch ein Infozentrum ist geplant. Es soll im ersten Stock des Dorfladens untergebracht werden, den die Kommune bauen will. Mangold hofft, das Geschäft im Frühjahr 2018 eröffnen zu können. Die Gemeinde rechnet damit, dass dafür Gelder aus dem EU-Förderprogramm Leader fließen.
Noch einige Informationen zur Glashütte: Gründer war 1731 Johann Georg Tritschler. Das Grafenaschauer Gebiet gehörte damals zum Kloster Ettal, das eine Konzession zum Bau und Betrieb der Anlage erteilte. Die Hütte beschäftigte zeitweise mehr als 100 Personen – und hatte bisweilen einen enormen Ausstoß. Um 1800 kaufte ein Geschäftsmann aus Augsburg zum Beispiel 22 000 Ölfläschlein.
Die Arbeiter produzierten Glastäfelchen für die Hinterglasmaler der Region, Scheiben, Herrgottsfläschlein (offenbar für Weihwasser), Weihbrunnkrüglein, Grabkugeln, Flaschen aller Art und Größe, Öllämpchen, Bier- und Weingläser, Butzenscheiben, Tintengläser und so weiter. Anspruchsvollere Gegenstände, zum Beispiel Leuchter, stellten die Grafenaschauer Spezialisten ebenfalls her. Für den Vertrieb der Produkte waren vor allem Kraxenträger zuständig. Es gab mehrere Hütten-Standorte. Dies lag daran, dass Hochwasser den Betreibern das Leben schwer machte.
Glashütten nutzten Holz gleich in zweifacher Hinsicht. „Einmal in Form seiner Asche, die den Glasschmelzen zugesetzt werden musste, und als Heizmaterial“, hielten Otto Krätz und Claus Priesner einmal in einem Aufsatz fest.
1822 kaufte Anna Hohenleithner die Aschauer Hütte dem Königreich Bayern ab. Die Glasmeisters- und Glashüttenpächterswitwe musste einiges auf den Tisch legen: Der Preis betrug 13 250 Gulden. Zur Orientierung: 1762 war eine jährliche Pachtgebühr von 250 Gulden festgelegt worden. Hohenleithner war eine Schwester des Staatsbeamten, Unternehmers und Politikers Joseph von Utzschneider (1763 bis 1840) aus Rieden am Staffelsee.
Im Jahr 1852 kauften dann die Grafen von Quadt-Isny die Grafenaschauer Glashütte. 1890 war Schluss. Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen machten der traditionsreichen Einrichtung den Garaus.
Die zunehmende Automatisierung und Mechanisierung spielten dabei eine Rolle. Glas wurde zum Massenprodukt.

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