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Gasleitung

Leitungsbau - Schäden, Umstände und Mehrarbeit

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Helga Gebendorfer
am
09.05.2018

Wie Hopfenpflanzer Ludwig Gschlößl den Bau der Erdgasleitung auf seinen Flächen bewältigt.

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Nach 1966 und 1973 wird durch die Flur von Ludwig Gschlößl eine dritte Gasleitung verlegt. Alle verlaufen ziemlich nahe beieinander. Wie schon bei den vorherigen Aktionen heißt es auch dieses Mal, die Situation bestmöglich zu meistern.

Im Moment laufen die Bauarbeiten für die Erdgasleitung, die zwischen Forchheim und Finsing verlegt wird, im südlichen Landkreis Kelheim bis hinein in den nördlichen Landkreis Freising. Der mächtige Strang auf einer Länge von rund 77 km von Oberfranken bis an die Tore der Landeshauptstadt soll die Energieversorgung vor allem der Metropole München zukunftssicher machen. Nach Auskunft der Open Grid Europe GmbH mit Sitz in Essen, die das Projekt quer durch Bayern vorantreibt, soll die Erdgasfernleitung voraussichtlich zum Ende dieses Jahres in Betrieb genommen werden.

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Eine besondere Herausforderung für die Tiefbauingenieure sind die Hopfengärten in der Hallertau. Insgesamt sind von dem Projekt 30 Hopfenpflanzer mit 40 Hopfengärten betroffen, wie der Deutsche Hopfenpflanzerverband Hallertau mitteilt. Um den Besonderheiten gerecht zu werden, wurden in Abstimmung mit dem Verband bestimmte Grundsätze für die Trassierung wie auch der spätere Bauablauf abgestimmt. Die Hopfengärten kamen vorrangig an die Reihe, um die Verlegungsarbeiten möglichst noch vor Beginn der Hopfenarbeiten im Frühjahr abzuschließen. In zwei Fällen mussten die Arbeiten schließlich aus zeitlichen Gründen in den Herbst verlegt werden.

Ein betroffener Hopfenpflanzer ist Ludwig Gschlößl aus Berghausen im Landkreis Kelheim. Der Landwirtschaftsmeister bewirtschaftet mit seiner Familie einen Vollerwerbsbetrieb mit 39 ha LN, davon 24 ha Hopfen mit sieben Sorten, und 15 ha Ackerbau. Hinzu kommen 17 ha Wald. Außerdem baut der Betrieb auf die Schweinemast mit 200 Mastplätzen. Die 22-jährige Tochter Stefanie absolviert derzeit das Bachelor-Studium Fachrichtung Landwirtschaft an der TU München-Weihenstephan.

„Ich bin nicht glücklich über den Trassenbau. Denn er bedeutet für uns Beeinträchtigung, Schäden und mehr Arbeit“, stellt Gschlößl fest. Der Hopfenbauer ist insgesamt mit 9 ha LN, einem Hopfengarten mit 5 ha und 1 ha Wald betroffen. Sofort nach der Hopfenernte im letzten Jahr startete er mit dem notwendigen Abbau der Anlage, um bis Ende September fertig zu sein – wie es Open Grid gefordert hatte. Die Anlage wurde geöffnet, das heißt Masten und Draht abgebaut sowie Hopfenstöcke gerodet. „Der Leitungsstreifen ist 25 Meter breit und es betraf insgesamt eine Fläche von 1400 Hopfenstöcken und 40 Masten“, präzisiert der Landwirt. Seitens der Firma wurde mitgeteilt, dass die Leitungsarbeiten bis 20. März fertiggestellt sind und dann die Wiederaufstellung des Hopfengartens möglich ist. „Leider hat sich das nicht bewahrheitet, weil sich zum einen die Genehmigung des Planfeststellungsverfahrens bis zum 20. Dezember verzögerte und zum anderen die teilweise ungünstige Witterung die Arbeiten zeitlich beeinflusste. „Aus diesen Gründen konnte das Versprechen letztendlich nicht eingehalten werden“, bestätigte der Landwirtschaftsmeister.
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Es musste eine Notlösung her. Damit die Frühjahrsarbeiten wie schneiden sowie Draht aufhängen und einstecken erledigt werden konnten, wurde die Anlage im März provisorisch stabilisiert und verankert. Außerdem musste ein zusätzliches Vorgewende geschaffen werden. „Das bedeutete mehr Arbeit, zusätzlicher Flächenverlust und außerdem aufgrund des nassen, späten Frühjahrs ein mächtiger Zeitdruck“, so der Hopfenpflanzer. Hinzu kommen eine geringere Erntemenge und das Wiedereinlegen der fehlenden 1400 Hopfenstöcke, was je nach Bodenverdichtung eventuell im Herbst oder nächsten Frühjahr möglich ist. Beim nachfolgend auflaufenden Junghopfen ist die ersten zwei bis drei Jahre auf jeden Fall mit einem geringeren Ertrag zu rechnen. Zudem wirken sich die strukturellen Schäden aus. Das aktuelle Provisorium wird nach Beendigung der Leitungsarbeiten Mitte April so schnell wie möglich wieder in den originalen Zustand zurückversetzt.

Relativ einfache Einschränkungen ergaben sich so gesehen bei den betroffenen 9 ha Ackerfläche, verteilt auf drei Feldstücke, denn hier war auf der „restlichen“ Fläche eine normale Bewirtschaftung möglich. Freilich fällt der quer durch die Felder verlaufende, 35 m breite Streifen dieses Jahr aus der Produktion. Um die Strukturschäden zu beheben, hat der Landwirt vor, zur Regenerierung eine Zwischenfrucht einzusäen. „Es wird mit Sicherheit eine Bodenverdichtung geben, denn es wurde mit schwerem Gerät ausgebaggert und wieder zurückverdichtet“, spricht er aus Erfahrung. So dauerte es nach den ersten beiden Leitungstrassen je nach Bodenart zehn bis 15 Jahre, bis von den negativen Nachwirkungen nichts mehr zu spüren war. „Der Boden konnte vor allem bei Starkregen das Wasser nicht aufnehmen und war stärker von Erosion in Mitleidenschaft gezogen“, schilderte er die Folgen.
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Schließlich verläuft die Gasleitung noch durch ein knapp 1 ha großes Waldstück von Gschlößl – ein Mischwald aus Fichte, Kiefer und Buche. „Hier ist es bitter – vor allem aus ökologischer Sicht, denn ein 6-Meter-Streifen, je 3 Meter links und rechts von der Leitung, darf nicht mehr als Wald genutzt werden. Insgesamt bedeutet das einen Flächenverlust von rund 350 Quadratmetern, von dem nur noch die Hälfte aufgeforstet werden kann“, präzisiert er. Da hier auch die beiden vorher verlegten Leitungen verlaufen, ergibt sich letztendlich nun eine 35 m breite Schneise. Der Landwirt übernahm die Abholzung nicht selbst, sondern übergab den Bestand vollständig an Open Grid, die mit großen Maschinen zu Werke ging. Eine Wiederaufforstung wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 vorgenommen. „Ich möchte einen Mischwald pflanzen, wobei abzuwarten bleibt, wie sich die Pflanzen aufgrund der Strukturschäden entwickeln“, so der Landwirt, der der Meinung ist, dass das Ganze auch platzsparender gegangen wäre.

Alles in allem hat der Hopfenpflanzer das Projekt annehmen und das Beste daraus machen müssen. „Diejenigen, die nicht betroffen sind, können sich glücklich schätzen“, stellt er abschließend fest. Dabei ist er froh, dass der ursprünglich geplante, diagonale Verlauf durch den Hopfengarten abgewendet werden konnte – sonst wäre noch mehr Fläche betroffen gewesen. Nun hofft Ludwig Gschlößl, dass das Unternehmen zu seinem Wort steht und die mit dem BBV und Hopfenpflanzerverband vereinbarten Entschädigungen in vollem Umfang bezahlt werden. Dies sind: Für die Dienstbarkeit eine einmalige endgültige Entschädigung bezogen auf den 10 m breiten Schutzstreifen der Leitung mit 5,25 €/m2, für die verbundenen Aufwendungen erhält der Grundstückseigentümer einmalig eine Pauschale von 175 € und der Bewirtschafter für die Flächenberichtigung und Flurschadensabwicklung eine einmalige Aufwandsentschädigung von 350 €. Die zusätzlichen Ertragsausfälle werden in den nächsten drei Jahren vor der Ernte bei allen Kulturen geschätzt und über mit den Verbänden vereinbarten Sätzen abgegolten. Zum Schluss merkt Gschlößl noch an, dass die Entschädigung vollständig zu versteuern ist, obwohl das Grundstück durch die Eintragung einer Grunddienstbarkeit eine erhebliche Wertminderung hat.
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