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Umwelt

Malachitgrün statt Milch?

Isar
Sandra Schwägerl
am
20.05.2019

Die Staatsanwaltschaft Landshut reicht Anklageschrift zu den malachitgrün-belasteten Fischen im Raum Freising ein: Zwei Zuchtbetriebe sind von den Ermittlungen befreit, ein Betriebsleiter samt Mitarbeiter ist angeklagt.

Gegen zwei Inhaber von Fischzuchtbetrieben im Kreis Freising wurden die Ermittlungen eingestellt, das gab der Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft Landshut bekannt. Im vergangenen September wurden bei mehreren Fischzuchtbetrieben im Raum Freising Fische mit der verbotenen Substanz Malachitgrün festgestellt und die betroffenen Betriebe gesperrt. Malachitgrün ist ein Tierarzneimittel, das sehr erfolgreich für die Vorbeugung bzw. Bekämpfung von Infektionen bei Fischen mit Pilzen und Parasiten eingesetzt wird. Im Bereich der Lebensmittelproduktion ist die Substanz in der EU jedoch verboten, da hier von einer möglichen Gesundheitsgefährdung ausgegangen wird. Dies bedeutet, dass sie überhaupt nicht – auch nicht in geringsten Mengen – in diesem Bereich zum Einsatz kommen darf.

Herausforderung Gewässersanierung

Im Gespräch mit Peter Baumgartner, dessen Familie bereits vor 200 Jahren den Titel „Stadtfischer von Freising“ verliehen bekam, wird deutlich, dass die Probleme durch die – gegen ihn eingestellten – Ermittlungen nicht gelöst sind. Seit Monaten mussten die Baumgartners Fische zukaufen, das Image ihrer Produkte habe gelitten und eine ganz spezielle Herausforderung scheint die Gewässersanierung zu sein. Zum einen, weil nach mehreren Monaten der Beprobung das Prozedere vonseiten der Behörden verschärft worden sei, erklärte Peter Baumgartner dem Wochenblatt. Zum Anderen, da Malachitgrün auch in bestimmten Teilen der Moosach, einem Nebenfluss der Isar, nachgewiesen wurde – welcher die Arbeitsgrundlage des Fischzüchters sei. „Wenn der Schlamm der Moosach aufgewirbelt wird, geht’s wieder von vorne los“, befürchtet Baumgartner. Die Kosten für diese Probenahmen hat der Familienbetrieb selbst zu tragen, das falle unter „unternehmerisches Risiko“.

Einzelne Chargen
wieder freigegeben

Laut dem Landratsamt Freising seien „einzelne Chargen“ der betroffenen Betriebe wieder zum Inverkehrbringen freigegeben, doch stehen diese weiter unter „amtlicher Überwachung“. Vor dem Amtsgericht Freising zu verantworten haben sich ein anderer Fischzüchter und dessen Angestellter. Die Staatsanwaltschaft zeigt sich davon überzeugt, dass beide wussten, dass der Einsatz des Präparates Malachitgrün in der Lebensmittelproduktin absolut verboten ist und sie vorsätzlich handelten, als die Substanz in die Aquakultur des Betriebsleiters eingeleitet wurde. Daher wird ihnen ein Verstoß gegen das Lebensmittel-Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch vorgeworfen.
Als bekannt wurde, dass bei anderen Fischzuchtbetrieben in der Umgebung positive Proben auf Malachitgrün festgestellt worden waren und Maßnahmen angeordnet wurden, habe der jetzt angeklagte Fischzuchtinhaber eine Selbstanzeige erstattet. Dabei wurde behauptet, ein Angestellter habe versehentlich und unbemerkt Malachitgrün in die Aquakultur eingebracht.

Fischteich als Waschbecken genutzt?

Dieser Angestellte gab in seiner Vernehmung an, er habe eine alte Milchkanne am Betrieb gefunden und in der Südseite des Teichs ausgewaschen. Am Boden dieser Kanne habe sich eine von ihm unbekannte Substanz befunden. Zwei Tage später habe er diese Kanne dann mit dem Müll entsorgt.
Die Staatsanwaltschaft folgt in ihrer jetzt erhobenen Anklage dieser Argumentation der beiden Angeschuldigten nicht: Gegen die angebliche Einbringung des Stoffes mit dem besagten Milchkännchen spreche schon der Umstand, dass die Sachverständigenuntersuchungen in mehreren Teichen der Anlage Malachitgrün bzw. dessen Abbauprodukt in unterschiedlich hoher Konzentration gefunden haben. „Dies lässt sich eher mit einer gezielten Einbringung an mehreren Stellen mit wesentlich höherer Substanzmenge zur Deckung bringen“, so die Argumentation von Steinkraus-Koch.

Substanzwert sinkt mit der räumlichen Distanz

Die beiden weiteren Fischzuchtbetriebe sind mit dem des Angeklagten durch gemeinsame Gewässer verbunden. Bei Messung der Malachitgrünwerte fiel auf, dass die Werte sich mit steigender Distanz zum Gelände des Angeklagten verringerten. Über das Hauptverfahren hat nun das Amtsgericht Freising zu entscheiden.

Die Vorkommnisse um den Malachitgrüneinsatz schlagen Wellen bis in den Bayerischen Landtag: SPD und Grüne fordern Aufklärung vonseiten der Staatsregierung, u.a. zur fehlenden Information der Öffentlichkeit. Denn publik wurden die malachitgrün-positiven Fälle erst diesen März durch den Bayerischen Rundfunk. Bis dahin seien etwa im Isarabschnitt zwischen Hangenham und Oberhummel noch Forellen geangelt worden, die im September beim angeklagten Betrieb gekauft und in die Isar eingesetzt worden seien.

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