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Stallbau

Man sollte sich damit beschäftigen

Kuhstall
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Redaktion Wochenblatt, Wochenblatt
am
25.09.2017

Familie Höß in Bad Wiessee baut mit BaySL-Mitteln einen Laufstall. Das BBV-Spitzenduo ist zu Besuch.

Kuhstall

Es dient dem Fortbestand kleinerer Betriebe und dass eine flächendeckende Landwirtschaft gewährleistet bleibt“, meinen Oberbayerns Bezirksbäuerin Christine Singer und Bezirkspräsident Anton Kreitmair zum „Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft“ (BaySL). Und beide wünschen sich, dass es von vielen Betriebsleitern in Anspruch genommen wird.
Die Landwirtsfamilie Höß in Bad Wiessee hat sich dafür entschieden. Kürzlich kamen Singer und Kreitmair zu einem Informationsbesuch auf den erfolgreichen Milchviehbetrieb, der heuer bei der staatlichen Tierschau anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Viehzuchtgenossenschaft Tegernsee eine der drei Züchtersammlungen aus Betrieben bis 20 Kühe stellte.
Derzeit stehen zwischen 18 und 20 Fleckvieh-Kühe im Stall der Familie. In Anbindehaltung mit Absauganlage, entmistet wird per Hand. Chef auf dem Hof ist Opa August Höß (77), der sich darüber freut, dass mit Enkel Hansi ein bestens ausgebildeter Nachfolger zur Übernahme bereitsteht.
„Schon im Kindergarten war klar, was er werden will; er hat immer gesagt ,Erst werd ich groß und dann werd ich Bauer’“, erzählt Mutter Christa, Ortsbäuerin von Bad Wiessee und Mitglied der Kreisvorstandschaft. Und dieses Ziel hat Hansi ehrgeizig verfolgt. Zuerst absolvierte er eine Fremdlehre, ging danach auf die Winterschule und hat dabei gleich noch den Meister gemacht – mit einem hervorragenden Notendurchschnitt von 1,85.

Einen Laufstall für 25 Kühe

Nun will der 23-Jährige einen Laufstall für 25 Kühe bauen. Damit ist eines der Kriterien für eine BaySL-Förderung erfüllt: die „Verbesserung der Haltungsbedingungen für Nutztiere“. Für die erstmalige Umstellung auf Laufstallhaltung für Milchvieh in kleinen Betrieben betragen die zuwendungsfähigen Ausgaben maximal 150 000 €. „Das heißt, man erhält maximal 37 500 Euro Förderung“, erläutert Kreitmair. „Wir sind stolz auf das BaySL“, so der Bezirkspräsident, „denn die Initiative ging von Oberbayern aus und es gab schon kontroverse Diskussionen.“
Wobei Kreitmair noch einige Verbesserungsvorschläge hätte. So ist ihm zum Beispiel die Begrenzung auf maximal 25 Kühe, die in den vergangenen drei Jahren gehalten wurden, etwas zu eng gestrickt: „Hätte Familie Höß 27 Kühe gehabt, wäre der Betrieb aus BaySL rausgefallen.“
Grundsätzlich sei aber das Sonderprogramm positiv zu sehen, das im übrigen u. a. auch für Tierwohlmaßnahmen bei Schweinehaltern gedacht sei sowie Förderungen für Spezialmaschinen zur Bewirtschaftung von Steillagen im Berggebiet ermöglicht (Infos unter http://www.stmelf.bayern.de/agrarpolitik/foerderung/021130/ und bei den ÄELF). „Es sind viele Betriebe da, für die das BaySL zugeschnitten ist“, so Kreitmair und Singer. Die Empfehlung des oberbayerischen BBV-Spitzenduos lautet deshalb auch, sich in aller Ruhe mit dem Programm zu befassen.
Das hat Familie Höß getan und das Programm für gut befunden. „Für uns ist es gut, es ist unbürokratischer als andere, man braucht keine Angebote und ist nicht so festgelegt“, meint Hansi. Den neuen Stall hat er zusammen mit seinem Großvater komplett selbst geplant. Dafür waren beide im Vorfeld viel unterwegs, um gemeinsam andere Bauvorhaben anzusehen.
Geplant ist nun ein Tiefstreu-Laufstall mit Spaltenboden und Doppel-3er-Tandem-Melkstand. Der alte Stall soll später einmal für das Jungvieh umgebaut werden, das sich den Sommer über auf der Alm tummelt. Aufgrund der begrenzten Fläche – sowohl beim Futter als auch für den neuen Stall – kam eine Aufstockung auf mehr als 25 Kühe nicht infrage. Als weiteres Standbein werden auf dem Hof noch Ferienzimmer und -wohnungen vermietet.
„Uns freut es, mit welchem Stolz und Engagement der Hof weitergeführt wird“, so Singer und Kreitmair, „solche Betriebe braucht’s.“ Wobei beide aber klipp und klar einen Punkt betonen. Ihre Forderung nach einem Bestandsschutz für Betriebe mit Anbindehaltung: „Wir wünschen uns, dass die Betriebsleiter dieses Programm in Anspruch nehmen. Aber auch, dass Betriebe, bei denen ein Nachfolger nicht in Sicht ist beziehungsweise die noch nicht wissen wie sich der Betrieb weiterentwickelt, weiterhin ihre Tiere in der gewohnten Weise halten dürfen.“

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