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Verein

Miteinander reden statt übereinander

Roland Lory
am
12.12.2016

Garmisch-Partenkirchen - Seit Ende September ist am Registergericht ein neuer Verein eingetragen. Er nennt sich Wald, Wild, Jagd e. V. (WWJ) und hat seinen Sitz in Garmisch-Partenkirchen. Der Verein hat sich das Motto „Miteinander reden und nicht übereinander“ auf die Fahnen geschrieben. Die zehn Gründungsmitglieder sind Waldbesitzer, Landwirte, Berufsjäger, Privatjäger, Jagdpächter und Förster. Die Aktivitäten beschränken sich auf regionale Themen.

Andreas Thiermeyer, Rudolf Utzschneider und Josef Sailer

Wenn es um die Themen Wald/Wild/Jagd geht, flammen immer wieder heftige Debatten auf. Da macht der Landkreis Garmisch-Partenkirchen keine Ausnahme. Rund ging es etwa 2014 anlässlich des Symposiums „Gams am Abgrund?“. Auch heuer gab es im Rahmen der Berichterstattung der Lokalzeitung über Drückjagden in der Notzeit intensive Diskussionen und eine wahre Leserbriefflut. „Es hat sich unglaublich aufgeschaukelt“, sagt 1. Vorstand Rudolf Utzschneider.
Die Streitigkeiten der vergangenen Jahre waren der Auslöser für die Vereinsgründung. Es gebe bereits eine Vielzahl von Vereinen und Interessengruppen, die mit sehr guter Arbeit an den erwähnten Themen mitwirkten, hieß es anlässlich eines Pressetermins in der Almhütte Garmisch-Partenkirchen.
„Jede dieser Vereinigungen vertritt ihre Partikularinteressen nach ihrer jeweiligen Satzung.“ Der WWJ hält daher eine Plattform für nötig, bei der die unterschiedlichen Sichtweisen vereinsintern ausgetauscht werden und nach Lösungen für Probleme gesucht wird. Man will gegenseitiges Verständnis schaffen und „die Diskussionen mit Kompetenz und Sachlichkeit mitgestalten“. Beim Vereinszweck steht an erster Stelle, dass man zur Lösung „von Konflikten zwischen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Jagd“ beitragen wolle.
„Es ist wichtig, dass man mehr voneinander weiß“, betont Beisitzer Josef Sailer aus Garmisch-Partenkirchen. Aufeinander einzuschlagen, sei nicht zielführend. Sailer ist Landwirt, Waldbesitzer, Vorstand der Jagdgenossenschaft Garmisch, 2. Sprecher der Arge Jagd im Landkreis sowie Ortsobmann der Waldbesitzervereinigung und des Bayerischen Bauernverbands.
Ein Ziel des Vereins lautet auch, die Qualität im jagdlichen Handwerk zu steigern. Dies soll durch gezielte Aus- und Fortbildung geschehen. Zum einen sollen das Mitglieder erledigen, man will aber gegebenenfalls Fachleute von außen dazuholen. „Die Jagd muss mit der Zeit gehen“, betont 2. Vorstand Andreas Thiermeyer aus Graswang, der als Berufsjäger bei den Bayerischen Staatsforsten tätig ist. So seien im Bereich der Enningalm bei Farchant auf 1700/1800 m Höhe inzwischen Wildsäue zugange – eine neue Situation. „Da darf man nicht stehen bleiben“, sagt der Revierjagdmeister und Waldbesitzer. Sailer sieht es ähnlich: „Es gibt immer wieder neue Herausforderungen.“
Darüber hinaus hat es sich der Verein zum Ziel gesetzt, wildbiologisch begründete, ökologisch vertretbare und gesellschaftlich akzeptable Grundsätze und Methoden zur Durchsetzung einer bodenständigen Jagd zu entwickeln.
Von Ende September bis zum Zeitpunkt des Pressegesprächs konnte der Verein rund 30 Mitglieder gewinnen. Sie sind ehrenamtlich und beruflich in vielen Organisationen und Institutionen aktiv, die mit der Wald-Wild- und Jagdthematik teils zu tun haben. Dazu zählen der Bauernverband, der Bayerische Jagdverband, der ökologische Jagdverein, der Deutsche Alpenverein, die Bayerischen Staatsforsten, Jagdvorstände und einige mehr.
Neben den erwähnten Vorstandsposten sind noch zwei weitere zu nennen: Schriftführer ist Hubert Janner (Farchant), Kassierin Christine Zach aus Ohlstadt. Vorstand Utzschneider ist übrigens aus Murnau, beruflich als Manager in der IT-Branche tätig und Waldbesitzer. Er geht auch auf die Jagd. Früher war er einmal 2. Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach.

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