Login
Suche nach Nationalpark

Nationalpark als schmales Band?

Nationalpark Auenwald
Paul Kannamüller
am
06.11.2017

Die Umweltministerin Ulrike Scharf bittet zum Dialog. Nun sind auch die Isar-Auen in der engeren Wahl.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für einen dritten Nationalpark durchstreift die bayerische Staatsregierung gerade die Isar-Auen im oberbayerischen Landkreis Freising. Nach der Rhön in Unterfranken sowie den Donau-Auen zwischen Neuburg und Ingolstadt soll nun auch der Auwald zwischen München und Landshut in die engere Wahl kommen.

Ziel wäre letztlich ein zweigeteilter Auwald-Nationalpark „Donau-Isar“ – und als solcher wäre er auch ein Novum in Deutschland. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl aus Freising hatte angeregt, in die Überlegungen auch die Isar-Auen miteinzubeziehen. Bei einem ersten „Nationalparkdialog“ mit Experten unterschiedlicher Couleur wurden jetzt im Freisinger Landrats­amt schon mal Vor- und Nachteile gedreht und gewendet.

Es sei ein offener Prozess, betonte Umweltministerin Ulrike Scharf bei dem Treffen im Freisinger Landratsamt. Die Staatsministerin betonte außerdem, dass für einen solchen Nationalpark nur Staatsflächen bzw. Staatswald infrage kämen, niemand enteignet und auch keine kommunalen Flächen zwangsweise einbezogen würden.

Nach Angaben des Umweltministeriums würden zu dem Nationalpark die Isar-Auen zwischen Freising und Moosburg rund 2300 ha beisteuern, das Gebiet an der Donau wird mit rund 4000 ha beziffert. Die genauen Flächen stehen allerdings noch nicht fest.

Eine Region wie Freising brauche nach den Worten von Scharf nicht noch mehr Arbeitsplätze, sondern vor allem mehr Erholungsräume in der Natur. Ein Auwald-Nationalpark „Donau-Isar“ würde genau so ein Angebot schaffen, versicherte Scharf.

Noch ist nichts entschieden

Nationalpark Auenwald Magerl

Entschieden sei aber noch nichts, ließ Scharf vor zahlreichen Kommunalpolitikern und Verbandsvertretern wissen. Die Donau-Auen seien schon länger im Gespräch, sie könnten nun um die ökologisch hochwertigen Auwälder entlang der Isar ergänzt werden. „Die Ausweisung eines Nationalparks kann für die Menschen in der Region eine große Chance sein“, sagte die Staatsministerin.

Und auch der Bund Naturschutz ist begeistert von der Idee eines Nationalparks Isar-Auen. Er verweist auf den enormen Artenreichtum in den Auwäldern – vor allem im Bereich zwischen Freising und Moosburg. Nicht zuletzt wurde darauf verwiesen, dass ein Nationalpark Isar-Auen auch ganz gut zum Forschungsstandort Freising-Weihenstephan passen würde. Und dieser ließe sich dann sogar fußläufig erreichen, so der Landtagsabgeordnete Magerl, der das Vorhaben „absolut innovativ“ nannte.

Da aber die Isar-Auen auch ein wichtiges Naherholungsgebiet sind und zudem bewirtschaftet werden, gab es dazu am Abend auch zahlreiche skeptische Stimmen. So zeigte sich etwa Willi Ruff vom Landesfischereiverband Bayern sogar entsetzt über die Pläne und befürchtet, dass die Fischerei durch einen Nationalpark stark eingeschränkt würde. Zwar beteuerte die Umweltministerin, bestehende Fischereirechte würden nicht angetastet, die Bedenken konnte sie damit aber nicht ausräumen.

Weitere Fragen gab es beispielsweise zur künftigen Waldnutzung und dem Wildmanagement. Auch zukünftige Infrastruktur-Projekte wie Brücken würden in die Untersuchungen miteinbezogen, hieß es. Man ersaufe sowieso schon in Verkehr und Freizeitnutzung, wandte ein Diskussionsteilnehmer ein.

Diese Probleme würde ein Nationalpark nur noch verschärfen. Offene Fragen gab es zum Beispiel auch über die zukünftige Freizeitnutzung eines Nationalparks durch Radfahrer, Jogger oder Spaziergänger.

Kreisobmann äußert Skepsis

Nationalpark Auenwald

Skeptisch sieht man es auch in der Landwirtschaft, ob auf dem schmalen Streifen entlang der Isar ein Nationalpark sinnvoll sei. So treibt beispielsweise den Freisinger Kreisobmann Georg Radlmaier auch die Frage um, wie die Land- und Forstwirtschaft in das Dialogverfahren eingebunden würde.

Radlmaier hegt jedenfalls die Befürchtung, dass durch einen solchen Nationalpark der Freizeitdruck auf die umliegenden Flächen noch weiter zunehmen dürfte. Konfliktstoff sieht der Kreisobmann aber auch in der künftigen Wildtier- und Waldbewirtschaftung in den Isar-Auen.

Und dann kam auch noch die Frage auf, ob sich ein solcher Nationalpark überhaupt mit einem Großflughafen vertrage. Ulrike Scharf betonte, sie wolle die beiden Themen nicht vermischen und mit den Bauern selbstverständlich all die Themen erörtern, „wo der Schuh drückt“. Auch künftig sollten die Isar-Auen ein „wirtschaftlicher Standort“ bleiben.

Von der Idee eines Nationalparks in den Isar-Auen ist der Freisinger Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecher der Freien Wähler Benno Zierer nicht überzeugt: „Die Skepsis überwiegt, denn die Staatsregierung darf fachliche Aspekte bei ihrer krampfhaften Suche nach einem dritten Nationalpark nicht ausblenden.“

Dass es sich bei den Isar-Auen im Landkreis Freising um einen wertvollen Naturraum handele, sei unbestritten. Allerdings habe dieser als Natura 2000- und Naturschutzgebiet bereits jetzt einen hohen Schutzstatus. „Und der Freizeitdruck auf die Isar-Auen ist jetzt schon sehr hoch“, erklärte Zierer.

Es sei bislang nicht klar geworden, wie im schmalen Band des Auwaldes ein funktionierendes Nationalpark-Konzept realisiert werden könne. Für problematisch hält Zierer auch die Zweiteilung eines Auen-Nationalparks. Immerhin betrage die Entfernung zwischen der Donau bei Neuburg und der Isar bei Freising rund 60 km Luftlinie.

200 bis 300 Meter breit

Eine Herausforderung dürfte das Nationalpark-Projekt noch in vielerlei Hinsicht werden. So schreibt etwa das bayerische Naturschutzgesetz eine Mindestgröße für einen Nationalpark von 10 000 ha vor, weshalb im aktuellen Fall zur Erfüllung der Norm noch knapp 4000 ha fehlen, die rein theoretisch noch irgendwie beschafft werden müssten.

Außerdem sieht die naturschutzfachliche Projektierung eine dreiteilige Zonierung vor, die im Innersten mit einer Kernzone beginnt, der sich eine sogenannte Entwicklungs- und schließlich eine Randzone anschließen. Bei flächenhaften Schutzgebietsausweisungen ist das in der Regel auch kein größeres Problem. Aber da es sich bei einem Auen-Nationalpark um ein schmales Band zwischen 200 und 300 m handele, sehen hier Kritiker durchaus ein Problem.

„Eine Entscheidung fällt erst am Ende des Dialogprozesses“, kündigte Umweltministerin Scharf an. Erst wenn eine Region einverstanden sei, wolle man ein detailliertes Konzept für einen Auwald-Nationalpark erarbeiten. Sie regte an, Mitarbeiter des Ministeriums in die Region zu schicken, um in Gemeinderatssitzungen oder Bürgerversammlungen über einen möglichen Nationalpark in den Isar-Auen zu informieren.

Und auch der Freisinger Landrat Josef Hauner warb für einen ergebnisoffenen Dialog ohne Vorfestlegungen: „Der Landkreis Freising hat sich noch in keine Richtung festgelegt.“ Man werde das Angebot der Staatsregierung für einen Isar-Auen-Nationalpark nun erst einmal in verschiedenen Gremien besprechen, betonte Hauner. Dabei sei es ihm wichtig, „auch Bedenkenträger zu Wort kommen zu lassen“. Am Ende sollen Chancen und Risiken abgewogen und eine Entscheidung getroffen werden.

Auch interessant