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Kreisbauerntag

Neue Zukunftstrategien für Landwirte

Kreisbauernversammlung_Chieming_Landwirtschaftsmeister_3677(c)Axel Effner
Axel Effner
am
08.07.2019

Kreisbauerntag in Chieming beleuchtet Pläne von Ministerin Michaela Kaniber.

Chieming/Lks. Traunstein Es passte gut zum Thema, dass der Traunsteiner Kreisbauerntag mit rund 700 Besuchern im Festzelt des Trachtenvereins „D’ Chiemseer“ in Chieming stattfand, der gerade sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat. Schließlich verbindet Trachtler und Landwirte viel, wenn es um die Frage geht, wie sich Heimat und traditionelle Werte für die Zukunft in einer global-digitalisierten Welt transformieren lassen.

Der passende Weg zwischen Tradition und neuen Zukunftsstrategien für die bayerische Landwirtschaft bildete auch das Leitthema für die Festrede der Landtagsabgeordneten Tanja Schorer-Dremel aus Eichstätt. Als Mitglied des Agrarausschusses war sie für Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eingesprungen, die wegen „dringlicher Terminüberschneidungen“ kurzfristig absagen musste. Für ihre bestandene Prüfung erhielten auf dem Fest außerdem 17 neue Landwirtschaftsmeister und -meisterinnen eine Auszeichnung.

Kooperation statt Konfrontation

Landrat Siegfried Walch forderte „Kooperation statt Konfrontation“ im Umgang mit den Landwirten ein. Schließlich leisteten dreiviertel aller Bauern im Landkreis mit 4600 Agrar- umweltmaßnahmen einen „aktiven Beitrag in unserem Kulturlandschaftsprogramm“. Als Wirtschaftsfaktor, Landschaftspfleger, Rohstofflieferant und Energiedienstleister sowie Erzeuger hochwertiger Lebensmittel seien leistungsfähige bäuerliche Betriebe unverzichtbar.
Die aktuelle Kluft zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung, die im Volksbegehren „Rettet die Bienen“ deutlich geworden sei, griff Tanja Schorer-Dremel in ihrem Festvortrag auf. Angesichts heftiger Diskussionen und Kritik an langjährig bewährten Produktionsverfahren erwarte die Landwirtschaft „zu Recht Orientierung von der Politik“. Durch Schwerpunkte bei Themen wie Ernährungssicherheit, einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit und dem technologischen Fortschritt habe man es verpasst, den Menschen die Hintergründe der modernen Landwirtschaft mit Blick auf Fragen zu Artenvielfalt, Klima- und Umweltschutz zu erläutern. Bereits jetzt sei Bayern in Deutschland Spitzenreiter bei Agrarumweltmaßnahmen, in Sachen Ökolandwirtschaft und bei der Förderung von Blühflächen oder alten Kulturarten. Ebenso sei der Freistaat „Vorreiter in der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln“ durch Förderung entsprechender Alternativen.
Ansatzpunkte für mehr Aufklärung durch Bildungsarbeit sah Schorer-Dremel im Ausbau von Formaten wie „Erlebnis Bauernhof“ und „Landfrauen machen Schule“, die 50 000 Schüler pro Jahr erreichen sowie in Lehrerfortbildungen und dem neu geplanten Schulfach „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“. Begleitend dazu sollen auch digitale Kommunikations- und Marketingstrategien ausgebaut werden, zu deren Gelingen eine neu eingerichtete Junglandwirte-Kommission Impulse liefern soll. Im Rahmen der heißen Phase zur Reformdiskussion der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU wolle Bayern die 2. Säule mit starken Direktzahlungen zur Stabilisierung bäuerlicher Familien „mit aller Macht verteidigen“. Angesichts der Tatsache, dass China die Hälfte der globalen Weizenvorräte und zwei Drittel der weltweiten Maisbestände horte, sei Ernährungssicherheit ein zentrales Gut. Mehr Transparenz bei den Gemeinwohlleistungen der Bauern, passende Kriseninstrumente sowie die verbesserte Förderung von Junglandwirten und Nebenerwerbsbetrieben samt einer Besserstellung in der Förderpraxis der ersten Hektare seien weitere Ziele.
Im Rahmen einer eigenen Nutztierstrategie seien auch die „Ställe der Zukunft“ immer wieder Thema der Diskussion. Die neue Ausrichtung müsse Planungssicherheit für die Bauern mit dem gesellschaftlichen Konsens über Nutztierhaltung verbinden. Sie soll sich aber auch im Preis an der Ladentheke widerspiegeln, betonte die Landtagsabgeordnete. Hier seien die Konsumenten gefordert. Der Staat müsse dazu stärker auf eine Führungsrolle beim „Labelling“, das heißt bei Herkunfts-Etiketten, drängen und einen praktikablen Rechtsrahmen im Auge behalten. Axel Effner
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