Login
Agrar-Familie 2017

Philosophie mit Wohlfühlfaktor

agrarfamilie
Paul Kannamüller
am
28.09.2017

Der Betrieb Lampl in Pfaffenhofen (Obb.) gilt als Vorbild in Produktion und Vermarktung. Das hat beim Wettbewerb Agrar-Familie einen Preis eingebracht.

Agrarfamilie

Neugierige Blicke zur Begrüßung: Nahezu synchron drehen sich die Köpfe in Richtung Stalltor, als dieses zu einer Besichtigung geöffnet wird. Es handelt sich hier um einen sogenannten Wohlfühlstall, in dem sich offenbar nicht nur die 150 Ochsen und 100 Bullen wohl fühlen. Vielmehr scheint das überaus freundliche Stallklima auch auf den Seniorbauer Michael Lampl und seinen Sohn Stefan ansteckend zu wirken, die strahlend und gut gelaunt von Planung und Bau des modernen Tretmiststalls erzählen. Licht und Luft seien Hauptmerkmale des Wohlfühlstalles, den die Lampls vor zwei Jahren einen knappen Kilometer außerhalb von Pfaffenhofen an der Glonn errichtet haben. Im Ort selbst, wo die Familie seit fast 200 Jahren ihren Hof bewirtschaftet, gab es keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr.

Profis in Sachen Öffentlichkeitsarbeit

Agrarfamilie

Dass der Lamplhof inzwischen weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist, das liegt vor allem auch an der Philosophie seiner Betreiber. Dazu gehört beispielsweise auch, dem Verbraucher Wurst- und Fleischwaren höchstmöglicher Qualität anzubieten und dabei auch immer wieder die enge regionale Verbundenheit zu betonen, wie Jungunternehmer Stefan sagt. Ein Markenzeichen des Betriebs sind aber auch das Marketing und der ständige Kontakt zum Verbraucher. „Das ist ein ganz wichtiger Aspekt“, sagt der Juniorbauer, der innerhalb des Familienbetriebs für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. So sei man auch stets bemüht, die Homepage auf dem neuesten Stand zu halten und momentan arbeite man gerade am Aufbau eines Online-Shops. Desweiteren wird alle zwei Jahre ein großes Ochsenfest mit Grillen veranstaltet, bei dem dem Verbraucher Tür und Tor geöffnet werden. Bis zu 3000 Besucher pilgern dann zum Lampl, um sich aus erster Hand über die Landwirtschaft zu informieren.
Es gehört sicherlich nicht zur Kernkompetenz eines landwirtschaftlichen Betriebes, sich intensiv mit Marketingkonzepten zu beschäftigen. Aber auf dem Betrieb Lampl hat man schon früh erkannt, dass es mit der Herstellung von Qualitätsprodukten allein nicht getan ist, sondern deren Vermarktung mindestens genauso wichtig ist.
Überhaupt ist Transparenz ein Markenzeichen der Lampls, die nicht nur das Ochsenfest alle zwei Jahre mit kompletter Bewirtung auf die Beine stellen, sondern auch Führungen für die Besucher durchführen. Dabei gibt es nicht nur Einblicke in den Stall, sondern es werden auch alle Fragen beantwortet. „Wir stehen dann im Stall und freuen uns über das große Interesse“, sagt der Jungbauer. Stefan ist auch dafür verantwortlich, dass  sich Familie Lampl beim Wettbewerb „Agrar-Familie“ beteiligt hat.
Und dass die Lampls dabei in der Kategorie „Öffentlichkeitsarbeit“ glänzen konnten, das kam im Nachhinein für Außenstehende nicht ganz überraschend. Stefan erinnert sich noch gut an den entscheidenden Impuls, der von einem Bekannten kam und ihn zum Mitmachen motivierte. Später dann wurde der Familienrat einberufen und entschieden, sich der Herausforderung zu stellen. Von da an galt es, Texte zu formulieren und passende Fotos einzuschicken.   Die Freude im Hause Lampl war jedenfalls groß, als die frohe Botschaft über den Gewinn unverhofft übers Telefon übermittelt wurde. Der Titel des überzeugenden Projekts lautete übrigens: „Alles aus einer Hand.“ 

Familienbetrieb im besten Sinn

Um für alle Generation auf dem Betrieb (Oma und Opa helfen auch noch mit) ein Auskommen zu haben, sei man stets bemüht, das Betriebsmodell weiter auszubauen und sich  vom Markt unabhängig zu machen. So kaufen Vater und Sohn – beide Meister ihres Fachs – etwa die Ochsen bei Milchviehbetrieben in der Umgebung, meist im Alter von fünf Monaten. Ein gutes Jahr werden sie dann gemästet, bevor es dann in einen nahegelegenen Schlachthof geht. Stefans Bruder Michael Georg ist praktischerweise Metzgermeister, der das Fleisch in der eigenen Hofmetzgerei (seit 1998/99) fachmännisch verarbeitet. Mutter Annemarie schließlich verkauft es dann im angeschlossenen Hofladen, in dem es außerdem Nudeln, Eier, Brot, Milchprodukte und auch Wein gibt. Das Vermarktungskonzept der Lampls ist inzwischen so bekannt, dass ihr Betrieb nicht nur Besuch von Schulklassen bekommt, sondern auch Neugierige aus dem Ausland anlockt.

Pioniere in der Direktvermarktung

„Wir geben den Tieren Zeit zum Wachsen und Gedeihen; sie werden 365 Tage im Jahr gehegt und gepflegt und gentechnikfrei mit hofeigenem Futter versorgt“, sagt Senior Lampl und fügt hinzu, „dass man das auch am Fleisch schmecken kann“. 1970 erfolgte auf dem Lampl-Hof die Umstellung von Milchkühen auf Rindermast; die Spezialisierung auf die Haltung von bayerischen Fleckvieh-Ochsen folgte als nächster Schritt Ende der 80er-Jahre. „Ochsenfleisch in Paketform wurde dann in unserem ersten kleinen Hofladen in den 90er-Jahren vermarktet“, erzählt der Juniorbauer. Auf den  80 ha Ackerflächen werden überwiegend Silomais, Getreide und Zuckerrüben angebaut, die Tiere werden ausschließlich mit regionalem Futter versorgt, so Stefan Lampl. Ein Fütterungsroboter fährt übrigens mehrmals täglich an den Boxen der Rinder vorbei und verteilt genau berechnete Rationen.

Moderne Technik für gutes Stallklima

Überhaupt läuft vieles automatisch ab im Stall, was eine enorme Arbeitserleichterung bedeutet. So schiebt etwa ein Reinigungsroboter regelmäßig die Ablagerungen am Boden in eine Grube am Ende der Halle, und ein Einstreuroboter lässt von oben frisches Stroh rieseln. Auf der riesigen Dachfläche befinden sich Fotovoltaik-Module, die den Stall mit Strom versorgen. Reguliert wird das Klima im Stall durch ein digitales Messsystem, sodass immer eine angenehme Temperatur herrscht.  „Wenn es im Sommer richtig heiß wird, können wir auch auf Durchzug schalten“, erläutert Seniorbauer Lampl. Zudem lässt sich die Südwand abschatten. Im Winter hingegen wird eine Seite geschlossen, damit die Tiere keine Zugluft bekommen. Vorbei also die Zeiten der engen und dunklen Ställe, als der Luftaustausch schlecht und die Innentemperatur relativ hoch war.

Auch interessant