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Kreisbauerntag

Die Politik duckt sich weg

MeisterRO19
Externer Autor
am
08.02.2019

„Geht raus und zeigt euch", riet BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler als Gast beim Rosenheimer Kreisbauerntag den Bauern.

Viel Gesprächsstoff gab es beim Kreisbauerntag Rosenheim. BBV-Kreisob-mann Josef Bodmaier begrüßte zahlreiche Ehrengäste in der gut gefüllten Inntalhalle und fasste das abgelaufene Jahr zusammen. Dabei hob er den starken Nachwuchs der Branche sowie die „guten und ergebnisorientierten Gespräche“ mit dem Landratsamt positiv hervor. Bayernweit seien im Kreis Rosenheim die meisten Landwirtschaftsschüler und -meister ausgebildet worden.
„Ohne sie geht nichts“, hob auch der stellvertretende Landrat Josef Huber in seinem Grußwort hervor. Er kam auf die Probleme des „Bauernalltags“ zu sprechen und damit auch auf das laufende Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Gerade darin erkenne er den Trend zur Pauschalverurteilung der Landwirtschaft.
Stefan Köhler, der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident und Umweltpräsident des Berufsverbandes, ging noch einen Schritt weiter als Huber. So stellte er die überspitzte Frage, ob die Gesellschaft überhaupt noch Landwirtschaft haben wolle. „Sie benutzen unsere Bienen, um auf unser Eigentum zuzugreifen“, machte er seinen Unmut über die Forderungen des Volksbegehrens deutlich. Etwa durch die geforderte Ausweisung neuer Biotope würden die Landwirte im Kreis Rosenheim rund 520 Mio. € verlieren, weil sie die Flächen nicht mehr nutzen könnten.
Und doch könne der BBV „wahnsinnig viel“ von diesem Volksbegehren lernen, rief Köhler in die Runde. „Wir müssen Emotionen wecken.“ Der Spruch „Rettet die Bienen“ komme gut an. So appellierte er an seine Kollegen: „Geht raus und zeigt euch.“
Von positiven Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsarbeit berichtete der neue Meister Johannes Stuffer, der unter anderem über einen Onlineshop Naturstroh und -heu für Kleintiere vertreibt. Unter dem Markennamen „Samerberger Heustadl“ ist er auch in den sozialen Medien präsent. Dort stellt Stuffer nach eigener Aussage auch „allgemeine bäuerliche Fähigkeiten“ vor und bekomme teils sehr positive Rückmeldungen. Sein Fazit teilte er mit der Versammlung: „Der Bauernhass kommt daher, weil sich keiner auskennt“ und „Da fehlt’s am Marketing“. Er sendete einen Appell an die Regierung, den Beruf des Landwirts besser zu verkaufen, denn „was wir machen, ist wichtig“.
Den Eindruck, dass sich die Politik „wegducke“, hatten neben Köhler auch Kreisobmann Bodmaier sowie einige der Versammelten. Doch auch vom Bauernverband sei in Sachen Volksbegehren laut der Wortmeldung von Georg Heinz zu spät Unterstützung in die Ortsverbände gekommen: „Wir hätten aus allen Rohren feuern sollen, aber es ist keine Munition aus München gekommen.“ Er hätte sich früher Argumente und Fakten gewünscht, um auf Ortsebene über das Begehren aufklären zu können. Der Gastredner aus Unterfranken gab ihm hier recht: Die Initiatoren hätten den Zeitpunkt clever gewählt und man sei zu der Zeit stark mit der Grünen Woche beschäftigt gewesen.
Heinz hofft auf Unterstützung der Politik beim Thema Aushebelung von Zuchttierexporten. „Die Exporte waren in der letzten Milchkrise überlebenswichtig“, machte er den Abgeordneten in der Runde deutlich.
Ein weiteres Thema, das die Rosenheimer Bauern beschäftigt, ist der geplante Bahntrassenbau durch das Inntal. Dieser Brenner-Nordzulauf grabe den Bauern die Existenz ab, so eine Wortmeldung. Weiter wurde in der Versammlung bedauert, dass nur von Lärmschutz gesprochen werde – nicht vom Schutz der Bauern und landwirtschaftlicher Betriebe. Kreisobmann Bodmaier betonte, dass der BBV klar hinter seinen Mitgliedern stehe und diesen Bahnzulauf „sowohl rechtlich als auch ideell“ ablehne. Denn Grund und Boden seien nicht vermehrbar. Wenn überregionales Interesse an der Bahnstrecke bestehe, dann sollen auch die Ausgleichsflächen überregional verteilt werden, forderte er.
Auch der Unmut über den Wolf und die neue Düngeverordnung wurden deutlich beim Kreisbauerntag: Martin Weber, 1. Vorsitzender des Maschinenrings Aibling-Miesbach-München, hält ein baldiges Gespräch mit dem EVP-Politiker Manfred Weber für zielführend in Sachen DüV. „Und zwar vor der Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten“, machte er die Brisanz klar. sas
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