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Neubaugebiet

Radeln gegen die Münchner Pläne

Ludwig Holly
am
03.08.2017

München-Feldmoching - 700 Teilnehmer einer Raldtour verschafften sich einen Eindruck vom geplanten SEM-Gebiet in Feldmoching.

„Radle Dich schlau“ war das Motto einer Veranstaltung der Initiative „Heimatboden München“. Das im März diesen Jahres gegründete Bündnis von Bürgerinnen und Bürgern setzt sich mit Nachdruck gegen die von der Stadt geplante „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) in Feldmoching zur Wehr.
Mit einer Radltour durch das SEM-Gebiet zeigte die Initiative der Bevölkerung die schöne Natur, die wertvollen Anbauflächen für Getreide, Gemüse und andere Feldfrüchte, ferner die in dem Gebiet ansässigen Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe und die Kultur dieser Region. Das alles würde verändert und zerstört werden, wenn die Pläne der Stadt Wirklichkeit würden.
Viele Radler und auch einige Ehrengäste als Unterstützer, unter ihnen aus der Politik der CSU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis München-Nord Bernhard Loos und MdL Joachim Unterländer, fanden sich auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Martin Zech ein, dem Ausgangspunkt der elf Kilometer langen Rundtour.
Auch die BBV-Kreisbäuerin von München Sonja Dirl unterstützte die Aktion. „Nachdem ich erfahren habe, dass eine Informationsradtour stattfindet, bin ich selbstverständlich gerne gekommen, um mich vor Ort über die SEM der Stadt München zu informieren. Diese Pläne können von den betroffenen Landwirten nicht hingenommen werden. Unsere Flächen und Böden sind die Grundlage für die Erzeugung unserer Lebens- und Futtermittel. Durch das ungerechte und eigentumsfeindliche Modell der SEM dürfen den ortsansässigen Bauernfamilien ihre landwirtschaftlichen Produktionsflächen nicht weggenommen werden“, erklärte die Kreisbäuerin.
Die Resonanz der Veranstaltung war hervorragend, denn mehr als 700 Alteingesessene, Betroffene und Münchner aus anderen Stadtvierteln – viele mit Kindern – radelten von Station zu Station.
An diesen erfuhren sie viel Interessantes über die Landwirtschaft, die Gärtnereien und über die Geschichte von Feldmoching und die Sorgen und Ängste der vielen betroffenen Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe.

Einzelne Betriebe stark betroffen

Damit die Radler unterwegs nicht schlapp machten, war an den Stationen auch reichlich für das leibliche Wohl gesorgt. So gab es auf der Station 4 „Milchwirtschaft“ auf dem Milchviehbetrieb Grünwald Joghurt und selbst erzeugten Käse. Der Betrieb wäre besonders stark von der SEM betroffen, denn die Hoffläche und 95 % der Eigentumsflächen liegen im Planungsgebiet. Es ist verständlich, dass Hofinhaber Franz Grünwald deshalb immer wieder schlaflose Nächte hat.
Er möchte für die Zukunft und die nachfolgende Generation planen und investieren, was aufgrund der unsicheren Lage aber völlig unmöglich ist. „Wir sind komplett gegen diese SEM, weil es nicht sein kann, dass die Stadt – ohne uns zu beteiligen – unsere Höfe und Flächen überplant. Ich will von der Stadt nicht hinausgedrückt werden“, erklärte Grünwald.
Eine klare ablehnende Haltung gegen das Mammutprojekt der Landeshauptstadt demonstrierten auf ihrem Gemeinschaftsstand auch der BBV, der Bayerische Jagdverband und der BUND Naturschutz in Bayern (BN). Sie erklärten den Radlerinnen und Radlern, wie große wertvolle Landwirtschafts- und Naturflächen durch die SEM unwiderruflich zerstört würden.
Christian Hierneis, BN-Vorsitzender der Kreisgruppe München, war zufrieden mit der Resonanz, welche die Aktion bei den Radlern fand: „Wir haben gesehen, dass sehr viele Menschen aus ganz München unsere Positionen teilen. Es hat Freude gemacht, sich zusammen mit anderen Verbänden für unser gemeinsames Ziel, nämlich für die Rettung unserer wichtigen Grünflächen und landwirtschaftlichen Flächen einzusetzen. Es wurde auch klar, dass wir nicht gegen etwas sind, sondern im Gegenteil für etwas sehr Wichtiges streiten: Den Erhalt unserer Lebensgrundlagen.“
Auch Georg Angermeir, BBV-Ortsobmann und Vorstand der Jagdgenossenschaft Feldmoching, hat kein Verständnis für die Pläne der Stadt: „Wir sind gegen die SEM, weil die Natur unwiderruflich verloren geht. Dagegen hilft es auch nicht, wenn Parks eingeplant werden. Wir wollen den Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen und keinen Flächenverbrauch durch Versiegelung.“

Auch BBV-Präsident Heidl kritisiert Pläne

Nach einem Gespräch mit den betroffenen Landwirten schrieb BBV-Präsident Heidl unter anderem an Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Am nördlichen Stadtrand von München wirtschaften zahlreiche Bauernhöfe, die die Stadtbewohner mit Lebensmitteln aus der Region versorgen. Die von der Stadt angestoßenen Projekte bedrohen nicht nur die Existenzgrundlage dieser Bauernfamilien, sie führen auch zu einem irreversiblen Verlust von hochwertigen landwirtschaftlichen Flächen. Die betroffenen Landwirte müssen deshalb um die Zukunft ihrer Betriebe fürchten.“
„Mit der SEM hat die Landeshauptstadt sofort das schärfste Schwert des Baugesetzbuches gezückt. Im äußersten Fall droht den Bauern deshalb sogar die Enteignung. Aus Sicht der betroffenen Landwirte verstößt dieses Vorgehen zum jetzigen Zeitpunkt gegen die gesetzlichen Vorgaben. Es liegen nämlich keinerlei Erkenntnisse vor, dass diese Maßnahmen sich nicht auch mit den Mitteln und Instrumenten des allgemeinen Städtebaurechts bewältigen lassen. Die betroffenen Landwirte erwarten, dass ihre Belange und ihre Interessen in die Planung einfließen und auch Berücksichtigung finden“, so der BBV-Präsident.
Da belastbare Daten zur Landwirtschaft in den Planungsbereichen fehlen, führe kein Weg an einer umfassenden Untersuchung und Darstellung des Wirtschaftsfaktors Landwirtschaft vorbei. BBV-Präsident Heidl regte deshalb an, dass die Stadt ein agrarstrukturelles Gutachten zur Landwirtschaft in der Region und zur Versorgung mit regionalen Lebensmitteln auf den Weg bringt.

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