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Rollender Laden - von der Briefmarke bis zur Windel

Götz
Externer Autor
am
27.12.2018

Seit einem halben Jahr betreibt der BRK-Kreisverband Erding einen Rollenden Supermarkt, um die ländliche Bevölkerung trotz Ladensterbens zu versorgen.

SupermarktRoth

Alle Befragten waren sich einig, dass der „Rollende Supermarkt“ im Kreis Erding eine gute Sache ist. Als Reaktion auf das Ladensterben in der Region rief Erdings Kreisgeschäftsführerin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Gisela van der Heijden, diese Aktion ins Leben. „Wer, wenn nicht wir vom Roten Kreuz, soll den Menschen helfen?“, begründet Projektbetreuerin Brigitte Götz, weshalb sich das BRK hier stark engagiert.

Supermarkt-Brenninger

Das Prinzip ist schnell erklärt: Ein begehbarer LKW wird mit Waren des täglichen Bedarfs beladen und fährt durch die Dörfer, macht Halt, wo er am nötigsten gebraucht wird. Und diese Notwendigkeit ist gar nicht so selten – um die 45 Stationen besucht der Fahrer und Verkäufer Matthias Liebl aus Berglern von Montag bis Freitag (vom 24. 12. bis 7. 1. ist der LKW nicht unterwegs). Und das sind nach Aussage von Brigitte Götz nur die Ortschaften, die über keinen Nahversorger verfügen oder explizit beim Roten Kreuz angefragt haben.

Supermarkt_Liebl

So führt Liebl etwa seine Freitagstour bis ins benachbarte Niederbayern nach Aich, Eberspoint und Hauzenbergersöll. Das Fahrzeug stammt aus den Niederlanden, wo dieses Versorgungssystem laut Götz gang und gäbe ist. Von dort habe das BRK den LKW gebraucht gekauft.

Das Notwendige für Jung und Alt

Busaußen

Das Sortiment, das Liebl in dem elf Meter langen Rollenden Supermarkt zu seinen Kunden bringt, ist beeindruckend: Das Angebot reicht von Babynahrung bis hin zur Zahnhaftcreme und wird auch der Saison angepasst. So hat er momentan, auf Kundenanfrage, Glühwein und Lebkuchen dabei. In den warmen Monaten war Gelierzucker stark nachgefragt. Auch Tiefkühlwaren wie etwa Pizza bietet er Station für Station an. Und auch wer frisches Obst und Gemüse oder Backwaren braucht, ist bei Liebl beim Richtigen. Wie im Supermarkt also? Bis auf die Extras Briefmarkenkauf, Geldabheben und die Auslieferung von Arztrezepten schon.

Hinter dem simplen Prinzip steckt einiger Organisationsaufwand, dessen sich Brigitte Götz annimmt, um Liebl „den Rücken freizuhalten“. Die gelernte Konditorin und Feinmechanikerin hat unter anderem die Tourenpläne im Blick, stellt Überlegungen an, wie man noch mehr Stationen unterbringen könnte: „Wir könnten die bisherige Nachfrage in vier Tagen decken“, das ergibt ihre Analyse. Dennoch dürfe keine Station sterben, „und wenn nur ein Kunde kommt“. An dieser Stelle wird – wie so häufig im Gespräch mit den beiden – deutlich, dass der Rollende Supermarkt nicht nur ihr Broterwerb, sondern auch eine Herzenssache geworden ist. „Die Dankbarkeit der Leute ist nicht mit Geld zu bezahlen“, betont Götz.

Verantwortung für die Region übernehmen

Eine weitere Gemeinsamkeit von Matthias Liebl und Brigitte Götz ist ihre landwirtschaftliche Prägung, beide sind auf einem Bauernhof aufgewachsen. „Wir müssen Verantwortung für die Leute in der Region übernehmen“, macht Götz deutlich. Bisher kauft der Rollende Supermarkt seine Lebensmittel zum größten Teil von der Feneberg Lebensmittel GmbH, dem Supermarkt aus dem Allgäu, der auch in Erding angesiedelt und dem BRK-Kreisverband eng verbunden ist. Als „der Mann, der sich deutschlandweit am besten im Supermarkt auskennt“, bezeichnet sich Liebl selbst scherzhaft. Kraut und Kartoffeln stammen von Bauern im Kreis Erding, auch Eier will man demnächst aus der Region beziehen.
Bleiben Lebensmittel übrig und nähern sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum, greift das „geschlossene System“ des BRK und die Waren werden im Kinderhaus Erding oder für den Pausenverkauf an Schulen genutzt, die ebenfalls das BRK betreut.
„Der Rollende Supermarkt ist super für Leute ohne Auto“, sagt die Kundin Corinna Roth aus Kirchasch bei ihrem Einkauf. Auch ihre Kinder kämen gerne. Es erscheint wie eine Dorfattraktion, wenn Matthias Liebl mit seiner Hupe auf sich aufmerksam macht. In Berglern etwa hat sich die Lebensmittelversorgung zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt, bei Liebls Haltestelle hat der Bürgermeister sogar eine Bank für die wartenden Kunden aufstellen lassen. Der Großteil der Kunden ist im Rentenalter, die sich gleich doppelt über die Sitzgelegenheit freuen. Von fünf Minuten bis zu einer halben Stunde bleibt der Rollende Supermarkt bei einer Station, erzählt Liebl. Die kundenstärksten Tage seien Montag und Freitag: „Und die restlichen machen wir auch noch stark“, verbreitet Brigitte Götz weiter positive Stimmung für ihr Herzensprojekt.
Der Tourenplan wird regelmäßig in der örtlichen Presse, dem Erdinger Anzeiger, veröffentlicht und ist im Internet einsehbar unter www.brk-erding.de, Untermenü Angebote, Untermenü Rollender Supermarkt.
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