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Dritter Nationalpark

Runder Tisch für ein heikles Thema

Günther Felßner
Helga Gebendorfer
am
10.04.2017

Neuburg/Donau - Im Jagdschloss Grünau diskutierte Umweltministerin Ulrike Scharf mit Landrat Weigert und betroffenen Bürgermeistern über einen dritten Nationalpark.

Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 eröffnet und 1997 um rund 11 000 ha Staatswald auf insgesamt 24 222 ha erweitert. Der Nationalpark Berchtesgaden, einziger Alpennationalpark in Deutschland mit 20 808 ha, folgte 1978. Nun hat der Bayerische Ministerrat bei seiner Klausurtagung im Juli 2016 in St. Quirin beschlossen, dass ein dritter Nationalpark in Bayern angestrebt wird. Im Moment läuft die Suche nach einem passenden Standort. Die Auswahl einer Region erfolgt nach einem intensiven Dialogprozess mit den örtlichen Kommunen sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Die am besten geeigneten Gebiete zur Ausweisung eines Nationalparks werden anhand feststehender naturschutzfachlicher und -rechtlicher Kriterien ermittelt, wobei vorwiegend Flächen in Staatseigentum in Betracht kommen.
Da unter anderem ein möglicher 3. Nationalpark „Donau-Auwald“ in Frage kommt, war die bayerische Umweltministerium Ulrike Scharf Anfang der Woche zu Besuch in Neuburg/Donau, um die dortigen Donau-Auen zu besichtigen und sich mit politischen Vertretern der Region auszutauschen. Eingeladen war zu einer Rad- und Bustour mit Spaziergängen durch die Auwälder westlich der Stadt und die dynamisierten Donauauen rund um das Jagdschloss Grünau, wo sich alle Beteiligten zum Abschluss des Nachmittages an einem runden Tisch zusammensetzten.
„Die Donauauen, die ich heute live gesehen habe, sind ein ernst zu nehmender Kandidat, denn die Auwälder zählen zu den artenreichsten Wäldern überhaupt“, stellte die Ministerin fest und betonte, dass viele, schöne Aspekte für diese Region sprechen. Grundsätzlich gelte die Vorgabe, dass ein Nationalpark nach internationalem Standard 10 000 ha umfassen soll. Weil hier die Fläche nicht ausreicht, sei es notwendig, weitere Partner zu finden. Mitangedacht sind Flächen entlang der Donau im Bereich der Stadt Ingolstadt sowie der Landkreise Donau-Ries, und Kelheim.
Ulrike Scharf machte Werbung für den Nationalpark als starkes Instrument für den Naturschutz, wo Lebensräume entstehen, die es in der Kulturlandschaft sonst nicht mehr gibt. „Ein neuer Nationalpark ist ein Leuchtturm in Sachen Biodiversität, denn diese sind Hotspots der Artenvielfalt. Vor allem waldspezifische Arten, die beispielsweise auf ausreichend Alt- und Totholz angewiesen sind, können sich in ihrer Vielfalt erhalten und entwickeln.“ Gleichzeitig wird nach ihrer Information der naturnahe Tourismus in Bayern weiter gestärkt. Ein Nationalpark sei ein touristischer Magnet und eine Erholungslandschaft für die Bevölkerung vor Ort. So zählen die beiden bestehenden Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden pro Jahr knapp 3 Mio. Besucher und bringen den beiden Regionen über 68 Mio. € Netto-Wertschöpfung.
Weiter war es Scharf ein Anliegen, häufig gestellte Fragen vorab zu beantworten. So machte sie klar, dass in einem Nationalpark selbstverständlich nach wie vor Wandern und Pilze sammeln möglich sind – eventuell mit Wegegebot an sensiblen Stellen. Ein Nationalpark braucht genauso eine Jagd, sprich ein Wildtiermanagement. Ebenso wurden für die Holznutzung und Brennholzversorgung bisher gute Lösungen gefunden. Zudem gelte ein Bestandschutz für bestehende Anlagen zur Trinkwasserversorgung. Schließlich ist eine klare Abgrenzung mit Kern- und Pflegezone des Nationalparks nötig, sodass die Bedürfnisse der Kommunen berücksichtigt werden können. „Ich möchte heute klarstellen, dass ein Nationalpark in Ihrer Region ein Vorschlag ist, aber kein Muss. Es sollen bei einem ergebnisoffenen Dialog alle Fragen auf den Tisch kommen“, so Scharf, die sämtliche Schwierigkeiten und Themen vor Ort mitnehmen wollte.
Die anwesenden Bürgermeister der Städte und Gemeinden sowie Landrat Roland Weigert standen dem Vorhaben überwiegend grundsätzlich positiv gegenüber, äußerten aber auch eine Reihe von Bedenken und Befürchtungen.
Zug um Zug und ohne Ranking bietet das Umweltministerium den geeigenten Regionen derzeit einen intensiven Dialog über eine mögliche Einrichtung an und danach wird sich der endgültige Standort herauskristallisieren. Anschließend soll gemeinsam mit der ausgewählten Region eine „Architektur“ entwickelt werden – mit Abgrenzung des Gebiets mit einem inhaltlichen Konzept des Schutzgebiets genauso wie mit Ausarbeitung von Impulsen für die Regionalentwickung. Auf Basis des erarbeiteten Konzepts wird danach das Ausweisungsverfahren nach § 24 Bundesnaturschutzgesetz eröffnet. Die Umweltministerin rechnet mit einem Termin im Jahr 2019, bis der dritte Nationalpark endgültig ausgewiesen wird.

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