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Erlebnisort Bauernhof

Schatzsuche auf dem Bauernhof

Spargelhof
Helga Gebendorfer
am
15.05.2017

Gachenbach - Der Spargelhof Koppold veranstaltet Erlebnistage für Besucher rund um das Edelgemüse.

Der Schönauer-Hof in Gachenbach im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist ein traditioneller Familienbetrieb. Seit knapp 30 Jahren bauen Resi und Jakob Koppold schon Schrobenhausener Qualitätsspargel an. Das Besondere: Nach dem Motto „Schatzsuche nach dem weißen Gold“ werden von Mitte April bis Mitte Juni Erlebnistage auf dem Spargelhof angeboten.
Die Familie bewirtschaftet im Nebenerwerb 40 ha, davon 3 ha Spargel. Auf den übrigen Flächen wachsen Kartoffeln, Silo- und Körnermais sowie Ganzpflanzensilage. Die Milchviehhaltung – 26 Kühe mit Nachzucht – wurde im Dezember 2016 aufgegeben.
Nach der Hochzeit im Jahr 1988 übernahm Jakob Koppold mit seiner Frau den elterlichen Betrieb, auf dem von jeher Kühe waren und Kartoffeln angebaut wurden, die über Direktvermarktung verkauft wurden. „Wir wollten damals eine andere Richtung einschlagen und entschlossen uns, in den Spargelanbau einzusteigen, der sich in der Region zu dieser Zeit gerade stark ausweitete. Es gab eine richtige Welle“, erzählt der Landwirt.
Gestartet wurde mit einem Tagwerk. Das Wissen um den Anbau holte sich Koppold über den Spargelerzeugerverband Südbayern, dem er gleich zu Beginn als Mitglied beitrat. „Ich habe außerdem an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen und auch stets die neuesten Entwicklungen auf diesem Sektor – egal ob in Anbau, Sortierung oder Vermarktung – mitgemacht“, blickt er zurück.
Die Voraussetzungen für den Spargelanbau sind im Schrobenhausener Land aufgrund der sandigen Böden ideal. „Wir starteten mit einfachsten Mitteln“, erklärt der 55-Jährige. Die Vermarktung lief gut an, der gesamte Spargel ging in einem dafür eingerichteten Verkaufsraum über die Ladentheke. Der Erfolg führte dazu, dass die Anbaufläche im Laufe der Zeit Schritt für Schritt erweitert wurde. Auch die Direktvermarktung klappte prima, sodass der Verkaufsraum 2004 vergrößert wurde. Er ist in der Spargelzeit täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.
Gleichzeitig fiel damals der Startschuss für die Erlebnistage. „Denn unser Ziel war, Kunden auf den Hof zu holen“, erläutert Koppold den Beweggrund. Was ursprünglich in der Autogarage mit einem kleinen Imbiss begann, wurde für die Familie rasch zu einem Erfolgskonzept. „Die anfänglichen Werbemaßnahmen für unser Angebot brachten bald Früchte und so ist diese Schiene ganz schnell gewachsen – beflügelt auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda“, verrät Resi Koppold. Inzwischen konnte nach Auskunft der gelernten Hauswirtschafterin die Werbung über Flyer und im Internet stark zurückgefahren werden.

Scheune wird zum Spargelstüberl

Da die Gäste auf dem Schönauer-Hof immer mehr wurden, beschlossen die Direktvermarkter vor elf Jahren, die ehemalige Kartoffelscheune zu einem Spargelstüberl mit Platz für bis zu 80 Personen umzubauen. Seitdem ist die Familie optimal gerüstet, um Busgruppen zu empfangen oder auch Feste auszurichten. In der Spargelsaison wird nahezu jeden Tag ein Bus mit 20 bis 80 Leuten empfangen, die sich zwei bis drei Stunden auf dem Betrieb aufhalten.
Dabei besteht die Möglichkeit, dem Spargelbauern über die Schulter zu schauen. Es wird aufs Feld gefahren, wo Jakob Koppold die Gäste in die Geheimnisse des Spargelanbaus einführt und ihnen Wissenswertes über das Edelgemüse vermittelt. „Gerne dürfen dabei alle das Spargelstechen selbst ausprobieren, denn meine Führung soll ja zum Erlebnis werden, bei dem jeder zudem ein Gefühl dafür bekommt, wie hart die Handarbeit ist“, erläutert der Landwirt, der informiert, dass die Besucher wissbegierig sind und aufgeklärt werden möchten. Anschließend geht es zurück auf den Hof, wo alle einen Einblick in die Spargelaufbereitung mit Waschen und Sortieren erhalten.
In der Regel folgt dann eine Verkostung im Spargelstüberl – je nach Tageszeit mit Mittag-, Abendessen oder Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Im Angebot ist ein Spargelgericht am Buffet – bestehend aus Spargel und Kartoffeln vom eigenen Hof mit Sauce Hollandaise, Schweineschnitzel und warmem Wacholderschinken. Das Essen wird von einem 15 km entfernten Catering-Service gekocht und geliefert. Dazu servieren die Gastgeber Getränke. Der Kuchen am Nachmittag ist selbst gebacken. Vor dem Nachhauseweg besteht noch die Gelegenheit, im Hofladen tagesfrischen Schrobenhausener Qualitätsspargel – geschützt nach der geografischen Herkunft (g. g. A) und nach den Richtlinien von QS-GAP – einzukaufen.
Nach der Verabschiedung durch das Betriebsleiterpaar steuert die Gruppe das nächste Ziel an. Hier ist Resi Koppold bei der Auswahl behilflich. Schon bei der Buchung bespricht sie den Tagesablauf und schlägt eine Reihe von Ausflugszielen in der Umgebung vor. Dazu zählen zum Beispiel eine Stadtführung in Schrobenhausen oder Neuburg/Donau, Schloss Sandizell mit Asamkirche, das Freilichtmuseum Haus im Moos, eine Besichtigung der Champignonzucht Schmaus in Pöttmes sowie eine Fahrt zum Spargelmuseum in Schrobenhausen oder zum Hopfenmuseum in Wolnzach.
„In Schrobenhausen sind wir eine gefragte Adresse“, stellt Jakob Koppold mit Stolz fest. Die Besucher schätzen den persönlichen Kontakt und die familiäre Atmosphäre auf dem Schönauer-Hof. „Bei uns gibt es keine Massenabfertigung. Wir haben für jeden ein offenes Ohr und nehmen uns Zeit“, betont Resi Koppold. Die Bäuerin und ihr Mann haben immer ein Lächeln auf den Lippen und tun alles, damit sich die Gäste wohlfühlen. „Wenn wir Besucher haben, steht alles andere still; denn sie gehen vor“, beschreibt sie ihre Einstellung, die auch ihr Mann als qualifizierter Landerlebnis-Führer teilt.
Die Arbeit bewältigen die Spargelerzeuger zusammen mit polnischen Saisonarbeitskräften. Außerdem packen die Kinder Stefan, Thomas und Christiane mit an. Vor allem die Tochter hilft als gelernte Hotelfachfrau in ihrer Freizeit bei der Bewirtung der Gäste und dem Spargelverkauf mit und nimmt sich auch einmal extra Urlaub, wenn es hoch hergeht.
„Zwar ist die Spargelsaison durchaus mit viel Stress verbunden, doch die Arbeit mit den Kunden macht sehr viel Spaß und wir möchten diese Begegnungen nicht mehr missen“, meinen die Direktvermarkter. Sie sind bestrebt, stets die Nase vorn zu haben, und sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen, um die Kunden zu binden, aber genauso neue Gesichter zu gewinnen.
Gut ein Drittel sind Stammkundschaften aus ganz Bayern, die bereits viele Jahre den Weg zum Schönauer-Hof finden. „Es ist bei uns wie in einer großen Familie“, so Jakob und Resi Koppold. Für die Zukunft wünschen sich die beiden, den jetzigen Stand beizubehalten. Sie sind ausgelastet und zufrieden, wie es im Moment läuft. „Wir möchten nicht die größten sein, sondern uns für die Kunden Zeit nehmen und den persönlichen Kontakt pflegen“, fassen sie zusammen und hoffen, dass es in den nächsten Jahren so weitergeht.

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