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Vermarktung

Schlachthof - vorher Pächter, jetzt Besitzer

Traunsteiner Schlachthof
Martina Fischer
am
05.02.2018

Die Erzeugergemeinschaften Traunstein und Miesbach haben den Traunsteiner Schlachthof gekauft.

Die Erzeugergemeinschaften (EG) Miesbach und Traunstein haben einen großen Schritt in Richtung Zukunft getätigt. Seit 2004 hatten sie den Schlachthof Traunstein gepachtet. Nun werden sie dessen Eigentümer. Der Stadtrat hat zugestimmt. Der Vorvertrag ist unterschrieben.

Pläne für die Zukunft gibt es bereits. Die bauen auf das Engagement und die Investitionen der Vergangenheit auf. Dabei wollen die Erzeugergemeinschaften, die zusammen über 4000 Mitglieder zählen, keinen massiv erweiterten Betrieb etablieren, sich aber weiter als Konkurrenz der Großen behaupten und die Vermarktung verbessern. Zudem gelten wie bisher Regionalität, eine positive Zusammenarbeit mit den Landwirten und Kooperationspartnern sowie das Tierwohl als oberste Maximen.

Einen guten Pächter zu haben ist nicht selbstverständlich. Das sah man auch in Traunstein so, wie der Miesbacher EG-Vorsitzende Georg Westenrieder meint. Seitens der Stadt sei man mit der Führung des Schlachthofes durch die beiden landwirtschaftlichen Organisationen sehr angetan gewesen, ebenso von der Idee der Regionalität.

Für die Stadt war der Eigenbetrieb unrentabel

Traunsteiner Schlachthof

Für die Stadt war der Eigenbetrieb unrentabel. „Und wir haben bisher bereits 2,5 Millionen Euro investiert“, erklärt Westenrieder. Die flossen unter anderem in ein komplettes neues Schlachtband, ein Satteldach statt dem nicht als sicher zu bewertenden alten Flachdach, Wandverkleidungen und die Lüftung. An „allen Ecken und Enden“ habe man immer etwas erneuert, so der EG-Vorsitzende.

Dabei gab es aber auch Limitationen durch die bisherige Situation. Die Kühlhäuser sind zu klein. Dementsprechend mussten sie täglich geräumt werden, was sich negativ auf die Preise auswirkte. Im Kühlbereich sollen die Kapazitäten deshalb in etwa verdoppelt werden. Als weitere Neuerungen stehen der Einsatz eines umweltfreundlicheren Kühlmittels an sowie die Vergrößerung der Fahrzeugwaschanlage, bei der es oftmals zu einem gewissen Gedränge kam. Ein angrenzendes Grundstück für die Erweiterungen wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt erworben.

Die Zukunftsperspektiven durch den Kauf des Schlachthofes sieht auch der Traunsteiner EG-Vorsitzende Hans Grabner positiv: „,Mia san mia‘ mag abgedroschen und überzogen selbstbewusst klingen. Aber wenn mit den kooperierenden Erzeugergemeinschaften in Miesbach und Traunstein über 4000 Bauern ihren eigenen Schlachthof unterhalten, ergeben sich daraus für die Vermarktung Perspektiven, die bisher so nicht existent waren.“
Die Menge der Schlachtungen von derzeit jährlich 50 000 bis 60 000 Rindern soll jedoch nicht wesentlich ansteigen. Es sollen keine industriellen Größen angestrebt, sondern eine überschaubare Einheit erhalten werden. Durch die besseren Kühlkapazitäten besteht jedoch kein Druck mehr, sofort zu verkaufen. Chargen können zusammengefasst und bessere Preise erzielt werden.

EGs bleiben eigenständig

Im Rahmen der Zusammenarbeit ergeben sich durch die Neuerungen keine Veränderungen. Die beiden EGs wachsen zwar durch den gemeinsamen Kauf des Schlachthofes ein Stück mehr zusammen, bleiben aber eigenständig. Landwirte, die dies bevorzugen, können weiterhin ihre Tiere beim Schlachthof selbst anliefern und das Fleisch wieder abholen. Regionale Metzger können – auch durch den Kaufvertrag gesichert – weiter im Schlachthof schlachten.

Und natürlich haben die Erzeugergemeinschaften Miesbach und Traunstein auch die Verbraucher und deren Wünsche im Blick, wie Grabner aufzeigt: mit Zertifizierung für Genfreiheit und Bio-Rinderschlachtung, ebenso wie mit vorbildlicher Tierwohl-Orientierung in Haltung, Fütterung, Transport und Schlachtung. „Das sind wir nicht nur dem Konsumenten schuldig, sondern auch unserem Selbstverständnis als moderne, verantwortlich handelnde Landwirte“, erklärt der Traunsteiner Vorsitzende.

Dabei sehen sich die beiden EGs, die bereits lange zusammenarbeiten, als gesunde Konkurrenz auf dem Markt. Oder wie es der Miesbacher Vorsitzende Westenrieder formuliert: „Warum sollte alles den Großen gehören?“

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