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Leader-Projekt

Schönes Zeugnis bäuerlicher Kultur

Hütte mit Kuh
Roland Lory
am
22.01.2018

Bad Kohlgruber Bürger haben einen historischen Blockstadel als Zeugnis bäuerlicher Kultur renoviert.

Hütte mit Kuh

Viele Hände haben heuer in Bad Kohlgrub angepackt und so ein bemerkenswertes Gemeinschaftsprojekt geschaffen: Die Bürger setzten im Rahmen eines Leader-Projekts einen historischen Blockstadel instand und bewahrten damit ein Stück Kulturerbe.
Initiator war der örtliche, 160 Mitglieder starke Kur- und Verkehrsverein, die Idee dafür hatte Florian Lory. Im Herbst 2015 schaute man sich mehrere Stadel an. In der Nähe des Weilers Großenast wurde man fündig. Der Besitzer Michael Gindhart (Kittlbauer) unterstützte das Projekt und verpachtete die Hütte für einen symbolischen Betrag.
Der umgebende Hang wurde entwässert, der Stadl angehoben, ein neues Fundament gelegt, das Dach und defekte Bauteile wurden ausgetauscht. Zudem brachte man Informationstafeln an, die die Themen Wiesmahd und Blockstadel beleuchten, und installierte eine Sitzecke. „Jeder hat das gemacht, was er am besten kann“, sagt Gerti Lang, Schriftführerin des Kur- und Verkehrsvereins. Sie war für die Koordination zwischen dem Verein und den Verantwortlichen des EU-Förderprogramms Leader verantwortlich. Mit angepackt haben auch Mitglieder des Handwerkervereins Bad Kohlgrub-Saulgrub.
Im Frühling war das Dach montiert und neu eingedeckt, ein paar Monate später wurde das Zeugnis bäuerlicher Kultur dann im Rahmen eines Wiesmahdfests eingeweiht. Nach mehr als 1000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Die Gesamtkosten lagen bei rund 15 000 €.

Neben Infotafeln gibt es auch historische Maschinen

historsiche Maschinen

Der Standort ist auch in touristischer Hinsicht geeignet. Denn der Stadel steht direkt neben dem Elmau-Wiesweg zwischen Grafenaschau und Bad Kohlgrub. Dieser konnte mit dem bereits vorhandenen Wiesmahdweg der Tourismusgemeinschaft Ammergauer Alpen zusammengeschlossen werden. Letzterer verbindet Bad Kohlgrub und Oberammergau. „Der Platz ist super“, betont Thomas Lang, der an dem Projekt ebenfalls beteiligt war.
Im Inneren der Hütte kann der Wanderer nicht nur die Infotafeln studieren, sondern auch historische Werkzeuge und Maschinen bestaunen, die für die Wiesmahd benötigt wurden. Darunter ist zum Beispiel ein McCormick-Mähwerk von 1952. Der Stadl war 1903 durch einen Anbau erweitert worden. Damals wurde auch die dem Wetter zugewandte Seite mit einfachen Brettern verschalt.
Die Stadel dienten den Bauern bis in die 1980er-Jahre hinein dazu, das gemähte Wiesheu einzulagern. Im Winter, wenn Zeit und Wetter es erlaubten, brachten sie es dann mit dem Schlitten nach Hause. Gebaut wurden die Blockstadel aus Rundhölzern, die wenig bearbeitet werden mussten und dem Wetter trotzten. Mit zunehmender Technisierung waren die Holzgebäude als Heulager nicht mehr nötig. „Es gibt schon noch etliche“, sagt Thomas Lang, „aber es werden jährlich weniger.“
Häufiger als im Bad Kohlgruber Gebiet sind solche Blockstadel noch in der Gegend rund um Garmisch-Partenkirchen sowie im Raum Mittenwald anzutreffen. Darauf weist Nikolaus Onnich hin, Ehrenkreis­obmann des Bayerischen Bauernverbands aus Bad Kohlgrub. Und er macht darauf aufmerksam, dass die Stadel auch eine gewisse Rolle spielen in der Bewerbung um den Titel Unesco-Weltkulturerbe. Ins Rennen ging der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit den Mittenwalder Buckelwiesen, dem Murnauer Moos und der Ammertaler Wiesmahd. Die Initiative seiner Bad Kohlgruber Mitbürger in Sachen Blockstadel gefällt Onnich. „Ich finde gut, dass man das erhält.“

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