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Pferdehaltung

Schritt für Schritt zum Reiterhof

Kinoabend-Hölzl_B
Externer Autor
am
22.10.2018

Familie Hölzl betreibt einen vielseitigen Betrieb mit Fokus auf Pensionspferdehaltung. Das Miteinander wird auch mit Kino und Springturnieren gepflegt.

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Wir sind eine große Reiterfamilie und bei uns rührt sich immer etwas.“ So lautet das Fazit von Evi und Hans Hölzl aus Tüntenhausen im Landkreis Freising. Die Hauswirtschaftsmeisterin und der Landwirtschaftsmeister bewirtschaften im Vollerwerb den „Hintermoar“-Hof mit 8 ha Wald und 50 ha LN, davon 23 ha Wiesen und 27 ha Ackerbau mit Anbau von Mais, Hafer, Gerste und Weizen. Schwerpunkt ist die Pensionspferdehaltung mit 40 Einstellplätzen und Hofpony Billy.

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Das war nicht immer so, denn der elterliche Betrieb setzte auf Bullenmast, wenn auch bereits zwei Ponys im Stall standen. Den Grundstock für die Umstrukturierung legte Evi Hölzl mit zwei Pferden, die sie vor 34 Jahren mit in die Ehe brachte. „Mein Interesse galt immer schon den Pferden und meine ersten Tiere bekam ich im Elternhaus schon als Jugendliche“, erzählt sie. Vier Jahre später wurde der Hof an die jüngere Generation übergeben und bereits der erste Stall für fünf Pferde gebaut.

Dann ging es weiter mit der Aufstockung von fünf auf zehn Tiere. „Die Nachfrage war immer vorhanden, sodass sich alles nach und nach still und leise entwickelte“, erklärt Hans Hölzl. Nach Auskunft des 60-jährigen Betriebsleiters wurden bis 1997 bereits 18 Plätze für Pensionspferde bereitgestellt. „In diesem Jahr fiel dann die Entscheidung, dass die Pferde mit der Zeit die Bullen ablösen sollen“, informiert er. So wurde eine Reithalle gebaut, die Bullenzahl halbiert und stattdessen auf 30 Pferdeboxen aufgestockt. 2002 verabschiedeten sich die Hölzls vom letzten Bullen und schufen damit freie Kapazitäten für weitere zehn Pferdeboxen.
„Unser Betrieb, wie er heute dasteht, hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Die Anfangsjahre waren hart und mit viel Handarbeit verbunden“, so die Bäuerin. Sie ist sich zusammen mit ihrem Mann stets bewusst, dass sie Dienstleister sind und ihren Kunden etwas bieten müssen.
So steht die 20 x 40 m große Reithalle den sportlichen Freizeitreitern von 7 bis 22 Uhr zur Bewegung ihrer Tiere zur freien Verfügung. Hinzu kommen ein zusätzlicher Reit- und Springplatz, eine Galoppbahn, Waschplatz und Solarium sowie Schmiedestand und Sattelkammer. „Wir tun alles, damit es den Tieren gut geht. Dazu gehört, dass diese täglichen Weidegang – auch im Winter auf speziellen Koppeln – genießen“, stellt der Landwirt fest, der diese Schiene schon von Anfang an fährt. Das zahlt sich aus, denn die Kunden am Hölzl-Hof sind fast ausnahmslos langfristige und treue Einsteller, die den Service vor Ort schätzen. Punkten kann der Hof mit seiner Dorfrandlage und guten Ausreitmöglichkeiten rund um den Betrieb sowie der Stadtnähe zu Freising.

Wie eine große Familie

Freilich musste sich die Familie umstellen und an den regen Betrieb auf ihrem Anwesen gewöhnen. „Es galt, in den Sektor hineinzuwachsen. Doch inzwischen sind wir wie eine große Familie, in der Harmonie und gegenseitiger Respekt herrschen“, verrät Evi Hölzl, der der Kontakt zu den Menschen viel Spaß bereitet und die langjährige Erfahrungen sowie viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis mitbringt.
Seit über 25 Jahren bringt sie sich zudem als Ortsbäuerin ein. „Das bin ich aus Überzeugung, denn ich habe schon immer gerne Dinge auf die Beine gestellt. Die Organisation vieler Bastelabende, Kochkurse, Ausflüge und Weihnachtsbasare in dieser Zeit hat stets Spaß gemacht“, so die Bäuerin, die sich tatkräftig dafür einsetzt, dass Bäuerinnen und Landfrauen zusammenkommen und miteinander etwas unternehmen.
Die Hauswirtschaftsmeisterin versucht, mit ihrem Wissen und Können ebenso den Reitern am Hof bei zahlreichen Gelegenheiten eine Freude zu machen, was diese sehr gerne annehmen. „Für uns war eine familiäre Atmosphäre immer wichtig“, so die 57-Jährige, die darauf bedacht ist, das Miteinander zu fördern. So gibt es beispielsweise eine Reihe von Bänken, die zum Verweilen einladen, und ein Reiterstüberl, wo man sich zum Kaffeetrinken treffen kann. Dennoch blieben bis heute Reiterhof und Wohnbereich getrennt voneinander. „Wir möchten uns unsere Privatsphäre bewahren, was die Reiter respektieren“, erklärt sie.

Kinoabende und mehr

Nichtsdestotrotz ist auf dem Betrieb rund ums Jahr etwas geboten. Kürzlich luden die Hölzls – wie schon seit zehn Jahren – zum Kinoabend am Hof ein. „Dazu suchen wir immer einen Spätsommertag aus, wenn es zeitig dunkel wird“, betont die Bäuerin. Gäste sind Familie, Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn und Reiter. „Einfach alle, die nicht in den Urlaub gefahren sind.“ Die meisten Besucher bringen ihre Sitzmöglichkeit, z. B. Liege- oder Gartenstühle selbst mit. Evi Hölzl besorgt für alle eine typische „Kino-Verpflegung“ mit Chips, Popcorn und Gummibärchen sowie Bier und Mischgetränke.
Die 60 bis 70 Gäste finden im Innenhof vor dem Wohnhaus locker Platz. Jedes Jahr ist es eine Überraschung, welcher Film gezeigt wird. Die Familie sucht diesen selbst aus, kauft ihn und schaut ihn vorher an. „Es sind meistens Komödien mit Hintergrund“, teilt Evi Hölzl mit. Als Leinwand dient die weiße Wand der Lagerhalle und die notwendige technische Ausrüstung, die Sohn Michael bedient, bringen Freunde mit. „Diese Aktion trägt zum Miteinander bei. Die Leute kommen zusammen und identifizieren sich mit unserem Hof“, freut sich das Ehepaar.
Neben den monatlichen Stammtischen im Reiterstüberl gibt es auch eine kleine Weihnachtsfeier mit Evis Plätzchen. Am Silvestertag folgt der „Sprung ins neue Jahr“, bei dem die Betriebsleiterin ebenfalls für das leibliche Wohl sorgt. Schließlich vervollständigt das jährliche, hofinterne Gaudi-Turnier mit Pizza aus dem Brotbackofen.
„Die Entscheidung für Pferde war für unseren Hof ideal. Das Ziel war damals, die Landwirtschaft zu erhalten und das ist uns gelungen“, stellen Evi und Hans Hölzl, Eltern dreier Söhne im Alter von 26 bis 30 Jahren, fest. Sie sind zufrieden über die Entwicklung ihres Betriebes, den sie so strukturiert haben, dass sie ihn zu zweit managen können. Beim Blick in die Zukunft wünschen sich die beiden, dass der Betrieb weitergeht. Sohn Michael mit dem Berufsabschluss Landwirt über das „BiLa“-Programm, der zurzeit als Schreinermeister arbeitet, hätte jedenfalls alle Voraussetzungen dafür. HG
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