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Bergschafe

Schwarzbraune Liebe

Familie Bartl
Helga Gebendorfer
am
06.07.2017

Sünzhausen - Martin Bartl züchtet seit 25 Jahren Bergschafe. Mit sieben Jahren kaufte er sich seinen ersten braunen Bock. Mittlerweile stehen in fast allen bayerischen Herden braune Böcke aus seiner Zucht. Wichtig ist Bartl die genetische Vielfalt.

Bergschafe haben es ihm angetan – egal ob braun, schwarz oder gescheckt. Seine ersten fünf Mutterschafe bekam Martin Bartl aus Sünzhausen bei Freising mit nur sieben Jahren. Damals erfüllten ihm seine Eltern damit einen Weihnachtswunsch. Denn die Begeisterung für Schafe entstand beim Ferienaufenthalt bei seinem Großonkel, der eine kleine Milchschafherde besaß. „Dann habe ich zum ersten Mal beim ZLF in München Bergschafe gesehen. Sie gefielen mir aufgrund der langen Ohren und waren etwas Besonderes fürs Auge“, erzählt der heute 32-Jährige.
So fiel der Startschuss für seine Schafzucht – zunächst mit weißen Bergschafen. „Kurz nachdem ich stolzer Besitzer von fünf weißen Bergschafen war, begegnete ich einem braunen, sehr seltenen Exemplar und ich wollte unbedingt ein solches haben“, erinnerte er sich. Da über kurz oder lang ein Bock benötigt wurde, fuhren Vater und Sohn auf die Versteigerung nach Weilheim. Mit Unterstützung der Eltern erhielt Martin Bartl dort den Zuschlag für den mit 1200 DM teuersten, braunen Bergschaf-Zuchtbock. „Dafür setzte ich all mein erspartes Geld ein und war ganz stolz auf meine Errungenschaft“, so der Schafhalter.

Mit 12 Jahren Mitglied beim Zuchtverband

Bartl auf dem ZLF

Nach weiteren zwei Jahren stieg er komplett auf Braune Bergschafe um. „Mein Ziel war schon immer die Züchtung“, verrät er. Deshalb stellte er bereits mit zwölf Jahren einen Aufnahmeantrag für die Bayerische Herdbuchgesellschaft, was ihm mit der Unterschrift der Eltern auch genehmigt wurde.
Inzwischen ist Martin Bartl verheiratet und hat mit seiner Frau Evi zwei Buben. Im Hauptberuf ist er Bankkaufmann und unterstützt zusammen mit Bruder Hubert seine Eltern, die im Haupterwerb einen Betrieb mit 36 ha Ackerland, 20 ha Grünland und 15 ha Wald bewirtschaften. Die intensive Bullenmast wurde bereits vor 17 Jahren auf extensive Grünlandnutzung und Landschaftspflege mit Mutterkühen umgestellt. Parallel dazu entwickelte sich die Schafhaltung als eigener Betriebszweig von Sohn Martin, der aktuell 100 Mutterschafe – je 50 braune und 50 schwarze – hält. Sie bietet sich an, da die Region durch sehr viel steiles, schwer zu bewirtschaftendes Grünland gekennzeichnet ist. „Über Schafe können diese Flächen genutzt werden. Außerdem verursachen die Tiere fast keine Trittschäden“, erläutert Bartl. Hinzu kommen die relativ nassen Standorte im Freisinger Moos und das FFH-Gebiet, welche zum Teil in Wechselweide mit den Mutterkühen betrieben werden.

Bergschafe sind sehr fruchtbar

Bartl mit Elektronetz

Martin Bartl ist begeistert von den positiven Eigenschaften seiner Bergschafe. Denn sie vertragen sowohl niedrige Temperaturen und sehr viel Niederschlag als auch hohe Temperaturen im Sommer. Charakteristisch ist ihre lang abwachsende Wolle, die aufgrund ihres schnellen Wachstums zweimal jährlich geschoren wird. Die Rasse punktet zudem mit einer sehr hohen Fruchtbarkeit, sodass in der Regel Zwillinge zur Welt kommen. Durch ihre Asaisonalität fallen die Lämmer das ganze Jahr über, weshalb gut auf den Markt reagiert werden kann.
Ein Pluspunkt in der Vermarktung ist die hohe Fleischqualität. Wegen des intramuskulären Fettes sind Bergschafe absolute Spitzenreiter in der Zartheit und neigen nicht zur Verfettung. „Deshalb eignen sie sich ideal für die Direktvermarktung“, fasst der 32-Jährige zusammen. Sogar die Wolle bringt mit mehr als 1 €/kg einen erfreulichen Erlös. Der Grund: Nach schlechter Nachfrage bis vor wenigen Jahren hat sich ein totaler Trend nach Schafwolle mit brauner und schwarzer Naturfarbe vollzogen. „Heute ist die Bergschaf-Wolle sehr gesucht. Die eher gröbere Struktur eignet sich zur Herstellung von naturfarbenem Loden“, informiert der Nebenerwerbslandwirt. Sein Hauptabnehmer ist ein Familienbetrieb mit Wollhandel und Filzwerkstatt.
Die robusten Bergschafe sind sehr genügsam und werden mit eigenen Futtermitteln sowie Mineralfutter gefüttert. Im Sommer fressen sie Gras auf der Weide und im Winter Heu. In der Säugezeit gibt es zudem etwas Gerste und Hafer.
Die Herde ist auf insgesamt 15 ha Landschaftspflegeflächen, z. B. Magerrasen und Moorflächen, im Einsatz. Neben der Unterstützung für die Landschaftspflege erhält der Schafhalter zudem eine Förderung für gefährdete Rassen in Höhe von 25 € je Schaf und Jahr. Diese Förderung ist auf maximal 3000 € pro Betrieb beschränkt.
Bis auf maximal drei Monate sind die Tiere komplett auf der Weide – mit Weideunterstand für die Hitze. Die Ablammung  erfolgt gezielt im Frühjahr und Herbst. Dafür werden nach Rassen getrennte Gruppen gebildet. Die Schafe lammen in zwei Jahren dreimal. Das geschieht auf der Weide. Danach verbringen Mutterschafe und Lämmer die ersten zwei bis drei Tage in einer separaten Ablammbox im Stall – aus Vorsicht vor Füchsen und Krähen, die den Neugeborenen gefährlich werden können.

Bartl-Böcke in allen bayerischen Ställen

Die Bock-Lämmer werden im Alter von vier Monaten abgesetzt und sind nach Zugabe von Kraftfutter spätestens mit fünf Monaten schlachtreif. Die weiblichen Lämmer werden in der Regel mit sechs bis zwölf Monaten verkauft – bis vor rund drei Jahren ausschließlich zur Zucht nach Südtirol, Österreich und in die Schweiz. Doch seit der TSE-Problematik (Scrapie) ist weder ein Verkauf ins Ausland oder ein Einkauf von frischem Zuchtmaterial aus dem Ausland mehr möglich (Wochenblatt 29/2016). „Das ist sehr bedauernswert. Gerade bei diesen seltenen Rassen ist ein genetischer Austausch umso wichtiger“, meint der Züchter. Nach seiner Auskunft gibt es in Deutschland derzeit vom Braunen Bergschaf noch 1200 und vom Schwarzen Bergschaf noch 120 Mutterschafe. Von letzterem stehen alleine 50 Mutterschafe im Betrieb von Bartl und alle bayerischen Bergschaf-Betriebe besitzen einen Bock aus seinem Stall.
Der Züchter versucht durch gezielten Einsatz der verschiedenen, vorhandenen Blutlinien so lang wie möglich eine genetische Vielfalt aufrecht zu erhalten. „Das Züchten macht mir großen Spaß. Jede Lammung ist eine Überraschung, denn man weiß nie, ob es so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat“, erzählt er. A und O ist in jedem Fall entsprechende Leidenschaft sowie ein gutes Auge und Gespür, ob sich ein Tier für die Zucht eignet oder nicht. Positiv empfindet er dabei die sehr gute Kollegialität und Vernetzung unter den Züchtern – sowohl national als auch international. Als Beispiel führt Bartl die deutschlandweite Arbeitsgemeinschaft „Farbiges Bergschaf“ an, deren Vorsitzender er ist.
In der Züchtung verfolgt Martin Bartl seine Ziele durch strenge Selektion. Ideal sind ein ramsnasiger Kopf mit langen Ohren und Wollschopf, die einen gewissen Adel ausstrahlen, extrem gutes Fundament und harte Klauen sowie gute Muttereigenschaften. Nur die Schafe, die diese Kriterien erfüllen, kommen in die Zucht“, teilt er mit. Mit dieser Strategie hat er es geschafft, dass die Tiere langlebig und unkompliziert in der Haltung sind. „Das ist der Lohn, dass ich so konsequent war“, freut er sich.
Als Züchter ist Martin Bartl auf vielen Ausstellungen und Schauen unterwegs. Seine größten Erfolge: zweimal Gruppensieger sowie Reserve-Gesamtsieger bei der 1. Internationalen Kilberausstellung in Innsbruck, ZLF-Sieger 2014, Sieger bei den Bergschafen bei der Grünen Woche 2016 in Berlin sowie zweimal Bayernsieger bei der jährlichen Glentleiten-Ausstellung.

Begehrt sind Zucht- und Schlachttiere

Sowohl Zuchttiere als auch Schlachttiere sind sehr begehrt. So werden Zuchtböcke über die Bayerische Herdbuchgesellschaft auf Märkten versteigert. Seit heuer besteht erfreulicherweise in Deutschland, vor allem im Saarland und Nordrhein-Westfalen, Interesse und große Nachfrage nach weiblichen Zuchttieren. „Ein Lichtblick nach der schwierigen Vermarktungsphase, in der sehr gute Zuchttiere geschlachtet wurden“, bemerkt er. Die Preise für Zuchttiere beginnen ab 200 €, wobei es nach oben für besonders schöne Exemplare keine Grenze gibt.
Die Fleischvermarktung konzentriert sich auf Frühjahr und Herbst. Die Lämmer mit 45 bis 46 kg Lebendgewicht werden in einer 10 km entfernten EU-zertifizierten Schlachtstätte geschlachtet und erzielen 20 bis 22 kg Schlachtgewicht. Abnehmer sind Privathaushalte sowie regionale Gaststätten, die die grob zerlegten Teilstücke direkt beim Metzger abholen. Pro Kilogramm werden 10 bis 11 € erlöst.
Beim Blick in die Zukunft bekräftigt Martin Bartl, dass er auf alle Fälle mit den Schafen selbstständig bleiben will – egal wie die Entwicklung weitergeht. Die Größenordnung wie jetzt soll beibehalten werden. Langfristig setzt er sich zum Ziel, einen neuen, auf die speziellen Bedürfnisse zugeschnittenen Stall zu bauen und schließlich hat er sich vorgenommen, über das Bildungsprogramm Landwirt (BiLa) die Ausbildung zum Tierwirt/Fachrichtung Schafe zu absolvieren.
Wer sich für die Haltung und Zucht von Braunen, Schwarzen oder Gescheckten Bergschafen interessiert, findet unter www.braunesbergschaf.de ausführliche Informationen. Neben Rassebeschreibungen und Terminen ist hier eine Liste der Züchter zu finden.

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