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Behördenwillkür

Jetzt stören die Hühner die Landschaft

Roland Lory
am
07.12.2017

Landwirt bekommt vom Landratsamt Zahlungsaufforderung: Rudolf Heidrich soll für mobilen Hühnerstall Ersatzgeld zahlen

mobiler Hühnerstall

Rudolf Heidrich kann nur den Kopf schütteln. „Wir machen genau das, was sich der Verbraucher wünscht – und auch die Politik.“ Und dennoch soll er 3400 € in den Bayerischen Naturschutzfonds einbezahlen. Der Grund: Der mobile Hühnerstall des Landwirts aus Frohnloh (Gemeinde Krailling) beeinträchtigt aus Sicht des Starnberger Landratsamts das Landschaftsbild.

Bis Anfang der 90er-Jahre hatten Heidrichs Schweine. 1999 schwenkten sie auf Hühner um. Bis vor ein paar Monaten hatte die Familie 1000 Legehennen in Bodenhaltung. Dann investierte sie in einen rund 17 m langen mobilen Stall für weitere 1000 Hühner.

Auf der Wiese, die in der Nähe des Hofs liegt, herrscht geschäftiges Treiben. Ein Ziegenbock und drei Geißen sorgen dafür, dass Greifvögel keine Beute machen. Alle paar Wochen wird der Stall zur Bodenschonung ein Stück versetzt. Die Eier sind in Direktvermarktung nur ab Hof erhältlich.

Dass er nun für diese Freilandhaltung Ersatzgeld zahlen soll, kann Rudolf Heidrich nicht nachvollziehen. „Das ist Unsinn.“ Seine Kunden sagten in Bezug auf den mobilen Stall: „Das ist doch keine Beeinträchtigung, das ist eine Bereicherung.“ Auch seine Frau Petra betont: „Wir haben nur positive Resonanz.“ Die Forderung des Landratsamts verstehe keiner. Wobei es Rudolf Heidrich nicht um das Geld geht, sondern ums Prinzip.

Laut Standberger Landratsamt stört Hühnerstall das Landschaftsbild

Die Kreisbehörde begründete ihre Forderung so: „Aufgrund der Gebäude- und Einzäunungswirkung wird bislang unversiegelter landwirtschaftlich genutzter Grund und Boden in nicht unerheblichem Ausmaß beansprucht und hauptsächlich das Landschaftsbild beeinträchtigt.“ Die Anlage stehe in seiner vom Ort abgesetzten Lage relativ offen und einsichtig in der Landschaft. Das Projekt habe „erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft“ zur Folge.

„Das sehe ich nicht ein“, betont Heidrich. Daher hat er Klage beim Bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht. Nach Heidrichs Nachforschungen mussten Landwirte in umliegenden Landkreisen kein Ersatzgeld für ihren mobilen Hühnerstall zahlen.

Für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen trifft dies zu. „Es gibt einen mobilen Hühnerstall, damals wurde jedoch keine Ausgleichszahlung erhoben, da der naturschutzfachliche Ausgleich über die Herstellung einer düngerfrei bewirtschafteten Extensivwiese geleistet wurde“, teilt Sabine Schmid von der Pressestelle des zuständigen Landratsamts mit. „Dennoch wäre es theoretisch denkbar, dass der Landkreis eine Ersatzzahlung für einen mobilen Hühnerstall erhebt.“ Dies könne in Schutzgebieten der Fall sein.

Im Landratsamt Dachau sieht man es ähnlich

Mobiler Hühnerstall

Im Landratsamt Dachau sieht man es ähnlich. Der Medienbeauftragte Wolfgang Reichelt: „Je nach Sensibilität des Standortes und des Umfangs der Anlage kann auch ein mobiler Hühnerstall zu einer erheblichen Beeinträchtigung von Natur und Landschaft führen.“ Mit der Folge, dass mangels Möglichkeit einer Naturalkompensation eine Ersatzgeldzahlung erforderlich werden könne.

In den vergangenen zwei Jahren hatte das Landratsamt Dachau sechs Pläne für mobile Hühnerställe auf dem Tisch. In keinem dieser Fälle wurde laut Reichelt bislang eine Ersatzgeldzahlung verlangt. „Es waren allerdings allesamt kleinere Vorhaben auf unproblematischen Standorten.“

Vereinzelt hat auch der Landkreis Weilheim-Schongau Genehmigungen für mobile Hühnerställe erteilt. „Soweit dafür naturschutzfachlicher Ausgleich zu erbringen war, konnte dies durch Ausgleichsmaßnahmen erfolgen“, erklärt Pressesprecher Hans Rehbehn. Ersatzgelder seien nicht erforderlich gewesen. „Selbstverständlich ist dies aber im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften auch bei uns denkbar.“

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