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Agrar-Familie 2017

Tradition und Fortschritt

Agrarfamilie 2017
Martina Fischer
am
27.09.2017

Der Huberhof von Familie Gramsamer steht auf drei Beinen: Milchwirtschaft, Energiegewinnung, Gästebeherbergung. Viel Arbeit, aber genau da setzen die jungen Betriebsleiter an, damit das Familienleben nicht auf der Strecke bleibt.

Agrarfamilie 2017

Die Übergabe eines gut geführten Betriebes ist für die Nachfolger eine wunderbare Basis. Sie könnte die Versuchung mit sich bringen, dass man es erst einmal langsamer angehen lässt. Andererseits kann sie auch ein Ansporn sein, so solide weiterzuarbeiten und zudem immer wieder Verbesserungen anzupacken. Genau das ist bei Familie Gramsamer der Fall. Sie gewann mit ihrem Huberhof in Ollerding (Lks. Traunstein) den Preis in der Kategorie „Jungunternehmer“ des Wettbewerbs „Agrar-Familie“. Das Motto des Beitrags:  „Optimale Wertschöpfung aus drei Betriebszweigen“. Das sind die Milchviehwirtschaft, erneuerbare Energien und Urlaub auf dem Bauernhof. Alle drei Bereiche wurden auf dem Huberhof effektiver organisiert und mit sehr guten Synergieeffekten aufeinander ausgerichtet.

Schon die Senioren hatten Mut zu Neuem

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Vor drei Jahren übernahm Michael (31) zusammen mit seiner Frau Sophia (30) den Betrieb der Eltern Sepp und Marile Gramsamer. Der wird bereits seit 28 Jahren nach Naturland-Richtlinien bewirtschaftet; zu dieser Zeit noch außergewöhnlich, wie Michael Gramsamer erklärt: „Damals haben die Leute zu meinem Vater gesagt: Du spinnst.“ Das Gegenteil war der Fall. Die Wirtschaftsweise auf dem Hof hat sich bewährt.
Zum Hof gehören  45 Kühe, rund 43 Hektar Fläche mit Dauergrünland, Triticale, Mais und Kleegras sowie 25 Hektar Wald. Um die Effizienz zu steigern hat das junge Betriebsleiterehepaar verschiedene Maßnahmen ergriffen. Durch optimierte Fütterung konnte die Milchleistung gesteigert, durch wenig eigenen Maschinenkauf Kosten reduziert werden.
Die Energiewirtschaft, mit der bereits die Senioren begannen, baute Michael Gramsamer weiter aus. Mit der Photovoltaik-Anlage (250 kW) können circa 50 Prozent des Eigenverbrauchs an Strom abgedeckt werden. Die 30 kW der Holzvergaseranlage, die neu angeschafft wurde, werden ins Netz eingespeist. Die Abwärme wird für das Trocknen von Heu und Getreide, zur Heizung des Wohngebäudes  und der Ferienwohnungen genutzt. An besonders kalten Tagen schaltet sich noch eine Hackschnitzelheizung zu. Außerdem ist ein Pufferspeicher für 75 000 Liter Warmwasser vorhanden. So konnte die bestmögliche Versorgungssicherheit erreicht werden. „Das muss man bei Urlaub auf dem Bauernhof gewährleisten und ist durchaus eine Herausforderung bei Eigenversorgung, denn die Belegtage  in der kälteren Zeit, beispielsweise an Ostern und in den Herbstferien sind mehr geworden,“ erklärt Sophia Gramsamer.
In diesem dritten Betriebszweig mit zehn Ferienwohnungen und neun Plätzen für Camper wurde ebenfalls einiges angepackt: Die Camper haben nun ein eigenes Sanitärgebäude und Stromverteilerkästen. „Bei den Eltern war der Campingplatz mehr ein Versuch, ob es  überhaupt klappen könnte,“ erläutert Michael Gramsamer. Außerdem hat die junge Generation die Ferienwohnungen und ein Ferienchalet renoviert. Im Erdgeschoss des großen Ferienhauses befindet sich nun in der früheren Garage eine beheizte Spielscheune mit Rutsche, Kicker und Puppenküche. Zudem wurde dort das „Huberhof-Stüberl“ eingerichtet. „Das ist einer der wichtigsten Räume, in dem sich die Leute begegnen können,“ so ­Sophia Gramsamer.  
Als Zielgruppe des „Ferienparadies Huberhof“ sieht die Betriebsleiterin Familien mit Kindern. Und die können jede Menge erleben. Besonders beliebt ist natürlich der Streichelzoo  mit  Ponys,  Hängebauchschwein, Hasen, Katzen, Hofhund. Die Kinder dürfen auch Kälber tränken und von den Hennen Frühstückseier holen.  
Für sportliche Betätigung gibt es einen großen Spielplatz, aber auch Kettcars. Ein weiteres Highlight ist natürlich der Swimmingpool. Der wurde renoviert und ist aufgrund der Neuerungen im Energiewirtschaftsbereich nun beheizt; die Gäste sind begeistert.

Die Gäste erleben Land und Landwirtschaft

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Zudem sind für die Urlauber verschiedene Aktionen geboten. Montags ein Besuch im Hofcafé „Mühlradl“ von Famile Leitner in Mühlham. Pizzabacken steht mittwochs auf dem Plan, Kaffee und Kuchen am Donnerstagnachmittag. Jeden Dienstag bietet Michael Gramsamer Betriebsführungen an: „Mir liegt Öffentlichkeitsarbeit am Herzen. Ich möchte, dass die Leute, die zu uns kommen, hinterher auch etwas mehr über Landwirtschaft wissen.“  
Bei seinen Führungen bringt er  den Gästen seine Arbeitsbereiche näher: Stall und Energiewirtschaft. Seine Frau betreut alles rund um den Betriebszweig Urlaub auf dem Bauernhof, den Haushalt und kümmert sich natürlich um die  Kinder Miriam (6), Heidi (3), Laura (2) und David (8 Wochen). Auch die Senioren helfen mit, sind aber nicht so fest verplant, dass ihr Ruhestand zu kurz kommt. Zudem sind auf dem Hof eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte tätig.
Der Huberhof wurde „gut bestellt“ übernommen und durch die junge Generation weiter verbessert. Arbeitsentlastung sehen Sophia und Michael Gramsamer dabei auch als richtigen und wichtigen Schritt in die Zukunft: „Wir wollen weiter dranbleiben und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Familienleben nicht auf der Strecke bleibt.“

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