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Öffentlichkeit

Verbraucher - Paradebeispiel für Dialog

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Gabriele Rütsch
am
11.03.2019

Branchennachwuchs der Holzkirchener Landwirtschaftsschule tauscht sich aus.

Das Verständnis der Verbraucher gegenüber der Landwirtschaft fehlt oftmals. Die Moderatorinnen der Diskussionsrunde in der Landwirtschaftsschule Holzkirchen, Barbara Huber aus Bad Aibling und Regina Sindlhauser aus Benediktbeuren, bezogen sich auf das aktuelle Beispiel des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“: Die Fronten zwischen Verbrauchern und Landwirten sind verhärtet, die Notwendigkeit eines Erzeuger-Verbraucher-Dialogs wird immer deutlicher. Daher informierten die angehenden Landwirtschaftsmeister/-innen ihre Mitstudierenden aus der Hauswirtschaft über moderne Landwirtschaft. Die Studierenden der Landwirtschaftsschule Holzkirchen hielten im Rahmen des Fachs Rhetorik diesen Erzeuger-Verbraucher-Dialog ab. Lehrkräfte standen bei der Vorbereitung unterstützend zur Seite.
Elisabeth Filgertshofer aus Lenggries vom 1. Semester referierte über die Ursachen des Artenrückgangs: der Verlust von Lebensraum aufgrund von Flächenverbrauch und die Zerteilung von Lebensräumen seien zwei entscheidende Einflüsse. „Welchen Nutzen liefern uns Insekten?“ wollte Christina Juffinger, Hauswirtschafterin aus Niklasreuth, wissen. Ohne Insekten sei mangels Bestäubung mit großen Ertragseinbußen zu rechnen. Die Landwirte setzten sich für die Artenvielfalt ein, wollen aber keine gesetzlichen Vorschriften.
Michael Schlickenrieder aus Otterfing vom 3. Semester stellte den Verbrauchern die Gegenfrage: „Wäre das Volksbegehren unter dem Motto ,Rettet die Gemeine Stechmücke’ ebenso erfolgreich gewesen?“ Franziska Rank vom Hauswirtschaftsstudiengang aus Bad Tölz überlegte, was der Verbraucher selbst zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen könne. Das Pflanzen und Pflegen von Obstbäumen oder den Rasen nicht jede Woche zu mähen seien zwei einfache Möglichkeiten.
Maßnahmen für die Artenvielfalt würden mit dem Kulturlandschaftsprogramm gefördert, berichtet Martin Leitner vom 1. Semester aus Schliersee. Flächenförderungen seien vor allem für den Erhalt der kleinbäuerlichen Betriebe notwendig. Anna-Lena Rieder aus Irschenberg interessierte, wieso nur Landwirte eine Förderung erhalten und nicht auch andere Berufsgruppen. Die Studierenden der Abteilung Landwirtschaft lieferten schlagkräftige Argumente: Die Förderungen seien an die Flächenausstattung gebunden und zum Teil mit Bewirtschaftungsauflagen verknüpft. Die Verbraucher profitierten von den Flächenförderungen durch niedrigere Lebensmittelpreise. „Tierwohl geht uns alle an und nur gemeinsam kann etwas bewegt werden“, appellierte Schlickenrieder an seine Landwirtschaftskollegen und die Verbraucherinnen.
Ein weiteres Thema war die Laufstall- bzw. Anbindehaltung. Bei einem Verbot der Anbindehaltung stünden kleine Betriebe vor dem wirtschaftlichen Ruin und müssten die Landwirtschaft aufgeben. Martin Leitner lieferte gute Argumente für die Anbindehaltung. Josef Eichner aus Jasberg, 1. Semester, schloss die Vortragsrunde mit fachlichen Informationen zum Thema Gewässerschutz ab. Hauswirtschafterin Christina Springer aus Anzing konfrontiert die Landwirte mit der Frage: „Wieso stellen denn nicht alle Betriebe auf ökologische Bewirtschaftung um?“ Laut Alois Bucher aus Irschenberg seien „die Verbraucher selbst für die Entwicklung verantwortlich.“ Die Nachfrage bestimme das Angebot.
Emotionen waren auf beiden Seiten im Spiel. Der Erzeuger-Verbraucher-Dialog lief dennoch sachlich ab und die Wertschätzung und Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft wurde erhöht. Die Studierenden stärkten ihre Persönlichkeit und reflektieren ihr eigenes Verhalten selbstkritisch. Viele Talente der Studierenden kamen zum Vorschein. Einheitliche Rückmeldung der Studierenden war, dass dies eine erfolgreiche Veranstaltung gewesen ist, die in den nächsten Semestern unbedingt wiederholt werden sollte.
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