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Podiumsdiskussion

Verlasst euch nicht auf die Politik

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Sandra Schwägerl, Wochenblatt
am
24.06.2019

Podiumsdiskussion beim Kreisbauerntag Weilheim: Staatsminister Aiwanger will den Bauern keine unrealistischen Hoffnungen machen.

Kbt-Weilheim-Antdorf

Antdorf/Lks. Weilheim-Schon- gau Vielversprechend erschienen die Podiumsgäste beim Weilheimer Kreisbauerntag den Besuchern, sodass das Zelt doch immerhin zu drei Vierteln gefüllt war. Gelockt wurde mit dem Milchbauernpräsidenten des Deutschen Bauernverbandes Karsten Schmal, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten, Staatsminister und Landwirt Hubert Aiwanger, und den beiden Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann (Grüne) und Martin Schöffel (CSU). Das Diskussionsthema war die „Zukunft der Landwirtschaft im Voralpenraum“. Und über alldem schwebte die Diskussion um das Volksbegehren Artenvielfalt.

Hartmann als grüner Einzelkämpfer wollte alle auf einen Nenner bringen: Bauern, Verbraucher und Naturschützer seien unzufrieden. Daher seine Folgerung: So kann es nicht weitergehen. Schließlich habe es schon vor der jüngsten Abstimmung Krisen in der Branche gegeben. Sein „grünes Angebot“: Das Kulap soll komplett umgebaut werden und „einfacher, unbürokratischer und auf mehr Naturschutz ausgerichtet“ sein. Auf die Milchwirtschaft bezogen, könne er es sich vorstellen, „weniger Menge und mehr Qualität“ zu produzieren.
Den Bauern gab er zu bedenken, dass der Kampf gegen das Volksbegehren Artenvielfalt ein Kampf von gestern sei. Eine Konsequenz des Volksbegehrens und dem künftigen Begleitgesetz für Aiwanger: „Wir werfen das Geld zum Fenster raus – aber so ist es jetzt eben.“

Kombinationshaltung
als beste Lösung?

Einen globalen Blickwinkel boten die Worte von Karsten Schmal: Demnach seien nur 4 % der Erdoberfläche für Pflanzenwachstum geeignet, das eigentliche Thema sei die Welternährung. Als Luxus und „zunächst Enteignung“ bezeichnete er Flächenstilllegung, etwa am Gewässerrand. Strukturwandel in der Milchwirtschaft sieht er unter anderem bei dem Wegfall der Anbindehaltung und einer Neuauflage der Düngeverordnung starken Strukturwandel. Beides werde deutschlandweit je 10 000 Betriebe zum Aufgeben bewegen, so seine Prognose. Schöffel bezeichnete die Kombinationshaltung als „Lösung auf lange Dauer“. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der CSU bemängelte er, dass nur über den CO2-Ausstoß der Landwirtschaft geredet werde, nicht aber darüber, dass man dieses mit Pflanzenbau auch bindet.

Kinder und Diversifizierung

Aiwanger wirkte – trotz einiger Witze – resigniert und lieferte nach gut zwei Stunden Diskussion den Satz des Abends: „Verlasst euch nicht auf die Politik, sondern sucht euch euren eigenen Weg, wie ihr überleben könnt.“ Unrealistische Hoffnungen wolle er den Bauern nicht machen, man könne Verbraucher nicht dazu zwingen, regional einzukaufen, Billigimporte seien schließlich möglich. Als Schlüssel bezeichnete er Kinder, ihnen müsse man „realistische Bauernhöfe“ nahebringen, als Zukunft der Landwirtschaft sieht er die Diversifizierung. Als Mutmacher des Abends tat sich Schöffel hervor: Er betonte, dass jede Gesellschaft Bauern brauche: „Ihr habt Zukunft“, richtete er das Wort an die Jungbauern im Zelt.
Stellvertretend für die acht neuen Landwirtschaftsmeister und eine Meisterin aus dem Landkreis Weilheim-Schongau bekam Andreas Winterholler von BBV-Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher und Kreisobmann Wolfgang Scholz eine BBV-Softshell-Weste überreicht.
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