Login
Jahresabschluss

Viehvermarktung - Die Zukunft immer im Blick

Viehvermarktung
Lieferten Zahlen und Fakten: (v. l.) Franz Mitterberger (Schweinevermarktung), Aufsichtsratsmitglied Josef Andres, Vorstandsvorsitzender Hubert Mayer und Geschäftsführer Sebastian Brandmaier. © Katharina Heinz
Katharina Heinz
am
12.02.2018

Die VVG Oberbayern-Schwaben hält in Hochstätt Versammlung für den Landkreis Rosenheim ab.

Die Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben eG (VVG) geht mit großen Schritten Richtung Zukunft. Dass sie sich dafür gut rüstet, zeigte sich bei der Mitgliederversammlung für den Landkreis Rosenheim im Gasthaus Kapsner in Hochstätt. Durch das Programm führte Aufsichtsratsmitglied Josef Andres, der auch zahlreiche Ehrengäste aus Landwirtschaftsamt, Veterinäramt sowie den Landtagsabgeordneten Otto Lederer begrüßen konnte.

Vorstandsvorsitzender Hubert Mayer skizzierte, mit welchen Herausforderungen die Landwirte aktuell zu kämpfen haben. Ihnen müsse ein Spagat gelingen: zwischen den Vorgaben aus Politik sowie Gesellschaft einerseits und der Versorgung der Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln andererseits.

Die Anforderungen in puncto Umweltschutz, Sozialverträglichkeit und Tierschutz seien hoch, die Diskussionen emotional aufgeladen. „Das Kaufverhalten der Verbraucher basiert dabei immer häufiger auf einem eher diffusen Bild der Landwirtschaft“, so Mayer.

Auflagen seien gerade für die kleinen bayerischen Betriebe eine He­rausforderung. In der Nahrungsmittelproduktion seien die Bauern das erste Glied in der Kette – aufgrund der starken Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels sei man aber mittlerweile auch das schwächste Glied der Kette.
Umso wichtiger sei es, dass sich die VVG durch Fachkompetenz, Viehstärke und Zuverlässigkeit in eine anerkannte und starke Position gebracht habe. Mit einer unabhängigen Vermarktung habe man eine Grundlage geschaffen, um auf dem Markt mit einer sozialen Ertragslage und aktivem Risikomanagement bestehen zu können.

Neu aufstellen

Gleich in mehreren Bereichen will sich die VVG gut für die Zukunft aufstellen. Die Investition in einen neuen Firmensitz war bereits einer davon. In Waldkraiburg hatte man im Jahr 2015 ein Industriegelände gegenüber dem Schlachthof erwerben können und bis vergangenen Juli umgebaut.

Im Erdgeschoss wurde eine EU-Sammelstelle für Kälber und Schweine mit den laut Mayer neuesten Hygiene- und Veterinärstandards eingerichtet. Im ersten Stock ist das Büro eingezogen, aufgeteilt in einen Bereich für Rinder- und einen für Schweinevermarktung.

Damit, so Mayer, habe man nun kürzere Wege und eine bessere Organisation der Verwaltung. „Das ist ein Meilenstein in der Geschichte der VVG und ein wichtiger Eckstein für unsere Zukunft“, zeigte sich der Vorstandsvorsitzende überzeugt.

Ein weiterer Ansatz, die VVG noch stärker zu machen, ist eine Umstrukturierung mit Abteilungen. Bisher waren einzelne Bereiche als GmbHs organisiert. In Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband habe man beschlossen, sie umzuwandeln. Seit vergangenem Jahr gibt es bereits die Abteilung „Nutzvieh“, seit Januar ist auch die ehemalige „Südferkel GmbH“ eine Abteilung. Damit will man sich bei der VVG Kosten für Buchungen, Bilanzierungen und Prüfungen sparen und den rechtlichen Rahmen vereinfachen. „Auf diese Weise wollen wir intern noch kostengünstiger und effizienter arbeiten und auch nach außen stärker als eine Firma auftreten“, so Mayer.

Vermarktungszahlen

Dass die Zahlen stimmen, zeigte der Vorstandsvorsitzende in seinem Geschäftsbericht. Insgesamt sei man in der Eigenständigkeit stark gewachsen und habe sich in einem schwierigen Umfeld gut behaupten können. Im vergangenen Jahr wurden 110.763 Rinder vermarktet (52.675 Bullen, 36.447 Kühe, 21.458 Färsen und 183 Kälber, im Jahr 2016 waren es insgesamt 110.024). Bei der Nutzviehvermarktung war es eine Gesamtzahl von 85.655 Stück (62.179 Kälber, 22.752 Fresser und 724 Stück Einstellvieh, 2016 insgesamt 89.093).

Die Schweinevermarktungszahlen beliefen sich 2017 auf 546.160 Stück gesamt (528.047 Schweine, 5.429 Sauen, 807 Eber und 11.877 Spanferkel, 2016 insgesamt 585.888). Bei den Nutzferkeln waren es insgesamt 629.093 (552.444 Ferkel mit 28 kg, 76.649 Ferkel mit 8 kg, 2016 insgesamt 619.349).

„Das sind eindrucksvolle Zahlen“, meinte der Vorstandsvorsitzende. Im Jahr 2016 erzielte die VVG ein Ergebnis von 864 298 €. Man werde den Betrag in die Risikorücklage stecken sowie in den Markt investieren. Dies komme durch eine gute Risikoabsicherung und gute Auszahlungspreise den Mitgliedern zugute. Das Ergebnis für 2017 ist laut Mayer zwar noch nicht geprüft, man geht aber von einer Summe in der gleichen Größenordnung aus.

Mitgliederzuwachs

Bei den Mitgliederzahlen geriet Mayer ins Schwärmen. Als „sensationell“ bezeichnete er den Zuwachs im Jahr 2017. „Die Bauern werden weniger und wir bekommen 326 neue Mitglieder“, freute er sich. 14.959 waren es zum Jahresende. Das, so Mayer, sei für die VVG gut. Denn mit einem gewissen Druck der dahinterstehenden Menschen könne man auch besser verhandeln.

Stolz zeigte er sich auch, dass man als einziger Vermarkter ohne Mitgliedsbeiträge auskomme. In Oberbayern verzeichnete man 2017 insgesamt 9459 Mitglieder (2016: 9436), wobei Rosenheim mit 1870 Mitgliedern der stärkste Landkreis ist.

Detailliert auf den Rindfleischmarkt ging Geschäftsführer Sebastian Brandmaier ein. Neben Entwicklungen am Weltmarkt und der Situation bei Import und Export zeigte er Trends bei der Nachfrage auf. In diesem Zusammenhang präsentierte er auch die neue Marke der VVG, die „Grünlandkuh“. Diese habe man entwickelt, um den Schulterschluss zwischen Landwirt und Verbraucher zu schaffen.

Bisher, so Brandmaier, sei man den Hürden des Lebensmitteleinzelhandels immer hinterhergelaufen. Das wollte man mit einer eigenen Marke ändern. Produkte mit dem Siegel der „Grünlandkuh“ kommen von VVG-Mitgliedern, Herkunft aus Bayern oder Baden-Württemberg, die einen Grünland-Anteil von 40 Prozent haben, GVO-frei füttern und nach QM oder QS-Standard zertifiziert sind.

Die Teilnahme soll für die Landwirte möglichst einfach sein und keinen zusätzlichen Aufwand bedeuten. Dafür gibt es einen Mehrerlös von 20 ct/kg Schlachtgewicht.

Auf die Schweinevermarktung ging Franz Mitterberger ein. Er bezeichnete 2016 und 2017 als „gute Schweinejahre“ und rechnet auch im Jahr 2018 mit einer stabilen Produktion. Mit Blick auf den Weltmarkt meinte er, dass der Export nach China leicht abgeschwächt ist. Ein Problem sieht er in der zunehmenden Konzentration weniger Schlachthöfe. „Hier geht Wettbewerb verloren“, betonte Mitterberger.

Auch interessant