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Hauptalmbegehung

Viel Lob für Oberbayerns Almbauern

Pölcheralm Oberbayern
Elisabeth Jahrstorfer, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
16.08.2017

Zum fünften Mal führte die Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern auf den Samerberg. Auf dem Weg wurden mehrere Einzelalmen vorgestellt.

Wie jedes Jahr machten sich auch heuer wieder Hunderte von Almbäuerinnen und -bauern mit ihren Familien, Vertreter von Politik und Behörden sowie Freunde der Almwirtschaft auf den Weg durch ein oberbayerisches Almgebiet. Zum fünften Mal führte die Hauptalmbegehung auf den Samerberg. Während die erste Begehung im Jahr 1962 mit 30 bis 40 Teilnehmern noch zwei Tage dauerte, waren heuer an einem Tag über 1000 Almwanderer unterwegs – eine organisatorische Meisterleistung, nicht zuletzt, da an jeder Station für ausgezeichnete Verköstigung gesorgt war.
Für AVO-Geschäftsführer Michael Hinterstoißer war es die 25. Haupt­almbegehung, die er organisiert hat, und gleichzeitig seine letzte, bevor er in Ruhestand geht. Alfons Zeller, Präsident der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen, würdigte die große Leistung von Michael Hinterstoißer. Auch Wolfgang Hampel, Leiter des AELF Rosenheim, bedankte sich dafür, was dieser in seinem Amt für die Almwirtschaft getan hat.
An den Stationen dankten viele mitwandernde Politiker den Almbauern für die tolle Landschaftspflege, die sie leisten. Darunter Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler und nicht zuletzt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, für die die Hauptalmbegehung seit Jahren ein „Pflichttermin“ ist. Denn die Bewirtschaftung der Almen ist die Basis für die touristische Attraktivität vieler Bergregionen. „Ohne Almbauern gibt es keine Wanderregion Samerberg“, betonte Michael Hinterstoißer. Andrea Degl, Vizepräsidentin der Regierung von Oberbayern, schloss sich als Vertreterin der Oberen Naturschutzbehörde mit einem Dank für die Leistung der Almbauern für den Erhalt der Biodiversität an. „Wir werden uns an Ihr Lob erinnern, wenn wir wieder ein Anliegen haben“, ergänzte Hinterstoißer und nahm Bezug auf die Konflikte mit dem Naturschutz beim Wegebau.  
Jedes Jahr gehen Almflächen verloren
Dass die Almen weiterbestehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Jedes Jahr gingen bis zu 600 ha Almfläche verloren, mahnte AVO-Vorsitzender Georg Mair. 2016 waren es 570 ha – etwa die Fläche von 19 Almen. Grund dafür ist eine unzureichende Beweidung und Wiederbewaldung.
„Das können wir uns nicht leisten, so schaffen wir uns selbst ab“, sagte Mair. Almen seien die letzten Rückzugsgebiete einer intakten Natur und hätten eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Das dürfe man nicht aufs Spiel setzen. „Ich bitte euch, dass wir dem entgegentreten.“ Ebenso wichtig ist, den Jungaufwuchs rechtzeitig zu entfernen und den Baumbewuchs zu lichten. Das gehe auch auf Berechtigungsalmen, so Mair. Es sei für alle Seiten eine Win-win-Situation. Die Bauern bekämen größere Flächen, der Staatsforst könne Bäume verkaufen und die Zunahme von Übergangsflächen von Wald zu Weide fördere die Artenvielfalt.
Mair lobte das Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft zur Umstellung von Anbindehaltung auf Laufstall für Betriebe mit weniger als 25 Kühen, die nicht wachsen wollen. „Es ist ein gutes Programm und es ist auch genug Geld da“, sagte er.
Mehrfach kam das Thema Wolf zur Sprache. Hinterstoißer und Mair betonten, dass auf den Almflächen ein Schutz der Tiere vor dem Wolf nicht möglich ist. Ein Problem seien nicht nur die Risse von Weidetieren, sondern auch die Beunruhigung der Herden, was zum Absturz von Tieren führen könne. Auch in anderen Ländern wie der Schweiz, Frankreich und Spanien gelänge der Schutz nicht. „Wir haben uns alles angeschaut“, sagten Hinterstoißer und Mair. Einzäunen sei auf Almflächen nicht möglich und Herdenschutzhunde im Touristengebiet nicht machbar. „Wir würden etwas machen, wenn es vernünftige Möglichkeiten gäbe.“
Weitgereister Gast war Erich Schwärzler, Vorsitzender des Verbandes der österreichischen Almwirtschaft und Landesrat in Vorarlberg. Er betonte, dass der Bestand der Almen davon abhänge, dass auch die jungen Menschen die Arbeit begeistert tun wollen. Wichtig sei dafür die Erschließung durch Wege – selbstverständlich in Grenzen.
Wolffreie Zone in den Bergen nicht möglich
Aus dem bayerischen Kabinett fand auch Umweltministerin Ulrike Scharf den Weg auf den Berg. Georg Mair forderte, dass die Politik die Meinung der Almbauern zum Wolf respektieren müsse. Doch die Umweltministerin betonte, dass eine wolffreie Zone im Berggebiet nicht möglich sein werde. Sie gab zu, dass es in Bayern nun erste Rudel gebe, und informierte, dass der Wolfsmanagementplan nun in Stufe 3 gehe und die Förderrichtlinien für die Prävention erarbeitet werden. Zudem solle ein neues Gutachten das Wissen über die Situation im Berggebiet aufbessern. „Wir sind uns einig, dass wir die Almwirtschaft erhalten wollen“, sagte sie.
Im durchwanderten Gebiet befinden sich viele Einzelalmen, die von den Almbauern vorgestellt wurden. Auf der niedrigsten Alm, der Pallauf­alm, ist eine Beweidung von Ende April bis Anfang November möglich, auf den hohen Almen wie der Seitenalm von Mitte Mai bis Mitte September. Alle Almen sind durch Wege erschlossen und haben in den letzten Jahrzehnten die Wasserversorgung für die Tiere gesichert, Quellen gefasst und Tränkestellen ausgebaut.
Gut sichtbar war das Weideprojekt der Landesanstalt für Landwirtschaft auf der Pölcheralm, wo durch Weidemanagement das weitverbreitete Borstgras wieder verdrängt werden soll. Marinus Hartl, einer der drei Bauern der Gemeinschaftsalm, bedauerte, dass die Weidepflege vernachlässigt wurde.

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