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Mangfalltal

Wasserschutzgebiet: Überredungskunst war anfangs nötig

AbL
Roland Lory
am
05.02.2019

Infoabend der AbL-Regionalgruppe Oberland zu Wasserversorgung und Landbau

Eberfing/Lks. Weilheim-Schongau Das Münchner Trinkwasser gilt als qualitativ hervorragend. Die Hintergründe erläuterte jetzt Cornelia Schönhofer von den Stadtwerken München (SWM) im Rahmen einer Veranstaltung der Regionalgruppe Oberland der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) im Gasthaus zur Post in Eberfing. Die SWM gewinnen das Nass zu 80 % im Mangfalltal und zu 20 % im Loisachtal.
Bereits 1992 gründeten die Stadtwerke die Initiative Ökobauern. Diese unterstützt ökologisch arbeitende Landwirte mit einer Ausgleichszahlung, die ihren Beitrag zum Trinkwasserschutz honoriert. Zudem hilft das Geld, Ertragsminderungen sowie notwendige Investitionen zu kompensieren. Den Kooperationsvertrag mit den SWM können die Bauern zu jeder Zeit kündigen. Die Laufzeit beträgt ab Abschluss 15 Jahre. Die Kooperation zwischen Landwirten und den SWM hat zum Ziel, den ökologischen Landbau im Einzugsgebiet der Wassergewinnung im Mangfalltal und in der Schotterebene zu fördern.
Der Start war anscheinend nicht ganz einfach. „Es hat anfangs etwas Überredungskunst gebraucht“, erzählte Schönhofer. Doch das Reden hat sich gelohnt. Mittlerweile haben rund 175 Landwirte ihre Betriebe von traditioneller auf Boden und Gewässer schonende Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung umgestellt. Gemeinsam bewirtschaften sie eine Fläche von rund 4000 ha. Das ist das größte zusammenhängend ökologisch bewirtschaftete Gebiet in ganz Deutschland. Insgesamt umfasst das Fördergebiet 9100 ha.
Landwirte, die in der Tierhaltung und in der Flächenbewirtschaftung die Kriterien des ökologischen Landbaus erfüllen und Mitglied in einem Bioverband sind, können einen sogenannten Vollvertrag abschließen. Für Bauern, die in der Tierhaltung nicht die Vorgaben der Bioanbauverbände erfüllen können, aber ihre Flächen ökologisch bewirtschaften und Mitglied in einem Bioverband sind, gibt es die Möglichkeit eines Fördervertrags. In beiden Fällen erfolgt eine jährliche Prüfung durch eine staatlich unabhängige Kontrollstelle. „Wir untersuchen auch den Boden seit vielen Jahren“, teilte die Referentin den Landwirten mit. Jährlich sind das rund 130 Flächen. In Sachen Nitratbelastung betonte Schönhofer, dass eine solche „nicht immer unbedingt an der Landwirtschaft“ liege.
Natürlich gibt es auch Wald in den Trinkwassergewinnungsgebieten. Mehr als 1800 ha sind im Eigentum der SWM. In deren Auftrag pflegt und bewirtschaftet die Forstverwaltung der Landeshauptstadt München seit über 60 Jahren die Bestände ökologisch und vorsorgend.
Der Bedarf an Trinkwasser beläuft sich in München nach Schönhofers Angaben an einem normalen Tag auf 100 000 m3. „Das ist momentan etwas am Steigen.“ Hans Zacherl aus Moorenweis, einer der Sprecher der AbL-Regionalgruppe, zeigte sich von Schönhofers Vortrag angetan. „Sie haben gezeigt, wie man einen neuen Weg erfolgreich gehen kann.“
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